Viele Details sind noch zu klären: Schlossumbau geht in die Schlussrunde

Über das künftige Nutzungs- und Personalkonzept diskutierte der Schlossausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Fotos: Stöbich
 
Das Schloss soll 2018 wieder für die Friedberger zugänglich sein.
Friedberg: Friedberg |

Bevor die Friedberger in gut einem Jahr das Wittelsbacher Schloss und das neu konzipierte Museum wieder besuchen und nutzen können, haben nicht nur die Handwerker noch jede Menge zu tun. Bis zur Eröffnung gibt es auch für die Mitglieder des Schlossausschusses noch unzählige Fragen und Details zu klären, vom Betreibermodell über Bestuhlungspläne bis zu den Mietpreisen für die verschiedenen Räume. Kein Wunder, dass die jüngste Sitzung samt Ortsbesichtigung einen halben Tag in Anspruch nahm.

Über einzelne Punkte herrschen im Ausschuss kontroverse Ansichten, zum Beispiel über die 21.000 Euro teure Illumination der Schlossbrücke. Die sechs Bodenstrahler mit farbigen LEDs nannte Marion Brülls (Grüne) eine "gräßliche Disney-Beleuchtung" und stimmte gegen ihre Anschaffung. Die Strahler sollen unter dem Handlauf der Brücke installiert werden und bei Veranstaltungen eine farbige Lauflicht-Beleuchtung ermöglichen.

Erfahrungen sammeln durch kommende Veranstaltungen

Angesichts der Umbaukosten von mehr als 20 Millionen Euro sind Stühle zwar nur eine Kleinigkeit, aber mehrere hundert davon gehen auch ins Geld. Ob sie 50 oder 60 Zentimeter breit sein sollen, darüber wurde im Ausschuss lang und breit diskutiert; die Verwaltung hatte nur ein einziges Modell zur Ansicht bereitgestellt, weshalb einige Mitglieder alternative Angebote forderten. Zu einem späteren Zeitpunkt soll ein Probesitzen stattfinden. Weil die Lagerkapazitäten im Wittelsbacher Schloss begrenzt sind, müssen die Stühle gut stapelbar sein und sich Tische zusammenklappen lassen.

Rund 370 Sitzplätze soll es im künftigen Veranstaltungssaal geben, den man ebenso wie Rittersaal, Remise, Schlosshof und die beiden Stuckräume im Süden und Norden auch privat mieten kann. Es sei nicht einfach, so Bürgermeister Roland Eichmann, die Akustik und Veranstaltungstechnik dem historischen Ambiente anzupassen. In vielerlei Hinsicht gelte es zunächst, Erfahrungen im praktischen Betrieb zu sammeln. Das ist im Laufe des Jahres 2019 möglich, bevor die erhoffte Landesausstellung das Schloss wieder blockieren wird.

Museum, Vereine und Veranstaltungen unter einen Hut bekommen

Die zahlreichen Auflagen von Brand- und Denkmalschutz, künftige Fluchtwege sowie Vereinbarungen mit den Nachbarn müssen ebenso berücksichtigt werden wie der künftige Museumsbetrieb, den Marion Brülls gleichberechtigt mit den kulturellen Veranstaltungen gewichtet haben wollte. Sie kritisierte, dass die Planung für ein Nutzungs- und Personalkonzept reichlich spät komme: Man hätte damit schon wesentlich früher beginnen müssen. Auch seien die angedachten Mietpreise für Friedberger Vereine viel zu hoch, befürchtet Brülls: "Da werden wir wohl ein leeres Bürgerschloss bekommen!"

Die Verwaltung schlug vor, grundsätzlich nur solche Veranstaltungen zuzulassen, die in das denkmalgeschützte Gebäude und dessen Stil passen. Die Zuständigkeiten sollen im Rathaus auf verschiedene Abteilungen übertragen werden. Die Gesamtverantwortung in eine Hand zu legen, wie Brülls vorgeschlagen hatte, lehnte der Bürgermeister ab.

Geschichte des Wittelsberger Schlosses

Ab Mitte nächsten Jahres haben alle Besucher in Friedberg Gelegenheit, ein ehemals von Herzog Ludwig II. als Grenzveste erbautes Denkmal mit wechselvoller Geschichte zu erleben. Im Schloss wird eine Blütezeit der Stadtgeschichte wieder lebendig. Die Anlage ist 1559 im Renaissance-Stil wieder errichtet worden, nachdem ein Brand den Vorgängerbau 1541 zerstört hatte. 1568 erwählte es Herzogin Christine von Lothringen zum Witwensitz.

Dadurch wurde Friedberg zu einem Mittelpunkt höfischen Lebens in Bayern. Die romanische Grundanlage entstand 1257. Ursprünglich umzogen die Burg zwei Mauerringe mit Wehrgängen, Zinnen und Schießscharten. Im Inneren befand sich eine Wehrmauer mit drei Türmen. Vom oberen Ring führte ein Steilhang zum unteren Mauergürtel mit einem verdeckten Abstieg an der Westseite. Der äußere Ring war umgeben von zwei starken Rundtürmen. Im nördlichen Turm befand sich das Verlies, im Volksmund "Köpfhäusl" genannt.

Im Westen zur Lechebene hin wurde der Steilhang in einem Winkel von 50 Grad abgetragen. Im Norden, Osten und Süden wurde um das Schloss ein zehn m tiefer Graben ausgehoben, von dem noch gut sichtbare Reste vorhanden sind. Die obere Grabenbreite betrug 25 bis 30 Meter und an seiner tiefsten Stelle im Osten befand sich die Zugbrücke, die von der fest gebauten Brücke, die heute ins Schloss führt, abgelöst wurde. Die heutigen Grundmauern und die Toreinfahrt bestehen bereits seit der Gründerzeit.
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