Zu Fuß über die Alpen: Friedberger läuft in 32 Tagen nach Venedig

Ismail Boztas genießt noch das schöne Wetter in seinem Garten. Bald schon wird er zu Fuß über die Alpen wandern. Foto: Kristin Deibl

Friedberg - Noch sitzt Ismail Boztas ganz entspannt in seinem Garten in Friedberg-West und erzählt von seinen großen Plänen für die kommenden Wochen. Denn der 52-Jährige hat sein ganz persönliches Abenteuer geplant: Wandern - über die Alpen bis nach Venedig. Ein Trip, auf dem er, fern vom Alltag, wieder zu sich selbst finden will.

Er habe die Natur und besonders die Berge schon immer geliebt, erzählt Boztas auf die Frage, wie er denn auf die Idee zu dieser Fernwanderung gekommen ist. "Und ich wollte schon länger mal was Großes machen." Im Februar habe er dann ein Video entdeckt, auf dem ein junger Mann und seine Freundin den "Traumpfad München - Venedig" entlang wandern. "Da hab ich mir spontan gedacht: Diese Tour mache ich auch", sagt der 52-Jährige.

Der Traumpfad wurde bereits 1977 von Ludwig Graßler beschrieben. Er führt vom Münchner Marienplatz über die Bayerischen Voralpen ins Inntal, über den Alpenhauptkamm und das Pfunderertal in die Dolomiten und schließlich über Belluno bis zum Markusplatz in Venedig. 550 Kilometer Strecke aufgeteilt auf 32 Tagesetappen.

Boztas will sich im Wesentlichen an die vorgegeben Etappen halten - mit einer Ausnahme: Er will nicht von München aus losmarschieren, sondern direkt vor seiner Haustüre in Friedberg-West. "Ich glaube, ich bin der Erste, der den Weg von Friedberg aus geht", berichtet er. Erst in Benediktbeuern will er auf die Originalstrecke treffen. Der Weg bis dahin sei noch nicht für Wanderungen erforscht, erklärt der Friedberger. Er will sich selbst eine Route für dieses Wegstück zusammen stellen und seine Erfahrungen dann mit anderen Interessierten teilen. Unter www.ismail-boztas.de wird der selbstständige Softwareentwickler mit Fotos, Videos und Berichten seine Reise dokumentieren.

Boztas hofft, auf dieser einsamen Wanderung wieder mehr zu sich selbst zu finden. "Man verliert sich im Alltag. Ich hoffe, dass die Atmosphäre in den Bergen mir hilft, mich selbst wieder zu entdecken. Ja, man kann das schon als Selbstfindungs-Trip sehen."

"Meine drei Söhne sind begeistert von meiner Idee. In meinem Umfeld halten mich sonst aber alle für verrückt", gibt er zu und muss lachen. "Ein Freund hat mir geraten, mich lieber nochmal vorher beim Arzt durchchecken zu lassen." Dabei hält sich der 52-Jährige durchaus fit und läuft ein- bis zweimal im Jahr einen Marathon mit.

Nichtsdestotrotz ist die Fernwanderung in ihrer Dimension etwas Anderes, etwas ganz Neues. "Ich bin voller Vorfreude, aber ich habe auch Respekt vor der Strecke. Es wird bestimmt Tage geben, an denen ich denke, jetzt breche ich ab." Die längste Etappe dauert etwa neun bis zehn Stunden. Außerdem gebe es auf der Route sechs Stellen, an denen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt sind. "Trittsicher bin ich, aber nicht ganz schwindelfrei", gesteht der Abenteurer und lächelt verschmitzt. "Ich hoffe, dass ich das packe." Zur Sicherheit sucht er für die schwierigsten Stellen nach Alternativrouten.

"Ich habe mich viel in Foren mit anderen Wanderern unterhalten, die die Tour bereits gemacht haben. Die haben viele Tipps", erzählt er von seinen Vorbereitungen. Ganz der Softwareentwickler scheint Boztas sich vor allem online vorbereitet zu haben. Auch Checklisten für seinen Rucksack hat er im Internet gefunden. Neben kurzen und langen Wanderhosen dürfen auch Regenkleidung und eine warme Fleecejacke nicht fehlen. "Das Wetter kann in den Bergen innerhalb von Minuten umschlagen", erklärt Boztas. "Und man muss auf Hitze, Regen aber auch Schnee vorbereitet sein." Besonders wichtig seien auch die richtigen Wanderschuhe. Sie müssen für die Berge aber auch für die ersten und letzten Etappen im Flachland geeignet sein. Darüber hinaus will er ein Erste-Hilfe-Set, einen Kompass, Medikamente für den Notfall und einen Schlafsack für die Übernachtungen in Hütten einpacken.

Losgehen soll es voraussichtlich am 29. Juli, morgens um 9 Uhr. Dann wird Ismail Boztas die Wanderschuhe schnüren, seinen Rucksack schultern und von Friedberg-West aus losziehen in Richtung Venedig.

Von Kristin Deibl
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