Rundgang durch die Großbaustelle Wittelsbacher Schloss

Die Bauarbeiten im Wittelsbacher Schloss werden noch über ein Jahr dauern. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Bei den Umbaukosten für das Wittelsbacher Schloss wird es voraussichtlich bei der angepeilten Obergrenze von 20 Millionen Euro bleiben. Das war bei einer Begehung zu erfahren, die in ihrer jüngsten Sitzung die Mitglieder des Schlossausschusses zusammen mit Baureferent Carlo Haupt unternahmen. Sie machten sich beim Rundgang durch die Grossbaustelle ein Bild vom Fortgang der umfangreichen Arbeiten, die bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein sollen. Unter anderem sind bereits Aufzugschächte und neue Treppenhäuser entstanden und es wird neue Technik eingebaut.
Die ist nicht nur zum künftigen Betrieb des Veranstaltungs-Saales notwendig, sondern auch für die bayerische Landesausstellung in einigen Jahren, für die Friedberg auf den Zuschlag hofft. Außerdem will man sicherstellen, dass bei Notfällen im Schloss der Behördenfunk für Einsatzkräfte wie die Feuerwehr ohne Probleme funktioniert.
Auch das Museum soll neu konzipiert und 2018 wieder eröffnet werden. Seit mehr als 130 Jahren ist es mit seiner stadt- und kunstgeschichtlichen Sammlung im Wittelsbacher Schloss untergebracht. 1886 hatten 20 Friedberger Bürger einen historischen Verein (heute Heimatverein Friedberg) gegründet, dessen Ziel es war, kunstgeschichtlich und lokalgeschichtlich bedeutende Objekte in einem Museum zu vereinen. Das Herzstück des Museums bildete bisher die „Schatzkammer“ mit wertvollen Uhren.
Denn im 17. und 18. Jahrhundert war Friedberg eine bedeutende Uhrmacherstadt, aus der ganz Europa beliefert wurde. Preziosen wie Tisch-, Wand- und Stutzuhren sowie Kutschenuhren zeugen von der einst europaweit gerühmten Kunstfertigkeit der Uhrmacher. Die Sammlung umfasst darüber hinaus Fayencen der im 18. Jahrhundert im Schloss ansässigen Manufaktur.
Die historischen Grundlagen dieses Erfolgs liegen im 16. Jahrhundert. Damals förderten die Bayernherzöge die Ansiedlung talentierter Kunsthandwerker und machten sich dabei die strengen Zunftregeln des benachbarten Augsburg zu Nutze. Zum eigenen und dem Wohl Friedbergs siedelten sie Handwerker an, die in der Nachbarstadt kein Aufenthalts- und Meisterrecht bekommen hatten.
Vorgestellt werden soll im Museum auch nach dem Umbau die Geschichte des Schlosses. Mehrmals zerstört und wiederaufgebaut, zeigt sich die Vierflügelanlage heute weitgehend im Stil der Renaissance. Der arkadengesäumte Innenhof bot in der Vergangenheit den idealen Rahmen für Märkte, Konzerte und viele andere Veranstaltungen.
Die romanische Grundanlage des Wittelsbacher Schlosses entstand 1257. Ursprünglich umzogen die Burg zwei Mauerringe mit Wehrgängen, Zinnen und Schießscharten. Im Inneren befand sich eine Wehrmauer mit drei Türmen. Vom oberen Ring führte ein Steilhang zum unteren Mauergürtel mit einem verdeckten Abstieg an der Westseite. Der äußere Ring war umgeben von zwei starken Rundtürmen; im nördlichen Turm befand sich das Verlies, im Volksmund "Köpfhäusl" genannt.
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