Verbotener Griff in die Kasse?

Neben der Aufarbeitung vergangener Vorgänge beim Gersthofer Gewerbeverband fanden auch Neuwahlen statt. Gewählt wurden Hans Wohlmuth (Schriftführer) und Frank Wöhrer (Rechnungsprüfer) sowie (von links) Winfried Altmann (Kassenprüfer), Karl Gerlich (Vorstandsmitglied), Vorsitzender Günter Gaugenrieder, Gabriele Deiser (Kassiererin), Matthias Winter (Vorstandsmitglied) und Alexander Döll (stellvertretender Vorsitzender). Foto: Siegfried P. Rupprecht

Hat es unter Albert Heckl in seinem früheren Amt als Vorsitzender des Gersthofer Ortsvereins des Bundes der Selbständigen – Gewerbeverband (BDS) finanzielle Unregelmäßigkeiten gegeben? Eindeutig mit Ja beantworteten diese Frage der jetzige BDS-Chef Günter Gaugenrieder und Kassenprüfer Winfried Altmann bei der Jahreshauptversammlung im Hotel Römerstadt.

Günter Gaugenrieder ist seit November 2013 neuer Vorsitzender des BDS-Ortsverbands Gersthofen. „Bereits bei der ersten Sichtung der buchhalterischen Ordner von 1998 bis 2010 haben Vorstandschaft und Revisoren auffällige finanzielle Ungereimtheiten entdeckt“, so Gaugenrieder.
Im September 2014 stellte der BDS bei der Staatsanwaltschaft Augsburg Strafantrag gegen Albert Heckl wegen des Verdachts der Untreue, Unterschlagung und Steuerhinterziehung. Begründet wurde der Antrag damit, dass der Beklagte die „Vermögensbetreuungspflichten gegenüber dem Gersthofer BDS in erheblichem Maße verletzt hätte“. Gemeint waren damit für die neue Vorstandschaft und den Revisoren „nicht nachvollziehbare Barentnahmen und Zahlungsflüsse“.

Strafbefehl über 5.000 Euro

Im April 2015 stellte die Augsburger Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen Albert Heckl wegen des Vorwurfs der Untreue für die Vorwürfe vor dem November 2009 ein. Die Taten seien mangels Verjährung nicht mehr verfolgbar, so die Staatsanwaltschaft. Für Vorgänge im Jahr 2010 wurde Heckl wegen Untreue mit einem Strafbefehl über 5.000 Euro belegt. Der Betrag wurde von ihm umgehend bezahlt.
„Wir haben lange unserer weitere Vorgehensweise überlegt und schließlich beschlossen, unsere Forderungen weiter aufrecht zu erhalten“, so Gaugenrieder. „Wenn wir die Sache stillschweigend hingenommen und unter den Tisch gekehrt hätten, wären wir nicht besser als der Vorgänger gewesen“, ergänzte Winfried Altmann.
Im Oktober 2015 bot der BDS seinem früheren Vorsitzenden bei einem Gespräch in der Münchner BDS-Hauptstelle einen Vergleich an. Kurz darauf forderte der Gewerbeverband Heckl nochmals zur Zahlung auf. Heckls Anwalt verneinte in einem Schreiben die gegen seinen Mandanten erhobenen Vorwürfe und Ansprüche. Unabhängig davon und ausdrücklich ohne Anerkennung einer Rechtspflicht bot Heckl im „Interesse einer Beendigung der leidigen Angelegenheit und zur Abgeltung aller Ansprüche es Ortsverbands gegen ihn“ die Zahlung eines Betrags in Höhe von 5.000 Euro an. Dies wiederum lehnte der BDS ab.
Um Verjährungsfristen zu wahren habe der BDS mit einem Mahnbescheid reagiert, dem wiederum widersprochen worden sei, erklärte Gaugenrieder.

„Rechtsgrundlose Bargeldentnahmen“

Daraufhin erhob der Gewerbeverband Ende Juni Zivilklage gegen Albert Heckl beim Landgericht Augsburg. Darin machte er einen Schadenersatzanspruch wegen der Veruntreuung von Geldern in Höhe von rund 40.000 Euro geltend. Als Begründung nannte Rechtsanwalt Wolfgang Schubaur (Burgau) unter anderem „rechtsgrundlose Bargeldentnahmen und Aufwandsentschädigungen“ vor allem im Zusammenhang mit dem Gersthofer Bürgerfest, bei dem Heckl bis 2010 Veranstalter war. Der Anwalt schlüsselte in der Zivilklage auf, dass von 2006 bis 2010 auf Veranlassung von Albert Heckl an ihn selbst und an einen mittlerweile verstorbenen BDS-Kassierer insgesamt rund 40.000 Euro an Zahlungen geflossen seien.

„Hanebüchene Vorwürfe“

Albert Heckl bezeichnete die Vorwürfe gegen ihn in einem Gespräch mit unserer Zeitung als „hanebüchen“. Er habe im Rahmen des damaligen Bürgerfestes für „eigene Arbeiten nie etwas verlangt, nur wenn Kosten von Dritten angefallen seien“. Er sehe die Vorwürfe als „reines Politikum“. Albert Heckl sitzt für die Fraktion W.I.R. im Gersthofer Stadtrat. Nun wolle er selbst gegen Günter Gaugenrieder und dem BDS Klage einreichen, so Heckl zur StadtZeitung.

Von Siegfried P. Rupprecht
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