Die Stadt baut Barrieren ab

Auch die Senioren sollen vom barrierefreien Umbau profitieren. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Peter Stöbich
Friedberg. Wer nicht richtig gehen, hören oder sehen kann, lebt gefährlich: Denn für Behinderte gibt es im öffentlichen Raum unzählige Hindernisse und Stolpersteine wie Fahrradständer, Laternenmasten, Werbetafeln und vieles mehr. Das soll sich in Friedberg bald ändern, versprach Bürgermeister Roland Eichmann in der jüngsten Sitzung des Inklusions-Beirates. Für rund eine Viertelmillion Euro soll die sogenannte Tengelmann-Kreuzung an der Ludwig-/Aichacher Straße barrierefrei gemacht werden. Dafür bekommt die Stadt dank eines kommunalen Investitionsprogramms 90 Prozent Zuschüsse und muß nur den Rest für die Arbeiten und Technik selbst bezahlen.
Einzelheiten erläuterte in der Sitzung Landschaftsarchitekt Reinhard Baldauf aus Neusäss. Der Zeitrahmen für die vorgesehenen Maßnahmen ist eng, denn sie müssen 2018 beendet sein; während des Altstadtfestes, des Friedberger Advents und anderer Veranstaltungen kann die Kreuzung aber nicht blockiert werden. Ein Leitsystem mit Noppen- und Rillensteinen sei für viele Bürger wichtig, sagte der Fachmann: für Blinde und Rollstuhlfahrer ebenso wie für Mütter mit Kinderwägen oder Senioren mit Rolator.
Gefahrenstellen sollen beseitigt oder mit Kontrastfarben kenntlich gemacht werden, akustische Warnsignale an den Ampeln für Sicherheit sorgen. Angeregt wurde in der Sitzung unter anderem, im Kreuzungsbereich auch zwei Notrufsäulen zu installieren, mit denen behinderte Menschen Hilfe herbeirufen können. "Es ist wichtig, alle Bürger für die vielfältigen Probleme zu sensibilisieren", sagte Marion Brülls im Ausschuss.
Eichmann kündigte an, dass das Leitsystem eventuell entlang der Herrgottruh-Straße bis zum neuen Finanz- und Gesundheitszentrum weitergeführt werden kann. Man wolle die einzelnen Maßnahmen in der Innenstadt zusammenführen, doch dabei sind noch viele Details zu bedenken.
Einbeziehung, so die deutsche Bedeutung von Inklusion, soll Behinderten eine möglichst gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Prozessen ermöglichen. Im Landkreis Augsburg gibt es dazu einen umfangreichen Aktionsplan, der zur Zeit umgesetzt wird. Zu tun gibt es in den Kommunen eine ganze Menge, wie auch am Beispiel von Friedberg deutlich wird: Das Rathaus ist nicht barrierefrei, der Sitzungsaal im ersten Stock für Behinderte nicht erreichbar.
Mit dem kommunalen Aktionsplan will Landrat Martin Sailer bisher benachteiligte Menschen stärker unterstützen: „Wir wollen weg von der Theorie, hin zur Praxis. In Arbeit, Erziehung, Freizeit, Schule, Sport oder im öffentlichen Verkehrsraum gibt es zahlreiche Möglichkeiten, etwas zu verbessern.“ So müsse man Berührungsängste abbauen, Ärzte und Krankenhaus-Personal für einen einfühlsameren Umgang mit Behinderten schulen sowie Neubauten und Schulen barrierefrei gestalten.
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Matthias Köpp aus Berolzheim | 02.06.2016 | 12:28  
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