Maurice Gutmann aus Aichach kann spielend Geld verdienen


"Du kannst ein Item aus dem Stash switchen, während du TP'st, und auf die Lane mit sechs Items gehen." Nichts verstanden? Dann haben Sie womöglich genau den richtigen Beruf gewählt. Verfehlt hätten Sie ihn nämlich nur, wenn Sie Profi-Gamer wären, sprich: Wenn Sie mit dem Zocken von Online-Spielen Geld verdienen würden. Genau das tut der Aichacher Maurice Gutmann. Nun hat er erzählt, wie sein Arbeitsalltag aussieht und wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Eigentlich ist Maurice Gutmann ein ganz gewöhnlicher junger Mann Anfang 20. Er wohnt noch zu Hause, führt eine Beziehung, spielt gerne Fußball und verbringt viel Zeit am Computer. Wobei viel Zeit relativ ist - bei Gutmann sind es zwischen sechs und neun Stunden täglich. Wenn er zu Hause ist, trainiert er oder nimmt an Online-Events teil. Oft ist der 21-Jährige aber auch in ganz Europa oder Asien unterwegs, um Turniere zu spielen.

Auf einige Tausend wird die Anzahl der Profi-Gamer in Deutschland von Experten geschätzt. Die Spieler sind selten älter als 25, nur wenige können davon leben. "Das war kein Traumberuf von mir, ich habe einfach schon immer gerne gespielt", erklärt Maurice Gutmann. Deshalb hat er auch erstmal eine Fotografie-Lehre angefangen. Die hat er abgebrochen, als er gemerkt hat, dass aus dem Hobby doch ein Beruf werden könnte. "Als Ziel hat das fast keiner", weiß der junge Mann.

Vor fünf Jahren tat er sich mit Bekannten zusammen und gründete ein Team, um an Turnieren teilnehmen zu können. Ziel dabei war allerdings nicht unbedingt zu gewinnen, sondern vielmehr, Spielpraxis zu bekommen. Allmählich wurden die befreundeten Spieler aber so gut, dass langsam auch Geld floss. Das Team wurde zum "Dream Hack" nach Schweden eingeladen. 2004 schaffte es diese LAN-Party ins Guiness-Buch der Rekorde. Rund 30 000 Menschen versammelten sich dort, um zu spielen oder zuzusehen, rund 5000 sahen sich das Finale an, in dem Gutmann mit seinem Team den dritten Platz erzielte. Kurze Zeit später, vor drei Jahren, gelang dem Team ein noch größerer Coup: die Einladung zu den "HoN Tour World Finals" in Bangkok. Gutmanns Team gewann das Turnier und kassierte dafür 30 000 US-Dollar Preisgeld.

Teilweise können sich die Zuschauer bei diesen Events ebenfalls Sitzplätze kaufen und spielen, allerdings in anderen Hallen und unabhängig von den Profis. Die wiederum werden vom Veranstalter oder Spiele-Entwickler eingeladen und für ihr Erscheinen bezahlt. Sie treten auf einer Tribüne gegeneinander an, wie bei einem Konzert wird das auf einer Leinwand übertragen. Beim "Dream Hack" war das der Fall. In der Schule mochte Maurice Gutmann das Gefühl gar nicht, vor anderen etwas präsentieren zu müssen, das Spielen in der Öffentlichkeit mache ihm aber nichts aus, erklärt er.

Als Gamer ist Maurice Gutmann unter dem Namen KheZu bekannt, eine Anlehnung an eine Figur aus der Videospielreihe "Monster Hunter". Er spielt im fünfköpfigen Team "Escape Gaming", in dem Spieler aus Deutschland, Dänemark, Jordanien und Schweden Mitglieder sind.

