Spontane Straßenkunst in Friedberg

Mehr Mut forderten diese Damen bei der Kunstaktion. Foto: Peter Stöbich

Lebende Skulpturen im Friedberger Zentrum. Passanten bleiben stehen, Autofahrer halten an. Sie sind irritiert oder bestaunen die Aktion.

Die Autofahrer und Passanten in der Ludwigstraße staunten nicht schlecht, als ihnen plötzlich Doktor Faust, Mephisto und andere Gestalten begegneten. Bei den teils witzigen, teils erschreckenden Figuren handelte es sich um eine Kunstaktion von Rose Maier-Haid und ihren Schülern: Sie stellten zweimal zehn Minuten lang lebende Skulpturen dar und verschwanden wieder so schnell aus dem Straßenbild, wie sie zuvor zur Überraschung der Friedberger aufgetaucht waren.

Zwölf Uhr mittags, 30 Grad Hitze, scheinbar ein ganz normaler Ferientag. Die Kunden stöhnen unter den Temperaturen, die Gäste im Stadtcafé dösen vor sich hin, da erscheinen unvermittelt Menschen und ganze Szenen, die irgendwie nicht ins gewohnte Bild passen. Eine Gärtnerin steht unbeweglich auf dem Gehsteig, vor dem Schuhhaus Kratzer liegt ein Unfallopfer am Boden, eine Frau sitzt am Straßenrand und liest einem Clown in ihrem Arm etwas vor - verwirrende Eindrücke, weil die Zuschauer nicht gleich einordnen können, was normaler Alltag und was inszenierte Kunst ist.

Janina und Martin Würtele finden die überraschende Aktion sehr gelungen, würden so etwas auch selbst mal gern machen und freuen sich wie viele andere über die bunten Bilder, die in der Ludwigstraße für Leben beziehungsweise einen Stau sorgen. Denn viele Autofahrer halten an, um zu schauen, was die "Verrückten" da alles treiben.

"Esst mehr Gemüse", fordert eine Köchin auf einem Schild, wenige Meter weiter macht eine Frau schon seit fünf Minuten Kopfstand. Vor der Hypobank steht Mike Mayer mit einem durchlöcherten Rettungsschirm und einem Plus-Minus-Hemd, gegenüber dem Rathaus haben sich die Grünen samt ihren Mitstreitern aufgebaut und fordern - mit einer Axt bewaffnet - Mut. "Das ist mal eine pfiffige Idee", meint der Zuschauer Günter Schmid, "die sonst im Stadtrat am meisten palavern, müssen jetzt mal zehn Minuten den Mund halten!"

Nicht nur einzelne Figuren sind zu sehen, auf den Stufen vor der Stadtpfarrkirche kann man gleich eine ganze Theaterszene mit Doktor Faust, Mephisto und Gretchen bewundern. So heiter die einen Skulpturen wirken, so erschreckend sind andere Darstellungen: Ein hübsches Mädchen sitzt auf dem Bürgersteig und schaut starr auf ihr verlorenes Bein, das vor ihr auf dem Boden liegt. Aus ihrem Alltagstrott reißt die Passanten auch eine Gruppe, die das Bild "Der Schrei" des norwegischen Malers Edvard Munch inszeniert hat.

"Kunst soll und muss sogar irritieren. Für manche war es schon sehr mutig, sich so in der Öffentlichkeit zu präsentieren", so Maier-Haid. Sie freut sich auch über den positiven Zuspruch, denn das überraschte Publikum fand die Aktion originell und reagierte teils sogar mit spontanem Applaus.
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