Friedberger Straßennetz soll unter die Lupe

Den Zustand der Straßen will die Stadt Friedberg jetzt systematisch erfassen. Foto: Stöbich


Ihr mehr als 200 Kilometer langes Straßennetz will die Stadt Friedberg näher unter die Lupe nehmen und für seine Erhaltung ein detailliertes Konzept erstellen. Im aktuellen Haushalt stehen dafür 100 000 Euro zur Verfügung. Damit griff der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung ein Thema wieder auf, über das er vor vier Jahren schon einmal diskutiert hatte; damals lehnte die Mehrheit ein systematisches Konzept ab.

Warum ein solches aber dringend nötig ist, erläuterte Bürgermeister Roland Eichmann: "Wir haben zum Beispiel in unseren Baugebieten viele neue Straßen - heute zehn Kilometer mehr als bei der letzten Abfrage im Juni 2009!" Das gesamte Netz ist 215 Kilometer lang, Feld- und Waldwege nicht mit eingerechnet. In den vergangenen Jahren wurden auch verschiedene Straßen abgestuft und liegen jetzt in der Baulast der Stadt. Die Verwaltung befürchtet deshalb einen Sanierungsstau und möchte auch mit den Bürgern argumentieren können, wenn es um das leidige Thema Ausbaubeiträge geht wie kürzlich bei der Bürgerversammlung in Rederzhausen.

In benachbarten Kommunen wie Kissing oder Gersthofen wurde bereits über die Verkehrs-Infrastruktur und ein sogenanntes Pavement-Management-System (PMS) diskutiert. Dabei ist die Vorgehensweise sehr unterschiedlich. So wird der Straßenzustand zum Beispiel in Gersthofen mit halbautomatisierter Auswertung erfasst; für den Werterhalt ergibt sich ein jährlicher Betrag von 1,3 Millionen Euro.

Dagegen werden die Daten in der Gemeinde Affing manuell von einem Ingenieur vor Ort erhoben und ausgewertet. Das ist genauer, aber auch zeitaufwendiger und teurer. Die PMS-Angebote, die Friedberg bei verschiedenen Ingenieurbüros eingeholt hat, kosten zwischen 35 000 und 330 000 Euro; der enorme Preisunterschied erklärt sich durch die unterschiedliche Vorgehensweise. Die einen Anbieter befahren Straßen mit einem Video-Wagen und werten die Daten am Bildschirm im Büro aus. Andere schicken einen Ingenieur nach Friedberg oder erstellen mit hohem technischen Aufwand ein 3 D-Modell, so dass man virtuell durch die Straßen fahren kann.

Das Baureferat tendiert zu einer systematischen Erfassung durch eine Befahrung mit Fachpersonal und anschließender Auswertung der Bilder. Über die favorisierten Anbieter diskutierte der Bauausschuss in nicht öffentlicher Sitzung; die Auftragsvergabe soll demnächst erfolgen.

Für die Tiefbauabteilung im Rathaus bietet das geplante Straßenverzeichnis viele Vorteile: So liegen für Ausbau- oder Erschließungsmaßnahmen künftig wichtige technische und strategische Informationen vor. Für den Unterhalt kann ein langfristiger Wirtschaftsplan aufgestellt werden und, wie es im schönsten Amtsdeutsch heißt, "der fortschreitende Substanzverzehr kommunaler Straßennetze" in Friedberg wird gestoppt. (Peter Stöbich )
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