Die Mehrheit ist für die Osttangente

Die Osttangente soll die A8 und die B17 verbinden. Foto: oh


Der Kreistag des Landkreises Aichach-Friedberg hat sich mit 34:18 Stimmen für eine Realisierung der Osttangente ausgesprochen. Obwohl es sich nur um die symbolische Unterstützung des Verkehrsprojekts handelte, über dessen Umsetzung auf Bundesebene entschieden wird, wurde kontrovers diskutiert. Die Osttangente soll eine Verbindung von der A 8 zur B 17 schaffen und dabei Umgehungen bringen, die vor allem Friedberg, Kissing und Mering entlasten sollen.

Um in den nächsten zehn bis 15 Jahren überhaupt eine Chance auf Umsetzung zu haben, muss die Osttangente in den sogenannten Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden. Dessen erster Entwurf wird bereits kommende Woche vorgestellt. Nachdem die Resolution des Kreistags auf einen gemeinsamen bereits im Januar formulierten Antrag von SPD und CSU zurückgeht, die eine überdeutliche Mehrheit stellen, könnte das Projekt in weiser Voraussicht trotz der knappen Terminlage noch Aufnahme gefunden haben.

In einer engagierten, aber weitgehend sachlichen Debatte wurden noch einmal alle Argumente ausgetauscht. Ungewöhnlich: 21 der anwesenden 53 Kreisräte meldeten sich dabei zu Wort. Einer der umstrittensten Punkte ist die Frage, ob die Osttangente eine Verkehrentlastung, oder doch eher eine Belastung mit sich bringen wird. Die Antwort ist eine Frage der Perspektive. "Wenn man das überregional betrachtet, wird eine solche Straße bloß noch mehr Verkehr anziehen. Man muss sich nur die Ansiedlung von Großunternehmen wie Amazon und BMW an der B 17 ansehen", sagte Sepp Bichler (Unabhängige). Diese Auffassung teilte Magdalena Federlin, denn die Strecke werde in erster Linie Augsburg entlasten, das auf diesem Weg umfahren werden könnte. "Wir holen den Verkehr von der A 8 zu uns", ergänzte ihre Kollegin Marion Brülls, die in diesem Punkt auf einer Linie mit Helmut Lenz (Freie Wähler) lag.

Energisch bestritten das die Vertreter der hauptsächlich betroffenen Gemeinden Friedberg, Kissing und Mering. Ihr Problem: Nicht alle Gegner der Osttangente sind auch gegen die Ortsumfahrungen, die den betroffenen Bürgern Erleichterung brächten - etwa denen Kissings, die täglich bis zu 23 000 Fahrzeuge auszuhalten haben. "Das ist die Belastung einer mittleren Autobahn", rechnete Roland Fuchs (SPD) vor. Allerdings gibt es die politische Maßgabe aus Berlin, dass vorrangig nur noch Straßenbauprojekte finanziert werden, die von überörtlicher Bedeutung für die Verkehrsflüsse sind - für reine Ortsumgehungen gilt das nicht. Es ist umgekehrt nicht auszuschließen, dass mancher Befürworter hofft, dass nur die Bauabschnitte umgesetzt werden, die die Orte entlasten. Das könnte auf Reinhard Herb (CSU) zutreffen, der für die Resolution stimmte, aus seinem Herz aber keine Mördergrube machte: "Als Landwirt blutet mir bei jedem Quadratmeter Ackerland für Straßenbau das Herz. Und den Anschluss an die B 17 will ich nicht."

Von einer ökologischen Fehlentwicklung durch immer mehr Landverbrauch und Förderung des Autoverkehrs in Zeiten des Klimawandels sprachen die Grünen. Die beiden Vertreter der Republikaner, Johann Gärtner und Robert Lieb, beides Kissinger, sprachen sich für die Bewahrung der Kissinger Heide aus, die besonders schützenswert sei und seltene Orchideen beheimate. Da positionierte sich Roland Fuchs klar: "Der Schutz der Anwohner ist höher zu bewerten als der Schutz der Natur."

Mehrfach wurde zudem darauf hingewiesen, dass "Wohlstand direkt mit Mobilität zusammenhängt", wie Rupert Reitberger (CSU) anmerkte. Kissings Bürgermeister Manfred Wolf (SPD), versuchte es mit einer Doppelstrategie: Es gehe aktuell lediglich darum, den Wunsch nach einer Lösung des Verkehrsproblems zu formulieren. Die Ausgestaltung erfolge zu einem viel späteren Zeitpunkt. Aber auch: "Wer gegen die Osttangente stimmt, stimmt gegen eine Kissinger Umfahrung." Das taten die Grünen, die Republikaner, die Freien Wähler, Unabhängige und die ÖDP. CSU, SPD und FDP stimmten dafür.

Carina Lautenbacher
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