Ein Rahmen für das Schloss: Park soll schöner werden

Zur Zeit ist das Grün rund um das Schloss verwildert. Foto: Lütke-Wissing
Friedberg: Friedberger Schloss |

Der Begriff „Schlosspark“ sorgte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses für Verwirrung. „Unter einem Schlosspark stellt man sich angelegte Rosenbeete, Kieswege, gemähten Rasen, Springbrunnen und in Form geschnittene Buchsbäume vor“, so Wolfgang Rockelmann (Parteifreie Bürger). Einen Schlosspark wie Versailles will natürlich keiner, aber wenn das Friedberger Schloss innen und außen renoviert ist, sollte auch das Umfeld entsprechend gestaltet sein – damit das Juwel zur Geltung kommt.

Denn in den Grünbereich um das Schloss „geht man gerade nicht gern rein“, so Bürgermeister Roland Eichmann. In der Sitzung stellte das beauftragte Büro der Landschaftsarchitekten Hackl und Hofmann das erarbeitete Konzept ausführlich vor. Die beiden Teilbaumaßnahmen „Schlossweiher“ und „Parkplatz an der B300“ sind bereits beschlossen und teilweise schon in der Umsetzung. Jetzt ging es um weitere Bausteine wie die Vegetation, das Wegesystem, die Spielplatzsanierung, die Sichtbarmachung der historischen Spuren und die Freundschaftsgärten.

Bei der Bestandsanalyse ging Stephanie Hackl darauf ein, dass der Burghang historisch ohne Vegetation auskam. Historische Spuren finden sich in Form von Mauern und Klinker. Zurzeit gibt es eine indifferente Randsituation, das heißt, es ist eigentlich kein wirklicher Anfang und Ende des Parks zu erkennen und die Anwohner gestalten die Grenzen alle unterschiedlich. In Zukunft soll eine Rahmenvegetation für eine einheitliche Optik sorgen.

Viele Schösslinge sprießen überall aus dem Boden und verdichten den Burghang soweit, dass weder der Blick auf noch vom Schloss möglich ist. Das ist auch eines der Hauptthemen: Das Schloss soll sichtbar gemacht werden durch Auslichten der Vegetation. Ein offener Waldcharakter, bei dem wertvolle Einzelbäume gesichert werden, wird angestrebt.

Dass das kein Kahlschlag wird, war besonders Marion Brülls (Bündnis 90/Die Grünen) wichtig. „Wir wollen keine durchgestylte „Laubsauger-cleane“ Friedhofsidylle, sondern eine naturnahe Gestaltung.“

Zentrales Element der Konzeption ist auch ein neues Wegesystem mit einigen Aussichtspunkten. Um den Park mehr ins Bewusstsein zu bringen und einen echten Naherholungsraum aus ihm zu machen, soll es unter anderem auch einen Anschluss an die Innenstadt geben. Insgesamt sollen die Wege barrierearm gestaltet, besser befestigt und beleuchtet werden. Auch ein Rundweg mit Beschilderung zur Schlossgeschichte ist angedacht. Die pflegeleichte Gestaltung greift auf einfache Mittel, bestehende Materialien und schlichte Möblierung und Beleuchtung zurück.

„Das hier ist ein Ort mit Riesenpotential. Wir haben die spannende Situation, dass schon viel, vor allem Vegetation, da ist, und das eigentlich nur zum Vorschein gebracht werden muss“, so Landschaftsarchitektin Hackl.

Laut Roland Eichmann soll der Schlosspark das Schloss unterstützen und muss daher auch zeitnah mitgestaltet werden. Eine Neugestaltung der Wege, nicht nur zum Spazieren, sondern auch zum Durchqueren, würde die zentrale Funktion des Schlosses stärken. Außerdem will er mit Schloss und Schlosspark Menschen aus dem Fachmarktzentrum in die Altstadt locken. „Deswegen müssen wir attraktive Punkte zwischen Altstadt und Fachmarktzentrum setzen“. Hier könnte vor allem ein komplett sanierter Spielplatz punkten. Ein thematisch gestalteter Schlossspielplatz mit Wasserspiel ist im Gespräch.

In der anschließenden Diskussion herrschte grundsätzlich große Einigkeit über die Bedeutung des Schlossparks. „Das sind wir dem Schloss schuldig“, so Kleist (CSU). Wolfgang Rockelmann ist wichtig, dass möglichst viel bis zur Eröffnung fertiggestellt wird. „Unsere Bürger haben es verdient, dass das gemeinsam am Stück erlebt werden kann“. Er warnte davor, zu viel auszulichten, „denn das Schloss alleine ist nicht schön“. Vielmehr erhoffe er sich einen Wechsel von offenen Blickachsen und Vegetation. Brülls wünscht sich, dass die Ideen aus der offenen Planungsgruppe wie das Anlegen eines Sinnesgartens oder ein Erlebnisbereich für Kinder mit berücksichtigt wird. Jakob Eichele (Freie Wähler) ist es wichtig, dass der neu gestaltete Park keine hohen Unterhaltskosten verursacht, „sonst verwildert er sofort wieder“.

Zusätzlich zu den Kosten für Schlossweiher und Parkplatz ist mit Kosten in Höhe von etwa 1,33 Mio Euro zu rechnen, wobei hier zahlreiche Fördermöglichkeiten in Aussicht stehen. Die Vegetationsmaßnahmen haben Priorität. Je nach Haushaltslage sollen ab 2017 die weiteren Maßnahmen umgesetzt werden.

Von Peter Lütke-Wissing
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