Apple-Cube bis Moschee in Saudi Arabien: Die größten Glasteile der Welt kommen aus Gersthofen

Das Unternehmen sedak ist stolz darauf, Glas kalt verformen und biegen zu können - so behält es die Brillanz und Glätte der Oberfläche.
 
Ob USA, Saudi Arabien, Russland oder Deutschland, sedak ist an bedeutenden Gebäuden mit Flachglas vertreten. Jetzt will die Firma die größten Gläser der Welt produzieren.

Das Unternehmen sedak aus Gersthofen will ab kommendem Jahr das größte Glas der Welt produzieren - 3,51 x 20 Meter groß.

Glas, Glas, überall Glas - internationale Stararchitekten wie Sir Norman Foster, das Duo Jacques Herzog und Pierre de Meuron (Elbphilharmonie) sowie das Architekturbüro Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton setzen auf Glasbauteile und -fassaden. Sie klingeln bei sedak in Gersthofen an, lassen sich Angebote für Konstruktionsglas und Glasfassadenteile machen, diskutieren zusammen über Glasgrößen, -flächen, -formen und deren Möglichkeiten. Glas beherrscht die Architektur.
Hervorgegangen ist der Flachglashersteller sedak aus der Gersthofer Glasverarbeitungsfirma Seele GmbH vor zehn Jahren als selbstständige Firma mit nun 160 Mitarbeitern und noch heute ist sie inhabergeführt, was Entscheidungen laut sedak-Geschäftsführer Bernhard Veh sehr vereinfache und beschleunige. Das Investitionsvolumen in den Gersthofener Standort betrug bisher 100 Millionen Euro.


Sedak entstand und wurde bekannt aus dem Interesse der Computerfirma Apple heraus an großen Glasflächen für den Apple-Cube in New York, der bisher schon drei Mal neu gebaut und nun mit 3 mal 15 Meter großen Glasbauteilen gestaltet wurde. Kürzlich produzierte sedak die Fassaden- und Vordachscheiben für das neue Apple-Imperium und den Firmensitz in Cupertino mit gebogenen 15-Meter-Scheiben.


Verbundglas ist nichts Besonderes, doch sedak macht sie besonders groß und bringt sie kalt in die gewollten Formen. Kalt ist das Besondere am sedak-Biegeverfahren, denn dann bleibe das Glas klar, die Oberfläche glatt und die Brillanz erhalten, erläutert Veh. Bisher werden Glasflächen in der Größe bis zu 3,20 auf 16 Meter gefertigt. Eine Zehn-Millionen-Euro-Investition soll nächstes Jahr die Produktion von Gläsern in einer Größe von 3,51 x 20 Meter möglich machen - Rekordgröße - die Umbaumaßnahmen in der Produktionshalle laufen schon. Sie selbst bezeichnen sich als "Hidden Champion" - den "heimlichen Gewinner" und wollen nächstes Jahr Glasscheiben von bis zu 70 Quadratmetern Fläche produzieren, manche Wohnung hat weniger Grundfläche.


Einen Konkurrenten in China "haben wir, doch wir haben bezüglich der Qualität die Nase ein bisschen weiter vorne", erklärt Veh bei einer Führung durch die etwa 400 Meter lange und 31 000 Quadratmeter große Produktionshalle. Für das kommende halbe Jahr seien die Auftragsbücher gefüllt, die Auftragslage sei "gut" sagt Veh und lächelt.


Etwa 100 Personen kümmern sich um die Produktion im Schichtbetrieb, davon sind etwa zehn Auszubildende für den Beruf des Flachglasmechanikers. In der riesigen Halle werden angekaufte Rohglasscheiben gelagert, mit Kunststofffolien in großen Autoklaven bei bis zu 140 Grad Celsius und Unterdruck von bis zu minus 13 Bar miteinander verbacken. Oft sind es fünf oder sechs Glasschichten à 15 Millimeter.


Das Bullauge für ein Luxus-Segelkreuzfahrtschiff einer französischen Werft besteht gar aus 19 Schichten 15 Millimeter starken Glases und war 42 Stunden im Autoklaven. Sicherheitstests lassen es geeignet erscheinen, als Fenster für eine Unterwasserlounge auf dem Luxussegler für die geplanten 160 Passagiere den Blick unter die Meeresoberfläche zu dienen. Fünf dieser Schiffe sollen entstehen. In der Auslieferung stehen speziell angefertigte Holzkisten für die fertigen Gläser, eines davon trägt die Adresse des Museums of Modern Art MoMA in New York und Geschäftsführer Bernhard Veh ist stolz darauf: "Bisher ist immer alles heil angekommen."


In der Fertigungshalle zwischen Rohglas, den Autoklaven, Zerspanungsöfen und der Keramik-Digitaldruck-Anlage lagern aktuell die gläsernen Bauteile für den letztendlich einmal 462 Meter hohen Lakhta-Tower im russischen Petersburg. Die Neue Nationalgalerie in Berlin trägt Gersthofener Glaselemente, am Uno-Gebäude in Genf prangen 16-Meter-Gläser und aktuell stapeln sich in der Produktion die bereits bedruckten dreieckigen Scheiben für den Experimenta-Bau in Heilbronn.


Auch ein Eingangsportal einer Moschee in Saudi-Arabien trägt Glaselemente von sedak, hauchdünn mit Gold verziert - dieser Eingang ist ausschließlich dem König vorbehalten. (Stefan Gruber )
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