Neues Leben in der Thaler-Kiesgrube

Für hunderte von Brutröhren der Uferschwalbe schafft Thaler die Grundlage in der Kiesgrube. Foto: pm


Sind es über 300 oder 400 oder gar 600 Brutröhren in der eigens dafür präparierten Sandwand und auch an anderen Sandadern in der Kiesgrube Thaler in Gablingen? Dann wäre das einer der größten Brutplätze der Uferschwalben in Bayern. Diese Vogelart ist streng geschützt und steht auf der "Roten Liste" der bedrohten Tierarten.

Gezählt hat bei der Führung, die der Bund Naturschutz Anfang August organisiert hatte keiner der zahlreichen Teilnehmer. Aber alle waren fasziniert von dem regen "Flugverkehr" dieser kleinsten Schwalbenart, für die hier der Kiesgrubenbetreiber jährlich neu mit viel Umsicht einen Ersatzlebensraum schafft. Wenn die Zugvögel ab September in ihre Winterquartiere fliegen, wird die Sandwand abgebaut und um etwa einen Meter zurückgesetzt, so dass die Vögel im nächsten Jahr aufs Neue ihre armtiefen Bruthöhlen bauen können.

Eine "Simulation von Naturkatastrophen" auf kleinstem Raum nannte der Betriebsleiter, der die Gruppe über das Gelände führte, das laufende Abbaugeschehen in der Kiesgrube, bei der wieder neues Leben entstehe. Sachkundig wies er auf die unzähligen winzigen Löcher in der Wand hin, in denen eine Vielzahl von Wildbienenarten nisten. Erhebliche Flächen des Abbaugeländes sind bereits wieder verfüllt. Es zeigte sich eine vielfältige Pracht von Blütenpflanzen, besonders dort wo die Firma eine Oberschicht aus grobem Kies aufgebracht hat. Des Weiteren entstehen beim laufenden Abbau Vertiefungen und ein paar zusätzliche Tümpel stellt der Radladerfahrer ganz gezielt her. Diese füllen sich schnell mit Regenwasser und in diesen Tümpeln, ganz ohne Pflanzenbewuchs, wuselten noch Mengen an Kaulquappen. Es sind ideale Gewässer zum Ablaichen für spezielle Amphibienarten wie die Kreuzkröte.

Am Ende des Rundganges waren sich die Besucher weitgehend einig, dass der Kiesabbau zwar unvermeidlich die Landschaft zerstört, aber auch positiv gestaltet werden kann und dann eine Vielfalt schafft, die es so in der umgebenden Kulturlandschaft nicht mehr gibt. Weil diese Vielfalt aber auch störanfällig ist, wünscht man keinen Besucherandrang und beim Problem mit den "wilden" Motocross-Fahrern, deren Radspuren überall, auch nahe an den geschützten Bereichen, zu sehen sind, sollte die Firma noch mehr Erfolg haben. (pm)
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