Prozess um Doppelmord von Hirblingen wird fortgesetzt: Was bisher geschah

Der Angeklagte im Doppelmord-Prozess, Waldemar N., schweigt bislang. Foto: David Libossek

Es ist ein Prozess voller Merkwürdigkeiten, Unklarheiten und offener Fragen. Die Verhandlung um den Doppelmord von Hirblingen hat nun ihre erste längere Pause hinter sich. An den bisherigen sechs Sitzungsterminen erlebten die stets zahlreichen Zuhörer emotionale Aussagen, einen schweigenden Angeklagten, neue Indizien und eine mysteriöse Unbekannte namens Ingrid.

Sie wollen noch etwas tun für die ermordete Elke W. Deshalb treten ihre Schwestern im Prozess gegen Waldemar N. als Nebenklägerinnen auf. Und auch, um ganz nah dran zu sein am Prozess, Akteneinsicht zu erhalten. "Sie wollen auf dem Laufenden sein, wissen, was Gegenstand der Ermittlungen ist", sagt ihre Anwältin Marion Zech. Gerade deshalb, weil die wohl wichtigsten Fragen noch zu klären sind. Die nach dem Wie und dem Warum.

Auch nach sechs Prozesstagen gegen den mutmaßlichen Doppelmörder von Elke W. und ihrer Lebenspartnerin Beate N., gibt es darauf keine Antworten. Eher noch mehr Fragen. Waldemar N. soll seine beiden Nachbarinnen im Gersthofer Ortsteil Hirblingen aus Habgier erstochen haben. Gegen ihn sprechen zahlreiche Indizien. Waldemar N. selbst schweigt. Der 32-Jährige sitzt zwischen seinen beiden Verteidigern, ist meist nach vorne gebeugt und macht sich Notizen. Der kleine, blasse Mann mit dem Seitenscheitel, den seine Mutter am dritten Prozesstag als liebevollen Sohn beschreibt, sieht dadurch aus wie ein Prozessbeobachter.

Dabei sprechen viele Indizien gegen den Angeklagten. So präsentierte am sechsten Prozesstag ein Kripobeamter weiteres belastendes Material. Am Ort nahe des Flüsschens Schmutter, an dem die beiden Leichen vergraben waren, hatte die Polizei einen Schlüssel gefunden. Er habe an der Haustür der Familie N. sowie an der Wohnungstür von Waldemar N. im ersten Stock gepasst. Der Schlüssel sei aufgetaucht, als Waldemar N. bereits in Untersuchungshaft saß.

Hat die Polizei Fehler gemacht? Verteidiger wollen, dass Indizien nicht zugelassen werden

Auch fanden die Ermittler die mutmaßlichen Tatwaffen, zwei Küchenmesser, versteckt unter einer Decke auf seiner Couch. An einer Klinge entdeckten die Ermittler die DNA beider Opfer, an der anderen genetische Spuren von Elke W. An den Griffen stellten sie die DNA des Angeklagten fest.

Walter Rubach und Hansjörg Schmid, die Verteidiger von Waldemar N., wollen mit einem Antrag jedoch erreichen, dass unter anderem diese beiden Messer nicht als Indizien zugelassen werden. So habe die Polizei die Wohnung des Angeklagten mit der Argumentation Gefahr im Verzug durchsucht. Zu diesem Zeitpunkt habe sich Waldemar N. jedoch in einem mehrstündigen Polizeiverhör befunden.

Auch sein Auto schließen Rubach und Schmid mit in ihren Antrag ein. Daher sei auch eine Quittung, die im Wagen des Angeklagten gefunden wurde, als Beweis unzulässig. Auf der Rechnung taucht ein Spaten auf, wie ihn die Ermittler in der Nähe des Leichenfundorts entdeckten.

Aber das sind nicht die einzigen Indizien. Denn auch an den beiden Leichen befanden sich DNA-Spuren von Waldemar N. Und dann sind da beispielsweise noch die Fotos von Überwachungskameras an Geldautomaten, an denen ein Vermummter mit den EC-Karten der Opfer Geld abhob - laut Anklage soll es sich um Waldemar N. handeln. Unter anderem soll er die Karten auch in Tschechien genutzt haben.

Wer ist Ingrid?

Zu diesem Zeitpunkt, das gab der Angeklagte im Polizeiverhör vor einem Jahr an, will er sich jedoch mit einer gewissen Ingrid getroffen haben. Er habe sie über einen Chat kennengelernt, sie sei jedoch verheiratet, weshalb er ihre Identität nicht preisgeben wolle.

Auch der Tathergang ist noch nicht vollends geklärt. Die Ermittler gehen davon aus, dass Waldemar N. am 9. Dezember 2016 nach einer Nachtschicht mit den beiden Messern bewaffnet das Haus der späteren Opfer aufsuchte. Dort erpresste er die Geheimnummern der EC-Karten und tötete die beiden 49 und 50 Jahre alten Frauen mit zahlreichen Messerstichen. Ein junges Paar aus der Nachbarschaft will Elke W. und Beate N. allerdings noch am selben Abend gesehen haben.

Letzte Wahrheit "werden wir nie wissen"

"Eine unumstößliche letzte Wahrheit werden wir nie wissen", sagt Opferanwältin Zech. Das sei auch ihren Mandantinnen bewusst. Ihnen gehe es "den Umständen entsprechend. Denn wenn man solche Dinge über die eigene Schwester hört, dann ist das Horror pur".

Der Indizienprozess wird am Dienstag, 24. Oktober, fortgesetzt. Verschiedene Ermittler werden Auskünfte zur Spurensicherung geben. Danach sind neun weitere Verhandlungstage angesetzt. Am 6. Dezember könnte ein Urteil fallen.
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