Porträt: Seines Glückes Schmied

Erwin Auernhammer (rechts) ist stolz auf seinen Sohn Matthias (links), der seit zwei Jahren den Handwerksbetrieb als Hufschmiedemeister in der vierten Generation fortführt. Auf dem Foto schneidet der Junior gerade die Hufe seines Turnierpferdes „Cervin“ aus. Foto: Christine Wieser
   

Einen besonderen Bezug zu Pferden haben die Auernhammers schon seit ihrer Kindheit. Die Hufschmiedfamilie in vierter Generation hatte schon viele heiße Eisen im Feuer.

Das Hufeisen gilt bekanntlich als Glücksbringer. Mit der Öffnung nach oben hin aufgehängt, damit das Glück nicht herausfallen kann, schmückt es so manchen Wohnraum.

Einen intensiven Bezug zu dem "Pferdeschuh" haben Erwin und Matthias Auernhammer schon seit ihrer Kindheit. "Als ich fünf Jahre alt war, setzte mich mein Vater das erste Mal auf ein Pferd", erinnert sich Erwin Auernhammer. Sein Sohn Matthias hatte ebenfalls sehr früh Kontakt zu Pferden, denn die Familie, zu der noch Ehefrau Irmgard und Tochter Kathrin gehören, betreibt auf ihrem Anwesen in der Hauptstraße 17, in Gablingen eine kleine Pferdezucht.

Ganz schön beschlagen

Gerade bindet sich der Hufschmied dritter Generation einen Lendenschutz um, hebt in seiner heimischen Werkstatt die linke Hinterhand des Wallachs "Cervin" auf. "Alle sechs bis zehn Wochen müssen Pferdehufe gekürzt, in Form gebracht und neue Eisen aufgebrannt werden", erklärt Matthias, zieht währenddessen mit Hilfe einer Zange geschickt das alte Hufeisen ab. Der 15-jährige Braune des jungen Hufschmiedemeisters kennt das Prozedere und hält beim Hufe ausschneiden und abraspeln entspannt still. Vater und Sohn verstehen sich bei der Arbeit auch ohne viele Worte, beide sind ein eingespieltes Team.

Matthias dreht am Gashahn der Gasflasche, schürt so das Feuer zur Bearbeitung des Hufeisens: "Für mich war es ganz klar, dass ich nach dem Realschulabschluss in den Betrieb meines Vaters gehen werde".

Er schaffte die staatliche Prüfung zum Hufschmiedemeister im Gestüt Schwaiganger mit Bravour. 2013 übernahm er in vierter Generation den Hufschmiedebetrieb von seinem Vater, der weiterhin gerne mit anpackt. Ebenso wie der Mitarbeiter, Praktikant Philipp Müller.

Stolz auf Matthias

"Einer meiner schönsten Momente war, den Betrieb an meinen Sohn weiterzugeben. Ich bin so stolz auf Matthias und freue mich über seine Entscheidung, in meine Fußstapfen zu treten. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Der Beruf geht an die körperliche Substanz und ist sehr zeitaufwändig. Bei uns beginnt die Arbeitszeit um 7 Uhr und endet im Winter um 20 Uhr, im Sommer um 21 Uhr - und das an sechs Tagen die Woche. Zur Turniersaison können es auch mal sieben Tage die Woche werden". Das muss ein Partner erst einmal mitmachen!"

Da steht sie schon da, die Partnerin an Matthias Seite - Steffi. Seit zwei Jahren sind die beiden ein Paar. Nachdem sie kurz mit Matthias gesprochen hat, ist sie auch schon wieder verschwunden.

Drei Meter weit weg vom Pferd züngeln Flammen aus dem Gasofen, in dem das Hufeisen glüht. "Früher mussten wir immer einen Eimer Kohle mitnehmen, um das Feuer zu schüren, heute ist für jeden Hufschmied der Gasofen Standard", freut sich der zweifacher Familienvater über die Arbeitserleichterung.

