Schlechte Stimmung in Friedberg

Das umstrittene Feng Shui-Gutachten zum Friedberger Schloss sorgt wieder für Ärger im Stadtrat. Mit dem ausschließlich mündlichen Bericht durch Bürgermeister Roland Eichmann wollten sich die Grünen nicht zufrieden geben.

Als Bürgermeister Eichmann das umstrittene Gutachten zum Thema Feng Shui und Geomantie im Schloss in Auftrag gab, machte er dies sicher in der guten Absicht, alles für eine optimale Neuausrichtung des mit vielen Problemen behafteten Schlossumbaus zu tun. Über diese Beauftragung musste er niemanden informieren, da die 5000 Euro Kosten in seinem alleinigen Entscheidungsbereich lagen - obwohl es im ohnehin heftig diskutierten Schlossumbauprozess sicher klüger gewesen wäre, auch andere in diese Entscheidung mit einzubeziehen.

In der Schlossausschuss-Sitzung stand nun nur ein mündlicher Bericht über das Gutachten auf der Tagesordnung - von allen mit Spannung erwartet. Leider gab es weder eine Tischvorlage noch ausführliche Erläuterungen zu den Ergebnissen. Eichmann beschränkte sich auf vier Erkenntnisse: Auf der Westterrasse empfiehlt die Expertin ein Denkmal für die Wittelsbacher. Etwas Gläsernes oder Kristallenes solle integriert werden. Mit einer erneuten Grundsteinlegung könne die neue Nutzung symbolisiert werden. Und eine bewusste Platzierung des Themas "Frieden" im Schloss könne dazu beitragen, dass die Geschichte des Schlosses, das jahrhundertelang aufgrund seiner Grenzlage als militärisches Bollwerk diente und am Konflikt orientiert war, zum Positiven gedreht werden.

Vielleicht war diese nüchterne Berichterstattung bewusst so gewählt, weil laut Eichmann "viele versucht haben, eine Gespenstergeschichte daraus zu machen". Aber allein die auch in den Medien ausgetragene Debatte um das Schloss habe so viel PR gebracht, was mit Werbung nicht zu finanzieren gewesen wäre.

Stein des Anstoßes war unter anderem auch, dass Eichmann angeblich aufgrund seines Hundes Ares, der sich in den Gemäuern unwohl fühlte, das Gutachten in Auftrag gegeben hätte. Tatsächlich war aber der Hund nicht der Auslöser, sondern die Beauftragung erfolgte schon vorher auf Empfehlung der Verwaltung. Auch ist es nicht das erste Mal, dass in Friedberg und auch in anderen Kommunen Feng Shui zum Einsatz kommt: "Das ist mittlerweile ein ganz gängiger Ansatz, der in der Bauwirtschaft und in der Immobilienwirtschaft verwendet wird. Es gibt Kommunen, die werben mit Baugebieten, die nach Feng-Shui-Maßstäben entwickelt worden sind. Selbst bei uns im Krankenhaus in Friedberg ist der Eingangsbereich danach gestaltet worden", so Eichmann. In der Ausschusssitzung forderten die Grünen um Marion Brülls und Claudia Eser-Schuberth Einblick in das Gutachten. Das mündlich Berichtete reichte Brülls nicht als Erklärung für den Auftrag aus. Auf die schriftliche Bitte um eine Aushändigung des Gutachtens in schriftlicher Form reagierte Eichmann per E-Mail mit einer Absage. Auch die Medien erhalten keinerlei Auskünfte mehr. Die Grünen werden jetzt eine Dienstaufsichtsbeschwerde einleiten. Frieden kehrt damit immer noch nicht ein im Friedberger Schloss. Dieses Mal werden die kriegerischen Auseinandersetzungen allerdings innerhalb der eigenen Stadt ausgetragen. Eichmann meinte gar, das Thema käme den Grünen gerade recht, "um einen ihnen nicht passenden Bürgermeister in der Presse zu bekämpfen".
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