Letzte Chance für Einsprüche gegen die Osttangente

Das Aktionsbündnis "Keine Osttangente" hatte im Oktober eine Menschenkette gebildet, um zu zeigen, wie viel Platz die Straße verschlingen würde. (Foto: Aktionsbündnis keine Osttangente)


Bevor am 2. Mai die Einspruchsfrist gegen die geplante Osttangente endet, haben sich die Gremien der betroffenen Kommunen nochmals eingehend mit dem Projekt und seinen Nachteilen auseinandergesetzt. Ob in Friedberg oder Königsbrunn, Mering oder Merching - die zahlreichen Debatten werden mit großem Nachdruck geführt, um in Berlin den Widerstand der Region gegen einen autobahnähnlichen Ausbau deutlich zu machen.

In Friedberg fürchten unter anderem auch Kleintierzüchter und Schrebergärtner um ihre Grundstücke und Lebensqualität, wie eine Informationsveranstaltung zeigte. Dabei erläuterte Josef Metzger von der Aktionsgemeinschaft "Lebensraum Lechleite" den Bundesverkehrswegeplan sowie die geplante Trasse von der A 8 bei Derching bis zur Einmündung in die B 17 in Oberottmarshausen. Mit seinen Bedenken steht er nicht allein: Die Bedeutung der Straße werde überregionalen Verkehr anziehen und die B 300-Anlieger in Friedberg mehr belasten, so die Osttangenten-Gegner. Die Vorsitzenden der Klein- und Schrebergärtner appellierten an ihre Mitglieder, Einwendungen bis spätestens 2. Mai ans Bundesverkehrsministerium zu senden. Denn durch die neue Straße könne das Naherholungsgebiet für bis zu 1500 Personen in über 270 Grundstücken verloren gehen.

Die in einem Aktionsbündnis versammelten Gegner setzen sich für den Erhalt der Naherholungsgebiete ein und fürchten unter anderem um die Qualität des Trinkwassers, wenn das Millionenprojekt laut Bundesverkehrswegeplan umgesetzt wird. Auch Wirtschaftswachstum und die Erschließung weiterer Gewerbegebiete seien kein Grund, um riesige Flächen zuzubetonieren.

In Mering entschied sich eine Ratsmehrheit dafür, ein Schreiben der Grünen als offizielle Stellungnahme ans Ministerium zu schicken. Grünen-Sprecherin Petra von Thienen hatte eine Ablehnung formuliert und ist der Ansicht, dass der Einwand einer Kommune mehr Gewicht habe als der einzelne Bürger. Bürgermeister Hans-Dieter Kandler gab zu bedenken, dass durch die massiven Einwände das gesamte Projekt in Gefahr geraten könne. Dagegen sagte Martin Scherer (CSU) in der Diskussion: "Eine vierspurige Autobahn durchs Lechfeld ist Wahnsinn!"

Auch die Gemeinde Merching will sich noch einmal mit einem Brief an die Bundesregierung gegen die Osttangente aussprechen. Bürgermeister Martin Walch fasste seine Argumente in einem engagierten Plädoyer zusammen. Er wies auf die notwendigen Einschnitte in die Natur hin, zu einem Zeitpunkt, wo gerade mit viel Aufwand die Fischtreppe am Mandichosee gebaut und neue Ausgleichsflächen geschaffen werden. Werner Schrom sagte, gerade die Ortschaften Ried und Mering würden über den von Odelzhausen kommenden Verkehr eine enorme Belastung bekommen. Eugen Seibert unterstützte die abgespeckte Variante, die Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko propagiert. Eine konkrete Ablehnung helfe Kissing und Mering nicht, war seine Meinung.

Am Rande der jüngsten Stadtratssitzung in Königsbrunn gab es ebenfalls eine lebhafte Debatte über das umstrittene Projekt. In einer leidenschaftlichen Stellungnahme sagte Ludwig Fröhlich (Freie Wähler), man müsse Allianzen schmieden, Abgeordnete mit einbinden sowie mit Bürgermeistern beiderseits des Lechs gemeinsame Positionen erarbeiten. Ob das aufgrund unterschiedlicher Interessen realisierbar ist, wurde im Gremium allerdings bezweifelt.

Königsbrunns Bürgermeister Franz Feigl sagte, man müsse die Gründe für das Vorhaben weniger im Wunsch nach zwei Ortsumfahrungen bei Friedberg und Kissing suchen als in Konzepten der gesamteuropäischen Verkehrslenkung. Darauf hat auch die Bürgerinitiative "Bika" hingewiesen. Mit dem Gotthard-Basistunnel, der im Dezember 2016 in Betrieb gehe, und einem weiteren Straßentunnel durch das Gotthardmassiv ab 2030 werde der Pkw- und Lkw-Verkehr zwischen Nord- und Südeuropa deutlich ansteigen. Dann wären B 17 und die geplante Osttangente überfordert. Dritte Bürgermeisterin Ursula Jung betonte, der Flächenverbrauch für eine Osttangente sei nicht vertretbar; stattdessen solle man den Verkehr von der Straße stärker auf die Schiene verlagern. (Peter Stöbich )
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