Friedberg rechnet mit 1000 Flüchtlingen

Ein internationales Café könnte Anlaufstelle für die vielen Flüchtlinge sein. Foto: Stöbich


In der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen sieht Bürgermeister Roland Eichmann eine enorme Herausforderung für die Stadt Friedberg und die ehrenamtlichen Helfer. Bei der ersten Sitzung des Integrations-Beirates in diesem Jahr sagte er, die aktuelle Zahl von 333 Menschen plus 20 unbegleiteten Minderjährigen könne bis zum Sommer auf das Dreifache steigen. Es sei schwierig, die notwendige Zahl von Arbeits- und Schulplätzen sowie bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen.

Die Struktur der Beiräte ist in Friedberg neu gegliedert worden. Gab es früher zum Beispiel Beiräte für Senioren, Behinderte, Sport, Kultur sowie für Stadtentwicklung und Umwelt, wurden ihre Zuständigkeiten neu geordnet und die Zahl auf drei begrenzt. Die Geschäftsordnung des Stadtrats sieht jetzt nur noch den Sportbeirat, den Inklusionsbeirat sowie einen für Integration und Flüchtlingsfragen vor. Für letzteren bestimmt der Stadtrat die Mitglieder, die sich zwei- bis dreimal im Jahr treffen und über ihre Fachthemen sprechen sollen. Auch Vertreter der Ratsfraktionen gehören den Gremien an; der Integrationsbeirat verfügt über ein eigenes Budget in Höhe von 3500 Euro.

Im Vorjahr hat sich die Zahl der im Landkreis Aichach-Friedberg lebenden Asylbewerber verdreifacht - auf insgesamt 1500. Bisher ist es dem Landratsamt mit einiger Mühe gelungen, alle im Wittelsbacher Land ankommenden Flüchtlinge angemessen unterzubringen, teilt die Behörde mit. Doch jede Woche wird Platz für rund fünf Dutzend neue gebraucht, das sind hochgerechnet rund 3400 Menschen in diesem Jahr.

Für die Gemeinschaftsunterkunft in Friedberg-West ist laut Eichmann eine Aufstockung auf 98 Personen beantragt, 186 sollen an der Seestraße untergebracht werden. In der Erstaufnahme-Einrichtung in Derching ist Platz für 180 Personen, ein weiteres Quartier in der Marquardstraße soll ab Juni mit 100 bis 120 Leuten belegt werden. Für jeweils 17 Asylbewerber in Rederzhausen und Wulfertshausen liegt derzeit noch kein Mietvertrag vor. Bis zum Sommer rechnet Eichmann mit insgesamt 1000 Hilfesuchenden in der Stadt.

"Das bedeutet enormen Druck und eine große Herausforderung für alle Ehrenamtlichen", stellten der Bürgermeister und die Integrationsbeauftragte Ulrike Pröller fest. Anerkannte Asylbewerber dürften eigentlich nicht mehr in ihren bisherigen Unterkünften leben, doch es gibt kaum bezahlbaren Wohnraum "und so viele Obdachlosenquartiere haben wir gar nicht", sagte Eichmann; problematisch sei auch der Familiennnachzug. Aktuell leben in den Unterkünften des Landkreises 230 Menschen, deren Asylverfahren bereits abgeschlossen ist; wer keine Arbeit hat, erhält Sozialleistungen vom Landkreis.

Nicht überall sind die hilfesuchenden Menschen willkommen, wie ein aktuelles Beispiel aus der Gemeinde Kissing zeigt. Dort will das Jugendamt in der Nelkenstraße unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterbringen, doch die Nachbarn fühlen sich schlecht informiert und melden Bedenken an wie auch kürzlich im Dasinger Ortsteil Wessiszell. Um Hemmschwellen abzubauen und die Kulturen einander näher zu bringen, plant Pröller für den 4. Juni ein internationales Freundschaftsfest in Friedberg. Dabei soll es internationale Schmankerl, musikalische Darbietungen, Volkstänze sowie Workshops für Kinder und Erwachsene geben.

Weitere Vorschläge im Beirat waren unter anderem die Schaffung eines offenen Treffpunkts wie zum Beispiel das internationale Café in Bobingen, eine Vortragsreihe zur Information der Einheimischen oder mehrsprachige Flyer, um die komplizierte Mülltrennung im Landkreis verständlich zu machen.

Neu sind seit kurzem Rechtskunde-Unterricht für Asylbewerber und der Versuch, auch Deutschkurse mit Kinderbetreuung anzubieten. Die zahlreichen Mitglieder in den Friedberger Helferkreisen sollen offiziell angemeldet werden, damit sie zum Beispiel auch während ihrer Fahrdienste über die Stadt versichert sind.

Landrat Klaus Metzger will die drei Säulen bündeln, die für die Integration auf Behördenseite zuständig sind. Das sind die Freiwilligen-Agentur, die Freiwilligen-Koordination im Landratsamt und das kommunale Bildungs-Management. Das neue Sachgebiet "Integration, Bildung, Ehrenamt" soll regelmäßig dem zuständigen Ausschuss des Kreistags berichten.

Ein neuer Asyl-Koordinationsrat in Friedberg soll helfen, das ehrenamtliche Engagement in geordnete Bahnen zu lenken. Pröller: "Damit wollen wir vermeiden, dass in der Asylhilfe etwas doppelt oder dreifach erledigt wird."

Durch eine bessere Koordination will man Helfer zudem auf weiter wachsende Herausforderungen vorbereiten. Mittlerweile werden auch zunehmend Aufenthaltsräume belegt. Damit fehle Platz für Deutschunterricht, Hausaufgaben und Treffen der Ehrenamtlichen, bedauert Pröller. (Peter Stöbich )
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