Prozess um Doppelmord von Hirblingen: Wirbel um einen Antrag

Auch Waldemar N., Angeklagter im Prozess um den Doppelmord von Hirblingen, hatte laut seinem Verteidiger Walter Rubach das Gefühl, dass Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser voreingenommen sei. (Foto: David Libossek)

Vom Aufreger am siebten Prozesstag um den Doppelmord von Hirblingen bekamen die Zuhörer im Gerichtssaal nichts mit. Der Verteidiger von Waldemar N. hatte einen Befangenheitsantrag gegen Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser gestellt. Ohne Erfolg.

Die Verhandlung wurde am Dienstag Morgen nach elf Tagen Pause fortgesetzt, als wäre nichts geschehen. In der elftägigen Pause hatte das Gericht allerdings über einen Antrag diskutiert, der diesen Prozess hätte platzen lassen können. Gestellt hat ihn Walter Rubach, Verteidiger des Angeklagten Waldemar N., der darin die Richterin Riedel-Mitterwieser ablehnt. Sie sei befangen sei.

Rubach stützt den Antrag vor allem auf eine Aussage der Vorsitzenden am Ende des sechsten Prozesstages. „Für was brauchen wir denn noch Spuren, wenn wir DNA des Angeklagten und seinen Schlüssel am Fundort der Leichen haben“, habe Riedel-Mitterwieser gesagt. Mehrere Ohrenzeugen hätten dies ebenfalls so oder zumindest so ähnlich vernommen.

Das habe Rubach nicht glaubhaft gemacht, heißt es im Beschluss des Landgerichts – der freilich ohne Rieder-Mitterwieser getroffen wurde. „Laut der dienstlichen Stellungnahme der Richterin ist diese Aussage nicht gefallen“, lässt Gerichtssprecher Claus Pätzel wissen. Das Gericht lehnte das Ansinnen des Anwalts ab. Diese Entscheidung sei nichtöffentlich verkündet worden, da auch der Antrag außerhalb der Hauptverhandlung gestellt worden war, erläutert er außerdem.

So oder so ließ der Beschluss einen verärgerten Verteidiger zurück. Für Rubach spiele der exakte Wortlaut der Aussage nämlich keine Rolle. Die Begründung des Gerichts trage deshalb nicht. Der Bundesgerichtshof werde seine Freude daran haben, ihm seien etliche ähnliche Fälle bekannt, in denen später das Urteil in einer Revision kassiert worden sei.

Am siebten Verhandlungstag sagten schließlich mehrere Ermittler aus. Sie berichteten, wie sie Wohnung und Auto von Waldemar N. durchsucht hatten. Ein Polizist beschrieb die erste Vernehmung des Angeklagten. Die Beamten bestätigten mit ihren Ausführungen, was bislang über die Ermittlungen bekannt war.

Am Mittwoch wird der Indizienprozess mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt. Danach ist erneut eine Pause vorgesehen, am 7. November wird weiter verhandelt. Waldemar N. wird beschuldigt, seine beiden Nachbarinnen im Gersthofer Ortsteil Hirblingen aus Habgier brutal ermordet zu haben. (lib, fk)
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