"Wir kapitulieren nicht vor Vandalen"

Nun hat es auch den "Denker" erwischt. Die Betonfigur, die als einzige der "Alltagsmenschen" im Eigentum der Stadt ist, wurde umgeworfen. Dabei wurde sie enthauptet. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Wieder wurde ein "Alltagsmensch" zerstört. Diesmal traf es den "Denker". Diese Betonfigur ist die einzige aus der Skulpturenserie, die der Stadt selbst gehört. Die Künstlerin der "Alltagsmenschen" ist es bereits gewohnt, dass ihre Betonfiguren immer wieder von Vandalen heimgesucht werden.

Vor Kurzem hat es auch den "Denker" erwischt. Die Betonfigur stammt aus der Serie "Alltagsmenschen" der Künstlerin Christel Lechner. Der oder die Unbekannte haben die mit Erdnägeln gesicherte Figur im Stadtpark umgeworfen.

Der "Denker" stellt dabei eine Besonderheit dar. Normalerweise steht er bereits seit Jahren vor dem Ballonmuseum. Das Kunstwerk war die erste Figur, die in Gersthofen aufgestellt wurde. Das Objekt wurde seinerzeit von der Stadt gekauft und ist damit die einzige Figur aus der Skulpturenserie, die der Kommune gehört. Die anderen rund 20 Figuren, die noch bis einschließlich 11. Oktober in der Innenstadt zu sehen sind, sind Eigentum der Künstlerin. Der "Denker" wurde durch den Aufprall geköpft.

Der "Denker" ist nicht die einzige Figur, die mittlerweile mutwillig zerstört wurde. Als erstes fiel den Vandalen einer der drei Banker vor der Stadtsparkasse an der Rathauskreuzung zum Opfer. Ihm wurde bei der Tat der Kopf abgebrochen. Danach folgte eine der Ratschkathln vor dem City-Center. Zuletzt wurde beim "Tanzpaar" in der Grünanlage vor dem Kulturamt der Frau die Hand abgeschlagen.

Dabei besitzen die "Alltagsmenschen" bei vielen Gersthofer Bürgern mittlerweile Kultstatus. Viele haben die großen, knubbeligen Figuren mit ihren Alltagsposen bereits fest in ihr Herz geschlossen. Die lebensgroßen Skulpturen würden gute Laune verbreiten, meinte eine Betrachterin. "Sie machen die Innenstadt lebendiger", so eine andere. "Sie fügen sich wunderbar ins Stadtbild ein." Kunst mitten in der Stadt sei immer interessant.

Ob das Kunst sei, sei dahingestellt, wertete ein Besucher des City-Centers. Es sei aber eine Unverschämtheit, die Figuren zu beschädigen oder gar zu zerstören. Das meinte dann auch Bürgermeister Michael Wörle. In einem Facebook-Post richtete er an die Vandalen deutliche Worte. "Liebe Vollidioten und Asoziale", schrieb er dort und verteidigte seine klare Ansage damit, dass es nicht in Ordnung sei, dass Dinge mutwillige zerstört werden. "Diese Aktionen sind sinnlos, niveaulos und einfach nur primitiv."

Damit fand das Stadtoberhaupt nicht nur zu großen Teilen Verständnis unter der Bevölkerung, sondern schaffte es auch locker in die bundesweiten Medien. Die Münchner "tz" und "Abendzeitung" berichteten über die Wutrede des Rathauschefs ebenso wie die "Süddeutsche Zeitung" und das Magazin "Focus".

Gewalt und Hass

Experten beurteilen die Zerstörungsattacken als "triebgesteuerte Aggressionen", als "irregeleitete Mutproben", "Kunstignoranz" und "Anstachelung zu Gewalt und Hass".

Die Künstlerin der "Alltagsmenschen" ist es bereits gewohnt, dass ihre Betonfiguren immer wieder von Vandalen heimgesucht werden. Die Bildhauerin und Töpfermeisterin präsentiert ihre Werke schon über einem Jahrzehnt im öffentlichen Raum beispielsweise in Kaiserslautern, Telgte, Bochum, Berlin und in ihrem Heimatort Witten. Überall passiere etwas, so Christel Lechner in einem Zeitungsinterview. Damit müsse man leben.

Klein beigeben will auch die Stadt nicht. "Wir kapitulieren nicht vor Vandalen", betonte Gersthofens Kulturreferent Helmut Gieber. Die Ausstellung gehe wie vereinbart weiter.

Übrigens: Die Polizei Gersthofen bittet die Bevölkerung weiter um sachdienliche Hinweise zu den Zerstörungen unter der Telefonnummer 0821/32 31 810.
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