Singende Zöllner und Kräuterweiber

Auch eine historische Schmiede wird für das Altstadtfest aufgebaut. Foto: Stöbich


"Habe die Ehre", wird es in wenigen Wochen wieder heißen, wenn beim Altstadtfest historisch gekleidete Bürger durch die Stadt wandeln. Weil das Fest dieses Jahr zum zehnten Mal seit 1989 stattfindet, haben sich die Organisatoren einige Extras zum Jubiläum einfallen lassen. So wird es als Vorgeschmack auf die Friedberger Zeit (Dauer vom 8. bis 17. Juli) eine Ausstellung mit Fotos und Plakaten aus drei Jahrzehnten geben; sie ist bereits ab 7. Juni im neuen Finanz- und Gesundheitszentrum am Sparkassenplatz zu sehen.

Außerdem kündigt Frank Büschel eine CD an, für die im März Friedberger Musikgruppen rund zwei Dutzend Titel aufgenommen haben. "Die Lieder reichen von den Kräuterweibern bis zu unseren singenden Zöllnern", sagt er. Diese musikalische Reise durch die Friedberger Zeit wird es als Gastgeschenk der Stadt, aber auch im freien Verkauf geben. Auch sonst ist in der autofreien Innenstadt wieder allerhand geboten: Die Besucher erwarten festlich gewandete Bürgersleut, Handwerker, Cordonisten, Gaukler, Musikanten, Nachtwächter, Schützen, Zöllner und natürlich jede Menge Schmankerl an den Verkaufsständen.

Aber auch für wohltätige Zwecke wird während des Festes gearbeitet, zum Beispiel am Stand der Auszubildenden des Unternehmens Federal Mogul. Das Team beteiligt sich zum neunten Mal an der Großveranstaltung, für die auch zwei ehemalige Ausbilder wieder reaktiviert werden: Vitus Lichtenstern aus Mering und Hubert Gerstmaier aus Ottmaring wollen zusammen mit den Jugendlichen in einer altertümlichen Schmiede nahe der Friedberger Pfarrkirche ihre Handwerkskunst demonstrieren. Am Stand werden unter anderem Kupferlaternen, Hufeisen und Schmuck hergestellt. Mit ihrer traditionellen Kleidung - Kniebundhosen, Lederschurz und roten Kappen - sind die Mitarbeiter der Schmiede auch beim großen Einzug am 8. Juli um 18 Uhr dabei und tragen die Zunftstange der heiligen Helena. "Sie gilt wegen der Auffindung der Kreuznägel Christi als Schutzpatronin der Nagelschmiede", weiß Ausbilder Anton Plöckl.

Für ihre Zunftstangen wählten die Handwerker früher Heilige als Patrone aus, deren Leben in Bezug zum jeweiligen Handwerk stand. Im (derzeit geschlossenen) Museum im Wittelsbacher Schloss sind unter anderem die Zunftstangen der Bäcker mit Barbara, der Metzger mit dem Nikolaus und der Schuhmacherzunft mit dem heiligen Crispinus vorhanden.

Im sozialen Leben Friedbergs spielte im 18. Jahrhundert der sogenannte Dinzeltag eine bedeutende Rolle; am 10. Juli werden die Schmiede von Federal Mogul ebenfalls mit dabei sein. Jede Zunft hielt jährlich einen Dinzeltag ab. Der Name kommt von Dingestag, was soviel bedeutet wie Gerichtstag. Es war der Versammlungstag der Handwerksleute, auch der Jahrtag für die Verstorbenen der Zunft.

Seit dem achten Stadtfest wurde die Idee eines Dinzeltages aufgegriffen. Seit dem Mittelalter hatten sich die Handwerker in Zünften zusammengeschlossen, um die gemeinsamen Interessen, die Rechte und Pflichten der Meister, Gesellen und Lehrlinge zu wahren. Die Qualität der Handwerksarbeit sollte erhalten werden. Durch die Begrenzung der Meister und Zunftzwang wurde Konkurrenz ausgeschaltet.

Die Zunft überwachte aber auch die Ordnung und Sittlichkeit ihrer Mitglieder und ahndete Verstöße. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg können Zünfte in Friedberg nachgewiesen werden. In dem vom Stadtpfarrer Freiherr von Eckher 1728 angelegten "Urbarium Civitatis" sind achtzehn Zünfte mit ihren Dinzeltagen erwähnt.

Der Festobolus für zehn Tage beträgt zehn Euro, der Tageseintritt in die Friedberger Festzone fünf Euro. Kinder bis zwölf Jahre bezahlen keinen Eintritt, ebenso historische gekleidete Bürger im Gewand der Friedberger Zeit.

Mit ihrer Veranstaltung, die alle drei Jahre stattfindet, erinnern die Friedberger an die Blütezeit der einstigen Uhrmacherstadt von 1680 bis 1780. ( Peter Stöbich )
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