Grüne lehnen Osttangente ab

Sie sind auch gegen die Umfahrung: Das "Aktionsbündnis keine Osttangente" (AKO) hat Ende Oktober eine Menschenkette bei der Kissinger Heide gebildet, um zu zeigen, in welcher Breite die Osttangente an Kissing vorbeiführen und wie sie in die Natur eingreifen würde. Foto: AKO


Bevor der Kreistag kommenden Monat Position zur umstrittenen Augsburger Osttangente beziehen wird, hat die Grünen-Fraktion in einem Pressegespräch ihre kompromisslose Ablehnung deutlich gemacht. "Ob in abgespeckter Form oder wie auch immer - die erhoffte Entlastung wird es auf keinen Fall geben", so die Fraktionsvorsitzende Katrin Müllegger-Steiger aus Kissing. Auch ihre Kreistags-Kollegen Marion Brülls aus Friedberg und Klaus Becker aus Mering sehen keinerlei Vorteile für ihre Kommunen, sondern weisen auf Lärm und enormen Flächenverbrauch hin sowie darauf, dass von dem Vorhaben viele Landwirte und Wasserschutzgebiete betroffen wären.

Die geplante Trasse soll eine schnelle Verbindung zwischen der Autobahn A 8 bei Derching und der Bundesstraße 17 bei Königsbrunn herstellen. Die Befürworter im Landkreissüden versprechen sich davon auch eine Entlastung für die Ortsdurchfahrten. Dagegen hat sich entlang der Trasse eine überparteiliche Aktionsgemeinschaft gegen die Straße gebildet, die eine Fläche von voraussichtlich 250 Hektar braucht und mit Kosten von rund 180 Millionen Euro veranschlagt ist.

Die Kreis-SPD befürwortet einen vierspurigen Ausbau der Kreisstraße AIC 25 zwischen Derching und der Einmündung des Chippenham-Rings in die Meringer Straße. Des Weiteren sollen Umfahrungen von Kissing und Mering und der Anschluss an die B 17 bei Königsbrunn entstehen. Nach Einschätzung von Fraktionschef Roland Fuchs dient die Osttangente auch der Entlastung der Anwohner entlang der bestehenden B 300 in Friedberg.

Davon könne überhaupt keine Rede sein, argumentiert Marion Brülls: "Eine Entlastung ist in keiner Weise belegt, vielmehr ziehen wir noch mehr Verkehr in die Region. Denn ein Autobahnring um Augsburg würde den Verkehr direkt an unserer Haustür vorbei leiten." Deshalb wollen die Grünen im Kreistag gegen eine Osttangente stimmen.

"Zubetonieren ist nämlich keine Verkehrspolitik, sondern die falsche Richtung", sagt Müllegger-Steiger und fordert mit ihren Kollegen ein Konzept, das den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und die Radfahrer unterstützt. Für Becker "ist die Tarifpolitik auf dem Land eine Katastrophe". Man müsse allen Menschen maximale Mobilität ermöglichen, zum Beispiel durch eine attraktive Jahreskarte, mit der man für einen Euro pro Tag im ganzen Landkreis von Pöttmes bis Schmiechen unterwegs sein kann. Zum Beispiel habe sich in Wien eine solche - von den Grünen durchgesetzte - Jahresnetzkarte für 365 Euro bereits bewährt.

Der Bau immer neuer Straßen wird nach Ansicht der Grünen auch überflüssig, wenn es als Ergänzung zum Nahverkehr in der Region ein flächendeckendes Konzept für Radfahrer gibt. Wie das aussehen könnte, dazu soll demnächst ein Fachmann im Kreisentwicklungsausschuss seine Vorstellungen erläutern.

Als Vorbild nennen Becker und Brülls das Projekt "Fahrradstadt 2020" in Augsburg; dort gibt es einen speziellen Stadtplan für Radler. Er ist in der Innenstadt-Version kostenlos an der Bürgerinformation erhältlich oder kann für die Gesamtstadt für 4,90 Euro gekauft werden.

Bis zum Jahr 2020 will man den Anteil des Radverkehrs in Augsburg auf mindestens 25 Prozent steigern; die Verlagerungen sollen nicht zu Lasten des ÖPNV gehen. Auch die Stadt Königsbrunn hat ein Konzept entwickelt, damit Radfahren in der Stadt wieder Spaß macht. "Das muss bei uns auch möglich sein", fordert die Fraktionsvorsitzende. Ein attraktives Mobilitätskonzept, so die Überzeugung der Grünen, mache die geplante Osttangente überflüssig; auch eine kleine Lösung sei nur Salamitaktik. (Peter Stöbich )
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