Doppelmord von Hirblingen: Prozess beginnt im Oktober

Bilder eines schrecklichen Verbrechens: Auf Stellwänden zeigte die Polizei im Dezember den Verdächtigen, die Opfer und die Fahrzeuge im Fall des Hirblinger Doppelmordes. Sie machte die Fotos damals publik, weil sie auf weitere Hinweise hoffte. Foto: David Libossek

Wird er reden? Das ist eine der großen Fragen, wenn am 4. Oktober vor dem Landgericht Augsburg der Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder von Hirblingen beginnt. Der 31-Jährige, der seine beiden Nachbarinnen brutal erstochen haben soll, schweigt bislang zu den Vorwürfen. Ein langer Prozess steht bevor.

Nach zehn Tagen bangen Wartens bedeuteten fünf Worte schreckliche Gewissheit: "Die beiden Frauen sind tot." Gerhard Zintl beendete endgültig jedwede Hoffnung, dass die beiden vermissten Frauen, die 50-jährige Beate N. und ihre 49-jährige Lebensgefährtin Elke W., aus Hirblingen im Landkreis Augsburg noch lebend gefunden werden. Eine Hoffnung, die ohnehin nur mehr gering war.

Zintl, der zwei Tage vor Heilig Abend des vergangenen Jahres die Nachricht übermittelte, ist Leiter der 35-köpfigen SOKO Hirblingen. Sie wurde eingerichtet, kurz nach dem 11. Dezember 2016, an dem das lesbische Pärchen als vermisst gemeldet worden war. Bereits zwei Tage lang hatten die Frauen zu niemandem mehr Kontakt. Bereits am darauffolgenden Mittwoch stand für die Ermittler fest: Ein Verbrechen ist passiert. Denn einfach zu verschwinden sei für die beiden "untypisch" gewesen, Details in der Wohnung hätten die Beamten "nicht mit den Opfern in Einklang bringen können". Zumal diese penibel sauber gewesen sei. Dennoch machte die Spurensicherung Blutrückstände sichtbar. Für die Polizei war klar: Die Wohnung ist der Tatort.

Der Mann, dem ab dem 4. Oktober vor dem Landgericht Augsburg der Prozess gemacht wird, ist der damals 31-jährige Nachbar der beiden. Bald sah die Polizei in ihm den Hauptverdächtigen. Er sei während der Ermittlungen als einziger aus dem direkten Umfeld des Paares "nicht greifbar" gewesen, erörterte Zintl an jenem Tag im Dezember, an dem er auch die fünf ominösen Worte sprach.

Als der als Fahrzeugführer tätige Mann schließlich zu einer Befragung auf der Wache erschien, sei es "undurchsichtig" gewesen, wie er die Tage zuvor verbracht hat. "Deshalb haben wir ihn festgenommen."

Wenig später, am 13. Tag nach dem Verschwinden der vermissten Frauen, gruben Beamte ihre beiden Leichen aus. 2,5 Kilometer von deren Wohnhaus entfernt in der Nähe einer Kläranlage. Bei der Obduktion habe man zahlreiche Stichverletzungen festgestellt, manche bis zu 20 Zentimeter tief.

16 Verhandlungstermine sind im Fall Hirblingen angesetzt. Zahlreiche Indizien führt die Staatsanwaltschaft gegen den Angeklagten, der von Linus-Förster-Anwalt Walter Rubach verteidigt wird, vor. Am stärksten wiegt, dass der 31-Jährige nach dem 9. Dezember, der Todestag der Frauen, offenbar mit zwei von drei EC-Karten der Opfer Geld abgehoben hat. Mehr als 5000 Euro in verschiedenen Banken in Bayern und Tschechien. Beweisen sollen das Aufnahmen von Überwachungskameras, die laut Staatsanwaltschaft den vermummten Nachbarn zeigen.

Auf Raubmord aus Habgier klagt diese daher. Denn die Bankkarten, das äußerte die Staatsanwaltschaft in einer Pressemittelung im April, habe er "tatplanmäßig" entwendet. Auch habe der Verdächtige gestückelte Banknoten in seinem Auto versteckt, in dem die Ermittler auch die Quittung für einen Spaten fanden. Einen Spaten, wie er in der Nähe der Leichen gefunden wurde.

Ein Urteil im Prozess um den Doppelmord könnte am 6. Dezember fallen. Bis dahin sind - auch für zwei Schwestern eines der Opfer, die als Nebenklägerinnen auftreten, viele offene Fragen zu klären. Die zwei drängendsten: Mussten die Opfer für die Herausgabe ihrer EC-Pinnummern leiden? Und die Frage nach dem Warum. Derjenige, der am meisten dazu beitragen könnte, sie zu beantworten, schweigt seit seiner Festnahme beharrlich: der Angeklagte.
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