Friedberger Schloss: In zwei Jahren ist Wiedereröffnung

Die Schloss-Baustelle können interessierte Bürger am 21. Mai in Augenschein nehmen. Foto: Stöbich


Noch zwei Jahre lang müssen die Bürger und Besucher der Stadt auf das Friedberger Schloss mit dem Museum verzichten. "Wenn die Umbauarbeiten wie bisher weiter planmäßig verlaufen, soll Mitte 2018 alles fertig sein", sagt Frank Büschel, Pressesprecher der Stadtverwaltung.

Über den aktuellen Stand können sich alle Bürger am Samstag, 21. Mai, zwischen 13 und 17 Uhr informieren; die Stadt lädt an diesem Nachmittag zu einer Baustellen-Besichtigung mit Baureferent Carlo Haupt ins Wittelsbacher Schloss ein (Dauer etwa 45 Minuten).

Rund 21 Millionen Euro betragen die Gesamtkosten für die aufwendige Sanierung, bei der Böden und Decken herausgerissen sowie Teile des historischen Gemäuers wieder in den Rohbauzustand versetzt wurden. Unter anderem wurden im maroden Dachstuhl die verrotteten Tragbalken erneuert und rundum ein Betongürtel gegossen; im nördlichen Teil des Schlosses ist die Dachsanierung bereits beendet.

"Der vergangene milde Winter war für den Fortgang der Arbeiten sehr hilfreich", stellt Büschel fest. Derzeit werden die Lüftungsanlagen eingebaut, in Kürze können die Trockenbau-Arbeiten beginnen. In zwei Jahren soll es dann einen großen Veranstaltungssaal mit 350 Plätzen sowie ein Museums-Café mit Terrasse geben. Das Wittelsbacher Schloss könnte in einigen Jahren auch Teile der Bayerischen Landesausstellung beherbergen, falls die Stadt Friedberg mit ihrer Bewerbung für 2020 erfolgreich sein sollte.

Das geplante Thema "Frühe Wittelsbacher" passt wie die berühmte Faust aufs Auge, und zwar nicht nur zum Stammsitz des bayerischen Herrschergeschlechts, sondern auch zur Jahreszahl. 2020 jährt es sich zum 900. Mal, dass die Grafen von Scheyern ihren Sitz nach Oberwittelsbach verlegten - an jenen Ort, dessen Burg 1115 in ihren Besitz gelangte und dessen Namen sie seither führten.

In Friedberg bietet sich den Besuchern Gelegenheit, ein ehemals von Herzog Ludwig II. als Grenzveste erbautes Denkmal mit wechselvoller Geschichte zu erleben. Im Schloss wird eine Blütezeit der Stadtgeschichte wieder lebendig. Die Anlage ist 1559 im Renaissance-Stil wieder errichtet worden, nachdem ein Brand den Vorgängerbau 1541 zerstört hatte. 1568 erwählte es Herzogin Christine von Lothringen zum Witwensitz.

Dadurch wurde Friedberg zu einem Mittelpunkt höfischen Lebens in Bayern. Die romanische Grundanlage entstand 1257. Ursprünglich umzogen die Burg zwei Mauerringe mit Wehrgängen, Zinnen und Schießscharten. Im Inneren befand sich eine Wehrmauer mit drei Türmen. Vom oberen Ring führte ein Steilhang zum unteren Mauergürtel mit einem verdeckten Abstieg an der Westseite. Der äußere Ring war umgeben von zwei starken Rundtürmen. Im nördlichen Turm befand sich das Verlies, im Volksmund "Köpfhäusl" genannt.

Im Westen zur Lechebene hin wurde der Steilhang in einem Winkel von 50 Grad abgetragen. Im Norden, Osten und Süden wurde um das Schloss ein zehn m tiefer Graben ausgehoben, von dem noch gut sichtbare Reste vorhanden sind. Die obere Grabenbreite betrug 25 bis 30 Meter und an seiner tiefsten Stelle im Osten befand sich die Zugbrücke, die von der fest gebauten Brücke, die heute ins Schloss führt, abgelöst wurde. Die heutigen Grundmauern und die Toreinfahrt bestehen bereits seit der Gründerzeit.

Neben dem Eingang befindet sich der Bergfried (Wachturm). Im rechteckigen Innenhof waren romantische Arkaden und Brunnen zu sehen. Durch das Vorschieben zweier Mauern gegen Norden wurde der Burgbau zu einem Fünfeck. In der Nordostecke des Obergeschosses befand sich einst die Burgkapelle St. Georg. Im Süd- und Westflügel war der Palast (das Herrenhaus) mit den Kemenaten (Kaminzimmern), im Nordflügel der Wirtschaftsbau mit Stallungen und Wagenremisen beheimatet.

Seit 130 Jahren ist im Schloss ein Museum mit seiner stadt- und kunstgeschichtlichen Sammlung untergebracht und soll nach dem Umbau auch wieder dort einziehen.

Info:Treffpunkt für die Führung am 21. Mai ist die Schlossbrücke. Weil die Teilnehmerzahl auf 20 Personen begrenzt ist, werden Teilnehmerlisten vor Ort geführt. Je nach Bedarf werden mehrere Führungen stattfinden; Helme werden gestellt, festes Schuhwerk ist erforderlich. Die Führung ist für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer sowie für Kleinkinder nicht geeignet. (Peter Stöbich )
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