Kein Dach für Friedberger Schloss

Nach der Schlossbaustelle wird es keine weitere Schlossdach-Baustelle geben. Das Thema einer Überdachung ist endgültig vom Tisch. Foto: Roland Eichmann
Schon seit langem hält sich die Idee einer gläsernen Überdachung des Schlosshofes hartnäckig. Die Kulturpfleger Peter Gürtler (CSU) und Franz Reißner (SPD) hatten schon vor drei Jahren eine Überdachung ins Spiel gebracht. Auch im Schlossausschuss war das Dach Thema.

Damit könnte man den Hof des Wittelsbacher Schlosses auch bei schlechtem Wetter oder unsicheren Witterungsverhältnissen nutzen. Viele Aspekte wären bei einem Dach zu berücksichtigen, vom Brandschutz über den Denkmalschutz bis hin zur Akustik. Ein Dach würde zum Beispiel das komplette Brandschutzkonzept ändern, denn im aktuellen Konzept ist der Hof ein Sammelpunkt – da er im Freien liegt. Die aktuelle Fördersituation ließe, wenn der Denkmalschutz mitspielt, ein Dach überhaupt erst nach der Fertigstellung des Schlosses zu. Akustisch ist Konzertsaalniveau mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erreichbar.

Daher beauftragte der Schlossausschuss die Verwaltung damit, die Kosten einer Machbarkeitsstudie zu ermitteln. Dass das ganze Projekt einiges kosten würde, war klar, jetzt haben aber die hohen Kosten von 120 000 Euro schon für die Studie das Projekt scheitern lassen. Dabei hätte man diese auch zweigeteilt in Auftrag geben können. Der erste Teil hätte mit 37 000 Euro zu Buche geschlagen, hätte aber zumindest fachlich Klarheit in die Sache bringen können.

Die Befürworter aus den Reihen von CSU, SPD und Freien Wählern konnten sich aber nicht durchsetzen. In der vorangegangenen Diskussion wurde klar, dass die Frage „Dach oder nicht Dach“ vor allem vom persönlichen Empfinden der einzelnen Stadträte abhing. Selbst innerhalb der Fraktionen, wie bei der CSU, war man sich nicht immer einig. Thomas Kleist lehnte die Überdachung ab, weil dadurch das Ambiente des Schlosshofs empfindlich gestört werde. Sein Fraktionskollege, Kulturpfleger Peter Gürtler, setzte sich dagegen erneut für das Dach ein: „Wir sollten uns diesen Weg nicht verbauen“.

Roland Fuchs (SPD) dagegen sähe es als Chance und zusätzlichen einzigartigen Veranstaltungsort.

In Bezug auf die Optik empfände er das Dach sogar als architektonische Aufwertung des gesamten Ensembles. Marion Brülls von den Grünen ließ sich auf keinen Kompromiss ein und lehnte Dach und Machbarkeitsstudie komplett ab. „Es wäre schade, jetzt viel Geld auszugeben, um dann zu sehen, dass es nicht geht.“
Die Gelder würden in anderen Bereichen dringender gebraucht. Viele Stadträte konnten sich auch nicht mit der Vorstellung einer weiteren Schloss-Baustelle anfreunden, nachdem das Schloss endlich fertiggestellt wäre. Denn ein Dach hätte auf jeden Fall erst nach der Fertigstellung in Angriff genommen werden können.
Bürgermeister Roland Eichmann war auf Kompromiss-Kurs. Er wollte zumindest mehr Informationen, bevor er sich für oder gegen das Dach entscheide und hätte den ersten Teil der Studie befürwortet.

Mit einer Stimme Mehrheit wurde das Thema Schlosshof-Überdachung knapp, aber endgültig begraben.

von Peter Lütke-Wissing
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