Langes Warten auf günstige Wohnungen in Friedberg

Friedberg: Friedberg | Lebhafte Diskussionen gab es bei einer Sondersitzung des Friedberger Stadtrats zum Thema Wohnen. Die Stadt möchte auf einem Grundstück südlich der Bahnlinie und westlich der Afrastraße ein neues Baugebiet ausweisen. Mehr als zwei Drittel der rund 30.000 Quadratmeter großen Fläche gehören Friedberg; die Rede ist von bis zu 175 Einheiten mit barrierefreien Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen. Bereits im vergangenen September hatten die Freien Wähler die Schaffung von mindestens 200 Wohneinheiten beantragt.
Zwei Baufelder zur Afrastraße hin will man für einkommensschwache Bürger vorhalten. Für sie wird es allerdings noch lange dauern, bis sie frühestens Anfang 2019 einziehen können. Mit Zuschüssen aus einem kommunalen Wohnraumförderprogramms, das der Freistaat aufgelegt hat, will die Stadt auf dem kleineren der beiden Grundstücke selbst bauen. Die Kosten für rund 30 Wohnungen liegen bei 4,2 Millionen Euro, die in der städtischen Finanzplanung auch vorgesehen sind.
Wenn Platz für Flüchtlinge und andere Geringverdiener geschaffen wird, gibt es Fördermittel von 30 Prozent. Wegen einer europaweiten Ausschreibung der Architektenleistung wird die Auftragsvergabe erst zum Jahresende möglich sein, Baubeginn wäre nicht vor Herbst 2017, hieß es in der Sitzung. beginnen. Nähere Details wie zum Beispiel Barrierefreiheit, Wohnungsgrößen und Energieversorgung legte der Stadtrat in einer langen Liste fest.
In der Diskussion stellte Roland Fuchs (SPD) fest, aufgrund der zahlreichen Vorschriften werde die Stadt gegängelt. Claudia Eser-Schuberth sprach von einer "schwammigen Vorlage" und forderte einen hohen Energie-Standard; auch sei ein Parkdeck günstiger als eine Tiefgarage, meinte sie.
Für das größere der beiden Baufelder wollte Bürgermeister Roland Eichmann einen Partner suchen, dem die Fläche kostenlos in Erbpacht für den Bau von 40 Wohnungen überlassen werden sollte. Manfred Losinger (CSU) schlug vor, die Planungen für beide Häuser europaweit auszuschreiben und Zuschüsse zu beantragen. Finanzreferent Wolfgang Schuß stellte fest: „Wenn die Stadt das selbst baut, kommt es erst im nächsten Jahrzehnt.“ Die Finanzierung sei nicht gesichert und die Stadt besitze nicht genügend Personal, um das Projekt zu stemmen.
Schließlich einigte sich der Stadtrat auf einen Kompromissvorschlag Losingers: Damit man keine Zeit verliert, wird die Planung für beide Objekte europaweit und schrittweise ausgeschrieben. Für Zuschüsse ist nämlich eine Genehmigungsplanung erforderlich. Stellt sich dann heraus, dass es keine 30 Prozent-Förderung für den zweiten Block gibt, könnte die Stadt zwar aus dem Vertrag aussteigen, aber damit Planungskosten von rund 130.000 Euro verlieren.
Damit war der nächste Punkt der Tagesordnung eigentlich schon hinfällig. Andreas Pritschet vom Verband bayerischer Wohnungsunternehmen berichtete, welche Vorteile die Gründung einer städtischen Wohnbau-GmbH hätte. Bekommt die Stadt vom Freistaat jedoch die erhoffte Förderung, ist damit auch die Verpflichtung verbunden, die Immobilien 20 Jahre lang im Eigentum zu behalten. Eine Übertragung an die städtische Gesellschaft ist damit ausgeschlossen.
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