Stadträtin muss draußen bleiben

Marion Brülls, Stadträtin und Sozialpflegerin, musste das Friedberger Rathaus verlassen. (Foto: oh)

Auch Stadträte müssen draußen bleiben – zumindest wenn sie nicht eingeladen sind. Diese Erfahrung machte die Friedberger Stadträtin und Sozialpflegerin Marion Brülls (Grüne) am Montag vor einer Woche, als im Sitzungssaal des Friedberger Rathauses eine Informationsveranstaltung für die Nachbarn einer neuen Flüchtlingsunterkunft stattfand.

Maximal 17 Flüchtlinge sollen in ein Reihenmittelhaus im Samfeldweg in Wulfertshausen einziehen. Die Stadt Friedberg hatte die unmittelbaren Nachbarn eingeladen, damit Mitarbeiter des Landratsamtes Aichach-Friedberg die Pläne vorstellen und Fragen beantworten konnten.
Viele Anlieger waren gekommen – nicht dabei sein durfte Stadträtin Marion Brülls, obgleich Nachbarn der geplanten Unterkunft sie gebeten hatten, an der Veranstaltung teilzunehmen. „Ich selber habe von der Veranstaltung nichts gewusst“, sagt Brülls. Trotzdem sei sie auf Bitten der Anlieger ins Rathaus spaziert. Schließlich sei sie vom Stadtrat dazu gewählt, diese Aufgaben wahrzunehmen, das Thema Flüchtlinge gehöre zu ihren Aufgaben.
Aus der Informationsveranstaltung wurde nichts. Sie sei nicht eingeladen, habe Bürgermeister Roland Eichmann ihr erklärt. „Er hat mir tatsächlich den Zugang zum Rathaussaal verwehrt. Er hat gesagt, das gehe mich nichts an, das Thema interessiere mich nicht, da ich keine Anliegerin bin.“ Das sei nicht nur ein Affront gegen ihre Person gewesen, sondern gegen die Wähler, findet Brülls. „Er hat mich daran gehindert, meine Arbeit als Stadträtin auszuüben.“ Als Sozialpflegerin sei sie ohnehin für den Bereich Flüchtlinge zuständig.
Für den Pressesprecher der Stadt Friedberg Frank Büschel ist klar, weshalb Eichmann der Stadträtin die Tür wies. „Lediglich die unmittelbare Nachbarschaft war eingeladen.“ Darum habe Eichmann die Stadträtin auch nicht gebeten dabei zu sein.
Das sei nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen, erinnert sich Brülls. „Ich will ja nichts unterstellen, aber diese Häufung ist bedenklich“, so Brülls. Politisch werde das Konsequenzen haben. Und dass Stadträte nicht zu der Veranstaltung eingeladen gewesen seien, stimmt laut Brülls nicht. „Simone Losinger als zuständige Sachgebietsleiterin des Landratsamtes war dort.“
Brülls fügt hinzu: „Was mich schockiert, ist letztendlich auch der Umgang mit der Bevölkerung.“ Die Anlieger seien verärgert gewesen, dass sie nicht kommen konnte.
Eine weitere Informationsveranstaltung zum Thema „Asylbewerber in Stätzling und Wulfertshausen. Wie kann ich helfen?“ ist für Dienstag, 2. Februar, um 19.30 Uhr geplant. Sie findet im Gasthaus zum Schloss statt. Eine Einladung hat Brülls bereits erhalten. Genaue Informationen gab es laut Brülls nach wiederholter Nachfrage. „Ich werde weiterhin sachlich entscheiden – und ich werde mich nicht aufhalten lassen, meine Meinung zu vertreten.“
Den Nachbarn des Reihenhauses am Samfeldweg sicherte das Landratsamt am Montag vor einer Woche übrigens zu, die Belegung sensibel zu handhaben.
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