Pepe Nietnagel lässt grüßen: Posse um das Klo-Auto am Friedberger Gymnasium wirkt wie aus der Zeit gerückt

Einen derartigen Werbeeffekt hat die Dasinger Sanitärfirma Gail wohl nicht erwartet, als sie sich bei einem italienischen Handwerker das Design ihres Notfallwagens abguckte. Das Auto ist nach der Posse am Gymnasium Friedberg und weit darüber hinaus Gesprächsthema. (Foto: Firma Gail)

Die absurde Geschichte um das Firmenfahrzeug einer Dasinger Sanitärfirma, das vom Schulhof des Friedberger Gymnasiums verwiesen wurde, wird bundesweit zur Nachricht. Sie wirkt, als wäre sie einer Episode der "Lümmel von der ersten Bank" entsprungen. Den Betrieb freut's. Eine Glosse.

Die Schule soll einen, so heißt es, auf den Ernst des Lebens vorbereiten. Dieser Leitsatz schoss dem Direktor des Friedberger Gymnasiums Bernhard Gruber wohl in den Kopf als er eines Nachmittags auf seinem Schulhof den Transporter einer Dasinger Sanitärfirma erblickte. Vor allem dessen Aufdruck: Da wird doch tatsächlich angedeutet, dass der Fahrer des Transporters auf einem Lokus sitzt.

Gruber sah sich gezwungen zu handeln und alarmierte empört das Landratsamt. Das hat diesen sehr speziellen Betrieb schließlich beauftragt, an seiner Schule Sanierungsarbeiten auszuführen. Das Schreiben hat das Unternehmen auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Man solle, schreibt Gruber, die Firma „dahingehend verständigen, dass ihr Firmenwagen, dessen ästhetische Gestaltung dem Bildungs- und Erziehungsauftrag eines Gymnasiums recht eindeutig widerspricht, an Schultagen während der allgemeinen Unterrichts- und Pausenzeiten nicht auf dem Pausenhof abgestellt werden kann“.

Vielleicht spielte sich in des Schulleiters Kopf ein Alptraumszenario ab: Kichernde, womöglich gar jauchzende Schüler, die ihre Nasen ans Fenster pressen, um einen Blick auf das Fahrzeug und dessen unanständige Gestaltung zu erhaschen. An Unterricht wäre tagelang nicht einmal zu denken, weil die Kinder nur mehr Flausen im Kopf haben. Vorbildlich, dass der Schulleiter da geistesgegenwärtig reagiert hat.

Eine Plane für die Sofort-Zensur am Friedberger Gymnasium

Allerdings: Würde die Firma erneut wegen eines kurzfristigen Notfalls ans Gymnasium beordert, wird sie wieder mit dem Toiletten-Van anrollen. Denn nur dieses Fahrzeug ist entsprechend ausgestattet. Vielleicht liegt ja in der Schule mittlerweile eine Plane aus – für eine Sofortzensur.

Möglicherweise ist die Geschichte so abstrus, wirkt sie in Zeiten, in denen Kinder täglich das mit allerlei Schund übersäte Internet durchforsten, doch der Zeit entrückt. So lässt es einen unweigerlich an Heimatklamauk aus den 60er Jahren denken. Pepe Nietnagel und die anderen "Lümmel von der ersten Bank" hätten jedenfalls ihre helle Freude daran gehabt.

Dasinger Klo-Auto macht bundesweit Schlagzeilen: Beste Werbung für die Firma

Viel zu lachen hat derweil jedenfalls die Dasinger Firma: „Ich mache seit sieben Uhr morgens nichts anderes, als mit Medienvertretern zu telefonieren“, sagt Chefin Patricia Seiler auf Nachfrage. Sämtliche Reaktionen seien positiv, „noch keiner fand den Aufdruck anstößig“.

Außer einer: Und eben dem hat die Firma einen grandiosen Werbeeffekt zu verdanken. Jeder in der Region kennt nun den fahrenden Toilettensitz – darunter alle Schüler des Friedberger Gymnasiums. Der Transporter ist jetzt Schulgespräch.
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