Aussiedlerhof will Tierbestand verdoppeln

Statt 480 Schweine wird es bald 960 in der Friedberger Au geben. Archivfoto: Höck


Denkbar knapp fiel in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses die Abstimmung darüber aus, ob der Aussiedlerhof in der Friedberger Au seinen Tierbestand verdoppeln darf. Nach einer kontroversen Diskussion vor vielen Zuhörern wurden zwei Bauanträge sowie zwei Vorbescheidsanträge mit 7 : 6 Stimmen befürwortet.

Unter dem Schlagwort "Die Sau in der Au" hatte die Angelegenheit schon vor einigen Jahren für überregionale Aufmerksamkeit gesorgt. Nach einer teuren juristischen Niederlage und erfolglosen Bemühungen um eine außergerichtliche Einigung hatte die Stadt Anfang April 2012 den Bauantrag für den Schweinemastbetrieb zwischen Baggersee und Lechleite genehmigt. Deshalb sei es jetzt schwierig, Argumente gegen die geplante Erweiterung zu finden, gaben die Juristen der Stadtverwaltung zu bedenken.

Beantragt waren der Neubau eines Legehennenstalls für 2000 Tiere sowie eines Mutter-Kuhstalls und die Errichtung von zwei Fahrsilos. Der Tierbestand soll auf insgesamt 960 Mastschweine vergrößert werden. In der Sitzung wurde deutlich, dass die Voraussetzungen für ein privilegiertes Vorhaben gegeben sind und das Landratsamt keine größeren immissionsschutzrechtlichen Einwände hat. Darum werde die Stadt kaum um eine Genehmigung herumkommen, sagte Baureferent Carlo Haupt.

Höchstens durch einen Bebauungsplan und eine Veränderungssperre könne man das Ganze verhindern, doch die Stadt Friedberg will nicht gern erneut einen Rechtsstreit riskieren, nachdem sie für Planungen und Schadenersatz bereits 750 000 Euro berappen musste. Für einen Bebauungsplan sprach sich Roland Fuchs (SPD) aus, der das Naherholungsgebiet ordnen will: "Denn es ist auf dem Weg, seinen Charakter zu verlieren!"

Auch Claudia Eser-Schuberth (Grüne) äußerte in der Diskussion Kritik an der Dimension einer Erweiterung; diese Art der Tierhaltung wolle man nicht unterstützen. Dagegen wies Thomas Kleist (CSU) auf die rechtlich eindeutige Situation hin und signalisierte die Zustimmung seiner Fraktion. Auch Bürgermeister Roland Eichmann räumte ein, er tue sich schwer; der Hof sei nun einmal gebaut und eine Ablehnung nicht so einfach möglich. Schließlich fiel die Entscheidung im Ausschuss mit einer Stimme Mehrheit zugunsten der Antragsteller aus. (Peter Stöbich )
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.