Verplante Herbstferien: Informationsabend zur erneuten Turnhallenbelegung

Drei Wochen lang fungierte die Turnhalle des Friedberger Gymnasiums bereits in den Sommerferien als Not-Erstaufnahmeeinrichtung. Foto: Lütke-Wissing

Die Sporthalle des Friedberger Gymnasiums wird noch einmal zur Not-Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Vergangene Woche fand dazu eine Informationsveranstaltung in Friedberg statt.

In der Schulmensa reichten die Plätze nicht mehr – so viel Bürger waren zu dem Informationsabend gekommen. Landrat Klaus Metzger kündigte an, dass der Landkreis Aichach-Friedberg im November noch einmal die Sporthalle des Friedberger Gymnasiums zur Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende umfunktionieren muss. Mit Beginn der Herbstferien, am Samstag, 31. Oktober, werden Helfer vom Technischen Hilfswerk und Bayerischen Roten Kreuz Betten für 250 Menschen aufbauen, ebenso Stationen für den Gesundheitscheck und die Registrierung. Ob die Erstaufnahmeeinrichtung auch in der Woche nach den Ferien weiter im Betrieb bleiben muss, sei noch nicht bekannt. Doch in diesem Fall würde der Sportunterricht in der Halle, auch der Vereinssport entfallen.
In den Sommerferien war die Turnhalle des Gymnasiums schon drei Wochen eine Not-Erstaufnahmeeinrichtung. Um künftig solche Belegungen zu vermeiden, soll dem Landkreis ein Gebäude im Derchinger Gewerbegebiet als Erstaufnahmeeinrichtung zur Verfügung stehen. Wegen der Brandschutzrichtlinien wird diese Unterkunft für 180 Flüchtlinge, ein ehemals als Hotel konzipiertes Gebäude, erst später als geplant fertig. „Daher müssen wir noch einmal die Turnhalle hernehmen“, bedauerte Metzger. Insgesamt gibt es 1229 Asylsuchende im Landkreis, davon 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF), der jüngste ist 13 Jahre alt, etwa 200 Kinder sind es insgesamt im Landkreis. Doch mit diesen Zahlen rechneten alle erst Ende 2016. Nun gehe der Landkreis zum Jahresende von 2000 Flüchtlingen aus. Pro Woche kommen laut Metzger etwa 50 neue Flüchtlinge und 15 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in den Landkreis – Tendenz steigend.

In Friedberg sind bereits jetzt in fünf Ortsteilen Asylbewerber untergebracht. In Rinnenthal gibt es eine Wohngruppe mit acht unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Neue Unterkünfte entstehen in Friedberg West für 75 Asylbewerber im ehemaligen Marxer-Gebäude ab Ende Oktober, in der Engelschalkstraße auf dem Betriebsgelände der Firma Zaby sind weitere 54 Plätze genehmigt und bald bezugsfertig, 20 weitere eventuell möglich. In der Röntgenstraße wird neben dem Autefa-Gebäude der ehemalige Bürotrakt umgebaut und voraussichtlich die Grünfläche gegenüber in Schnellbauweise für eine zeitlich befristete Nutzung von zehn Jahren für soziale Zwecke bebaut. Damit entstehen hier weitere 56 Plätze. In der Marquardstraße ist die Rede von einer Einheit mit 100 Plätzen, in Stätzling und Wulfertshausen mit je 30 bis 35 Plätzen. Zu diesen Unterkünften für 370 Menschen kommt noch die geplante Unterkunft in der Seestraße mit 100 bis 200 Plätzen.

Ein „dickes Plus“ seien die ehrenamtlichen Helfer: Bislang engagieren sich 110 Freiwillige für die Asylbewerber, koordiniert von der neuen Asylbeauftragten Ulrike Proeller. „Die große Unterstützung hat enormen Anteil daran, dass es noch keine ersten Vorkommnisse gab. Nicht jeder will oder kann helfen, aber bitte arbeiten Sie nicht dagegen. Und glauben Sie nicht alle Gerüchte, die in den sozialen Medien umhergeistern“, appellierte Bürgermeister Roland Eichmann an die Zuhörer.
In der anschließenden Diskussion kamen viele Fragen auf. Was kostet das und wer bezahlt das alles? Der Landkreis bleibe zwar lediglich auf den Personalkosten sitzen, alles andere bezahle der Freistaat Bayern, aber „das sind alles unsere Steuergelder“. Der Landrat denkt über zusätzliche 35 Stellen nach, um der Lage Herr zu werden. Friedberg will mit einem Puffer reagieren, der im nächsten Haushalt eingeplant werden soll. „Das sollte uns unser sozialer Friede wert sein“, meinte Eichmann. Die Häufung der Asylbewerber an einer Stelle war einem Zuhörer ein Dorn im Auge. Metzger erklärte, dass er versuche, Häufungen über 150 Flüchtlinge zu vermeiden. „Wir müssen diese Bauanträge zwar genehmigen, aber wir müssen diese Objekte nicht mieten. Kein Investor wird bauen, wenn er keinen Mieter hat“, erläuterte Metzger.

Und über das Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft wollten einige Zuhörer etwas erfahren. Ob die Asylbewerber sich selber verpflegen und die Räume reinigen würden. „Das sind erwachsene Menschen, die viel geschafft haben auf der Flucht. Da kann man ihnen zutrauen, selber für Essen und ein sauberes Bad zu sorgen“, sagte Eichmann. Asylbewerber erhalten Geld, mit dem sie haushalten müssen. Sie strukturieren ihren Tag selbst, suchen selbst nach einer Arbeit. Ehrenamtliche unterstützen sie dabei. Deren Arbeit interessierte die Zuhörer, allerdings mit der Befürchtung, dass sich Freiwillige nicht beliebig vermehren lassen. Eichmann erklärte: „Vertrauen wir darauf, dass wir es schaffen. Wir hätten nie gedacht, dass wir das bewältigen können, was wir aktuell stemmen. Ich bin stolz auf diese Gesellschaft, diesen Landkreis und diese Stadt.“

Von Peter Lütke-Wissing
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