Kein Grund zum Jammern

Die dicksten Brocken bei den Ausgaben werden in den nächsten Jahren das Wittelsbacher Schloss und ein neuer Bauhof sein. Foto: Archiv


Nach mehreren ausführlichen Vorberatungs-Runden hat der Friedberger Stadtrat jetzt ohne lange Diskussion den Haushalt für das laufende Jahr unter Dach und Fach gebracht. Der Verwaltungsteil umfasst 61 Millionen, der Vermögensabschnitt 27,6 Millionen Euro. Die Zuführung an den Vermögensetat beträgt mehr als vier Millionen, für Investitionen ist eine Kreditaufnahme von 700 000 Euro vorgesehen.

Die Sprecher aller Fraktionen äußerten sich zufrieden mit der heuer recht erfreulichen Finanzlage, denn die Gewerbesteuer bringt fast 16 Millionen in die Stadtkasse; einen Betrag in gleicher Höhe muss Friedberg allerdings als Umlage an den Landkreis weiterreichen. Größter Einnahme-Posten ist der Einkommensteuer-Anteil mit 18,74 Millionen, an Schlüsselzuweisungen bekommt die Kommune 1,48 Millionen.

Der Schuldenstand der Stadt wird zum Ende dieses Jahres voraussichtlich bei 13,88 Millionen Euro liegen. "Der zu bewältigende Sanierungsbedarf in den kommenden Jahren ist immens und erfordert größtmögliche Disziplin und Anstrengung, die Maßnahmen auch tatsächlich zu realisieren", heißt es im Bericht des Kämmerers. Die dicksten Brocken bei den Ausgaben werden in den nächsten Jahren das Wittelsbacher Schloss und ein neuer Bauhof sein.

Im Finanzplanungszeitraum 2016 bis 2019 kommt das komplexe Zahlenwerk ohne einen Euro Brutto-Neuverschuldung bei der Stadt Friedberg aus. "Es gibt keinen Grund zum Jammern", stellte Claudia Eser-Schuberth (Grüne) fest, der vor allem die Themen Kinderbetreuung und Integration am Herzen lagen. Auch Roland Fuchs (SPD) sah die Finanzpolitik auf einem "sehr guten Weg", gab aber zu bedenken, dass die wirtschaftliche Situation auch schnell wieder ins Negative umschlagen könne.

Ehemals bestand der kommunale Haushalt aus zwei Teilen; der eine war für die laufenden Ausgaben zuständig, der andere für die Investitionen. Dieses Verfahren der zwei Haushalte, die "Kameralistik", kommt aus dem vorletzten Jahrhundert. Sie hat den großen Nachteil, dass nur der Geldverbrauch der Kommune nachvollzogen werden kann. Nicht aber, wie andere Ressourcen verbraucht wurden, beispielsweise wenn der Erhalt der kommunalen Immobilien vernachlässigt wurde. Deshalb haben die meisten Kommunen ihr Haushalts- und Rechnungswesen in den vergangenen Jahren auf ein neues Verfahren umgestellt, mit dem nicht nur der Geldfluss sondern auch der Ressourcenverbrauch dargestellt werden kann. Diese neue Haushaltsführung heißt Doppik. (Peter Stöbich )
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