Wofür die Stadt Millionen ausgibt

Eine Sportgymnastik-Gruppe des TSV lockerte die Bürgerversammlung auf. Foto: Stöbich
Friedberg: Friedberg | Bürgerversammlung / Schlossumbau und Sozialwohnungen

Von Peter Stöbich
Friedberg. Wofür die Stadt Friedberg derzeit viele Millionen ausgibt, erfuhren die Zuhörer bei der Bürgerversammlung aus erster Hand. Mit zahlreichen Bildern, Daten und Statistiken informierte sie Bürgermeister Roland Eichmann in der Mensa der Mittelschule, wo dieses Jahr viele Plätze leer blieben. In seinem eineinhalbstündigen Bericht ging er nicht nur auf die Situation in der Kernstadt, sondern auch in den Ortsteilen ein. Die vielfältigen Aufgaben und Themen reichen von den Schulen und Stadtwerken über Kultur und Tourismus bis zum Verkehr und Wohnungsbau.
Interessant für das Publikum waren aktuelle BIlder aus dem Inneren des umgebauten Wittelsbacher Schlosses, das Mitte kommenden Jahres mit einem großen Fest wieder seine Pforten öffnet (wir berichteten). Einen eigenen Workshop zum Thema Schloss wird es am 21. November im Rahmen des Kultur-Entwicklungskonzeptes geben; weitere Veranstaltungen sind für 13. Dezember zur Kulturförderung sowie am 29. Januar zu den Stadtteilen geplant.
Als wichtiges Dauer-Thema nannte Eichmann die Bauleitplanung, mit der sich die Stadträte das ganze Jahr über befassen. Unter anderem geht es um die Schaffung städtischer Sozialwohnungen an der Afrastraße, die künftige Bebauung des Bauhof-Geländes an der Stefanstraße, das Sanierungsgebiet Unterm Berg, um Entwicklungskonzepte für die Ortsteile sowie eine sogenannte Klarstellungssatzung in Rohrbach. Zum umstrittenen Bau einer Wohnanlage an der Metzstraße (wir berichteten) soll es demnächst ein Schlichtungsgespräch geben, kündigte der Bürgermeister an.
Er hatte eine Reihe guter Nachrichten mit dabei und war stolz auf den schmucken neuen Kindergarten St. Thomas in Rederzhausen, wo es seit September zwei Gruppen in der ehemaligen Sparkasse gibt. 100.000 Euro haben die Brandschutz-Ertüchtigung und der behindertengerechte Umbau des Verwaltungsgebäudes am Marienplatz gekostet; in ein rollstuhlgerechtes Toilettenhäuschen am Friedberger See wurden 160.000 Euro investiert. An die Feuerwehren Ottmaring und Stätzling wurden neue Löschfahrzeuge ausgeliefert und der Friedberger Westen soll künftig mit Bussen besser ans Zentrum angeschlossen werden. Deutlich mehr Geld als zunächst geplant wird die Umgestaltung der Bahnhofstraße kosten, nämlich rund 2,5 Millionen Euro.
Auch über die Übernahme des Friedberger Stromnetzes wurden die Bürger informiert; zum Ende dieses Jahres hat die Stadt den Konzessionsvertrag mit der Lechwerke AG gekündigt. Es war im Stadtrat eine umstrittene Entscheidung, doch schließlich entschied man sich mit knapper Mehrheit für das Ziel, das Friedberger Stromnetz in die eigene Hand zu bekommen. Dazu gehen die Stadtwerke eine Partnerschaft mit den Lechwerken ein. Der Vertrag für die Konzession läuft über 20 Jahre.
Die Stadtwerke tragen mit 51 Prozent die Mehrheit in der neuen Kooperationsgesellschaft und werden die kaufmännische Betriebsführung übernehmen. Bislang hatten die LEW, die seit 1901 Friedberg mit Strom versorgen, die Konzession allein. Das künftige Modell sieht vor, dass die neue Gesellschaft namens Stromnetz Friedberg GmbH & Co. KG Eigentümer des Mittelspannungs-, Niederspannungs- und Straßenbeleuchtungsnetzes wird. Sie darf nun öffentliche Straßen für die Verlegung von Stromleitungen nutzen. Die Lechwerke sind weiter für den Betrieb zuständig.
In seinem Bericht nannte Eichmann auch einige eindrucksvolle Zahlen wie 60.000 Übernachtungen im laufenden Jahr. Aktuell hat Friedberg rund 30.000 Einwohner, von denen 17.000 in der Kernstadt leben; mit 175 Bürgern ist Rohrbach der kleinste der Ortsteile. Rund 300 Asylbewerber leben in der Stadt, der Ausländeranteil liegt mit 2483 Personen bei 8,25 Prozent.
Weitere Themen an diesem Abend waren Änderungen im Einheimischen-Modell, die Ganztags-Betreuung für Schüler oder das Hochwasser-Konzept in Bachern. Eröffnet hatten die Bürgerversammlung Mitglieder der TSV-Sportgymnastikabteilung mit ihrem Tanz "Urlaub in den Bergen". In der kurzen und sachlichen Debatte ging es vor allem um Verkehrsprobleme wie eine bessere Abstimmung von Ampeln oder ein Verkehrskonzept für die Afrastraße. "Wir arbeiten daran", sagte Eichmann, "und es laufen intensive Diskussionen, um die Situation zu verbessern - aber das Ganze ist ein schwieriges Thema."
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