Matthias greift währenddessen das rot glühende Eisen mit der Zange, bearbeitet das auf 600 bis 700 Grad Celsius erhitzte orthopädische "Schuhwerk" mit Fachbegriff "Eiereisen" für sein riesiges (180 Zentimeter Stockmaß) Turnierpferd auf dem Amboss. Kling - kling - kling! - Kaftvoll schwingt er den Vorschlaghammer, bei jedem Schlag dröhnt ein metallischer Klang durch die geräumige Werkstatthalle. - So wie es sich eben anhört, wenn Eisen mit voller Wucht auf Eisen trifft.

"Horn ist ein extrem schlechter Wärmeleiter" erklärt der gebürtige Gablinger. "Das Hufeisen muss so heiß sein, damit es ganz präzise auf dem Huf aufliegt. Eiereisen haben keine Öffnung und dienen dem Pferd dabei, seine Sehnen zu schonen".

"Beim Hufbeschlag ist der orthopädische Aspekt ganz wichtig", so der Senior. Wir arbeiten zum Wohle der Tiere mit allen Tierkliniken in der Region Augsburg und München eng zusammen".

Zisch - Matthias schmeißt das heiße Eisen zur Abkühlungschwungvoll in den Eimer mit kaltem Wasser, bevor der Hufschmiedemeister es mit sieben Hufnägeln endgültig am Pferdehuf anbringt.

Mein erster Arbeitstag

"Da gab es schon mal eine saftige Ohrfeige, wenn ich nicht so parierte, wie mein Vater sich das vorstellte, das war früher eben so", setzt der Hufschmiedemeister seine Jugenderinnerungen währenddessen fort. "Im RCA (Reit-Club-Augsburg) hatte ich als Hufschmied meinen ersten Arbeitstag", so der drahtige Mann. Er hatte den Handwerksbetrieb von seinem damals 59-jährigen Vater im Juli 1982 übernommen. "Ab da beschlug ich dort immer einmal wöchentlich mittwochs die Pferde. Hier hatte ich 99 Prozent meiner Stammkunden. Heute beschlagen wir Pferde im Stadt- und Landkreis Augsburg sowie im Raum Aichach-Friedberg. Schon nimmt Auernhammer das Pferdebein wieder auf und Matthias kümmert sich um den letzten Feinschliff.

"Der Stiefvater meines Vaters, also mein Großvater Matthias Hämle, hat sein Leben diesem Beruf zu verdanken", spinnt der Hufschmied dritter Generation seine Gedanken noch ein Stück weiter zurück, während er das Pferdebein kurz absetzt: "Er war im Krieg als Hufschmied in Russland tätig und musste deshalb niemals an die Front". Von 1952 bis Anfang der 80er Jahre schwang der Großvater den Schmiedehammer und beschlug Rösser. "85 Jahre wurde der Opa alt. Mit 60 Jahren übergab er seinen Betrieb an meinen Vater", sprudelt es aus Erwin Auernhammer in Gedanken an die erste Hufschmiedgeneration heraus.

Sein ganz persönliches berufliches Highlight sieht der über 60-Jährige in der Zusammenarbeit von 1990 bis 1994 mit dem weltbesten Springreiter "Mister Springsport" Ludger Beerbaum.

"Wir haben im Buchloer Stall Moksel unter anderem Weltklasse-Pferde wie "Ratina Z", "Classik Touch" oder "Come On" beschlagen. Mit unseren Beschlägen wurden die Reiter Mannschafts-Olympiasieger, Einzel-Olympiasieger, Weltcup-Sieger als Mannschaft und im Einzel sowie mehrmalige deutsche Meister .

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enken wie ein Pferd

"Ludger Beerbaum kann denken wie ein Pferd. Dass ich in meiner beruflichen Laufbahn keinen schweren Unfall mit Pferden hatte, lag daran, dass auch ich gelernt habe, zu denken wie ein Pferd. Ich weiß, wie und auf was Pferde in bestimmten Situationen reagieren", ist sich der in der Reiterszene beliebte und geschätzte Pferdemann sicher.
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