260 Flüchtlinge in Friedberg angekommen

Mehr als 260 Menschen, davon 40 bis 50 Kinder, sind am vergangenen Samstag in Friedberg eingetroffen. Sie leben derzeit in der Turnhalle des Gymnasiums, die zur Erstaufnahmeeinrichtung umfunktioniert wurde.

Bunte Bettwäsche, Kinderspielzeug und blau-weiße Tischdecken, zwischen Stock- und Feldbetten sind zwei "Spielkorridore" mit Plüschtieren und Spielzeug aufgebaut: So liebevoll wie möglich haben die Mitarbeiter des Landratsamts die große Turnhalle des Friedberger Gymnasiums in der Rothenbergstraße eingerichtet, die derzeit als Erstaufnahmeeinrichtung für über 250 Flüchtlinge dient.

"Es ist unsere gesellschaftliche Pflicht und besondere Verantwortung, Flüchtlinge, die aus berechtigten Gründen unsere Hilfe brauchen, unter den gegebenen Umständen so men-schenwürdig wie möglich zu versorgen. Wir wollen die Flüchtlinge aber nicht nur unterbringen, wir wollen sie gut unterbringen", so Landrat Klaus Metzger.

Nachdem die Regierung von Schwaben Anfang August den Notfallplan aktiviert hat, war entsprechend dem vorgesehenen Rotationssystem nach der Stadt Augsburg und den Landkreisen Augsburg, Neu-Ulm und Ostallgäu am vergangenen Wochenende der Landkreis Aichach-Friedberg an der Reihe. Schnell hatte die Leiterin der Abteilung für Sicherheit und öffentliche Ordnung Katharina Redcay mit ihren Kollegen ein Notfallplan-Konzept erarbeitet.

Bereits im Herbst 2014 forderte die Staatsregierung die 14 Landkreise und kreisfreien Städte auf, für den Fall weiter steigender Asylbewerberzahlen eine Notfallunterbringung zu planen. Dieser "Winter-Notfallplan" wurde aktiviert, seit die Zahlen der Flüchtlinge stark angestiegen sind. Die Landkreise und kreisfreien Städte müssen nun entsprechend diesem Plan kurzfristig Erstaufnahmeeinrichtungen schaffen.

Der Aufenthalt der Flüchtlinge in der Friedberger Sporthalle ist auf eine Woche begrenzt. Sie werden dann von Mitarbeitern der Regierung von Schwaben innerhalb weniger Tage dem Verteilungsschlüssel entsprechend bundesweit anderen Städten und Landkreisen zugewiesen.

Für die Aufnahme der Flüchtlinge in Friedberg liefen die Vorbereitungen seit Wochen auf Hochtouren: Strom, Wasser, Licht und Sanitäranlagen wurden geprüft und vorbereitet. Über 50 Freiwillige des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Technischen Hilfswerks (THW) und der Feuerwehr richteten gemeinsam mit Mitarbeitern des Landratsamts die Schlafplätze ein. Familien werden nach Möglichkeit in den in der Halle aufgestellten Zelten untergebracht. Mit Trennwänden wurde versucht, die Halle aufzuteilen.

Am vergangenen Samstagnachmittag war es dann soweit: Der erste von insgesamt fünf Bussen traf in Friedberg ein und brachte vorwiegend Flüchtlinge aus Syrien und Irak in die Unterkunft. Da vorher nicht bekannt war, aus welchen Ländern die Asylsuchenden kommen, hatte die Caritas mit ihrem Projekt "Asylbewerber dolmetschen für Flüchtlinge" auch Dolmetscher zum Beispiel für Eritreisch an der Hand.

Insgesamt 263 Personen, davon 40 bis 50 Kinder, wurden am Samstag registriert, medizinisch untersucht und mit einem Hygienepaket ausgestattet. Für Außenstehende und auch für die Presse war der Zutritt am Wochenende gesperrt. "Alles lief friedlich und ohne Hektik ab", so Landrat Metzger. Auch die Polizei zeigte sich hochzufrieden mit dem Ablauf. Es gab keinerlei Zwischenfälle. Und nur wenige Flüchtlinge mussten in Zusammenarbeit mit dem Friedberger Krankenhaus medizinisch versorgt werden. Für kleinere medizinische Probleme wie Kopf- oder Bauchschmerzen ist die ganze Woche ein mobiler Sanitätswagen vor Ort. Tagsüber versorgt ein Caterer die Menschen mit Getränken und Mahlzeiten. Ein Sicherheitsdienst mit acht Personen ist rund um die Uhr vor Ort; außerdem kümmern sich Vertreter der Ausländerbehörde um die Aufgenommenen. Die Flüchtlinge können auch jederzeit das Gelände verlassen. Die Kinder spielen miteinander, zum Beispiel Fußball. "Die Spielstraßen tun dem psychologischen Klima in der Halle gut und tragen zur Entspannung bei", so Landrat Metzger. Und zweiter Bürgermeister Rainer Scharold erklärt: "Man merkt schon, das Menschen mit anderer Nationalität und anderem Aussehen in der Stadt unterwegs sind, aber sie verhalten sich alle sehr zuvorkommend. Sie warten richtig darauf, dass man sie grüßt oder anlächelt."

Weltweit sind knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Nur ein sehr kleiner Teil davon erreicht Europa. Die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, werden meist von der Bundes- oder Landespolizei aufgegriffen und in Erstaufnahmeeinrichtungen ge-bracht. Danach wohnen sie in Gemeinschaftsunterkünften oder dezentralen Unterkünften, bis ihr Asylantrag entschieden ist.

Im Wittelsbacher Land leben aktuell 1116 Asylbewerber in über 80 dezentralen Unterkünften und in einer zentralen Unterkunft in Aichach-Unterwittelsbach. Das Landratsamt bereitet laufend weitere Unterkünfte zur Unterbringung von Asylbewerbern vor; geeignete Objekte werden dringend gesucht. Außerdem wird im Landkreis gerade eine feste Erstaufnahmeeinrichtung mit 150 bis 200 Plätzen geplant, um nicht auf Orte wie Turnhallen zurückgreifen zu müssen. "Die Plätze in einer solchen festen Einrichtung werden auf die Quote angerechnet, so dass sich die Situation bei der dauerhaften Unterbringung entspannen könnte", berichtet Landrat Metzger.

Derzeit werden dem Landkreis wöchentlich etwa 40 Asylsuchende zugewiesen. Um als Landkreis die Herausforderungen bewältigen zu können, sind die Behörden auf die Hilfe von Bürgern angewiesen. Nach aktuellen Schätzungen der Frei-willigenagentur "mitanand und füranand im Wittelsbacher Land" sind bis zu 600 Menschen im Landkreis als ehrenamtliche Asylhelfer aktiv.

Trotz aller Tragik sieht Metzger etwas Positives in der Situation: "Mit der Umsetzung des Notfallplans haben die Vereine und Ehrenamtlichen, die Bürger und das Notfallteam des Landratsamtes bewiesen, dass wir es hinbekommen, wenn alle Hand in Hand zusammenarbeiten."

Wer langfristig im Bereich Asyl helfen möchte, kann sich bei der Asylbeauftragten Ulrike Pröller unter Telefon 0821/65 07 36 54 oder per E-Mail an ulrike.proeller@friedberg.de melden.
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