Um davon leben zu können, gibt es für Profis mehrere Einnahmequellen. So unterstützen beispielsweise Sponsoren gute Spieler und Teams, sie platzieren ihre Werbung dafür zum Beispiel auf Trikots. Daneben streamen Profi-Gamer ihre Trainingseinheiten und Online-Events. Hier können sich der Sponsor oder andere Partner Einblendungen erkaufen. Je mehr Zuschauer, also umso bekannter der Spieler, desto mehr Geld lässt sich auf diese Weise verdienen. Maurice Gutmanns Spiele verfolgen online bis zu 2000 Interessierte, die Spiele seines Teams sogar bis zu 100 000. "Meine größten Fans sind mein Bruder und meine Mum", sagt der 21-Jährige. Die Familie sieht sich jedes Spiel an. Ab und zu kommen auch Drehteams der Entwickler ins Haus und fragen Gutmanns Familie nach seiner Vergangenheit und was sie von seinem Job halten. Alle stehen hinter ihm. Als "Luxus" bezeichnet der 21-Jährige die Tatsache, dass auch seine Freundin seine Berufung versteht und akzeptiert. In der Branche gilt: Je besser du spielst, desto mehr Geld machst du. Seit kurzem hat Maurice Gutmanns Team einen Sponsor, die Mitglieder verdienen mit dem Spielen nun ein Gehalt.

Dem Siegerteam winkt ein Preisgeld von rund fünf Millionen US-Dollar

Die Preisgelder der Turniere, auf denen sein Team mittlerweile spielt, gehen zudem in den siebenstelligen Bereich. Nun haben sich die jungen Männer für die "Dota International" in Seattle im August qualifiziert, das weltweit größte Turnier zum Multiplayer-Online-Game "Dota 2". Dem Siegerteam winkt ein Preisgeld von rund fünf Millionen US-Dollar, Spieler aus der ganzen Welt kämpfen darum. Derartige Chancen fliegen Profi-Gamern allerdings nicht einfach zu, bis dahin ist es ein hartes Stück Arbeit. Abgesehen von den Trainingsstunden, die Maurice Gutmann alleine zuhause absolviert, wird er vor großen Turnieren mit seinem Team in sogenannte "Bootcamps" geschickt. Dort treffen sich die Spieler zum intensiven Training. Außerdem passiert es, dass sich der Sponsor trennt, wenn Teams nachlassen.

"Wenn man gut sein will, muss man einfach Zeit investieren"

Der Arbeitsalltag eines Profi-Gamers lässt nicht viel zeitlichen Spielraum für andere Freizeitaktivitäten. Meistens wird auch am Wochenende trainiert, fällt ein Team-Mitglied aus, muss es triftige Gründe haben. "Wenn man gut sein will, muss man einfach Zeit investieren", weiß Gutmann. Die wenige Freizeit, die ihm bleibt, verbringt er mit seiner Freundin, Freunden oder der Familie. "Oft bin ich in Gedanken aber schon wieder beim nächsten Trainingstag", gibt er zu. In China existiert die Gamer-Szene schon seit rund 15 Jahren, in Deutschland ist es erst seit etwa sieben Jahren möglich, vom Spielen zu leben, erklärt Gutmann. Professionell mit dem Spielen angefangen hat er mit "Heroes of Newerth" (HoN), dem von Frostburn Studios entwickelten Computerspiel, das dem Genre der Multiplayer-Online-Battle-Arenas zugeordnet wird. Vergangenes Jahr wechselte er zu Dota 2 vom Entwickler Valve. Dabei spielen immer zwei Teams mit jeweils fünf Spielern gegeneinander, mit dem Ziel, den Gegner zum Aufgeben zu bringen oder dessen Basis zu zerstören. Gutmanns Team zählt zu den zehn besten Dota-Mannschaften in ganz Europa, bei HoN war Gutmann sogar Weltklasse.

Die deutsche Gamer-Szene ist klein, auch weil viele die berufliche Zukunft verunsichert. Mit Mitte 20 sei Schluss, liest man bei der Recherche zum Thema e-Sport, zu dem die Branche zählt.

Die häufigste Berufskrankheit von Pro-Gamern sei die Sehnenscheidenentzündung, zudem schwinde nach ein paar Jahren die Konzentration und das Reaktionsvermögen. Maurice Gutmann macht sich aber keine Sorgen um seine Zukunft. "Ich bin ein eher spontaner Mensch, ich lasse das auf mich zukommen", erklärt er. Auch nach dem Spielen stehen Ex-Profi-Gamern einige Türen offen.

So kann man als Coach tätig werden, als Kommentator bei Turnieren agieren oder sein Geld als Analytiker oder Statistiker in der Branche verdienen. "Wer weiß, vielleicht mache ich irgendwann ja auch was ganz anderes. Eigentlich möchte ich aber in dieser Branche bleiben", sagt Gutmann. (Nayra Weber )
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