Da sein, wenn Politik versagt

Waren unter anderem Gäste des Neujahrsempfangs des Gersthofer Opferschutzvereins Sicheres Leben und seiner Vorsitzenden Gabriele Schmidthals-Pluta (Mitte): (von links) Adolf Prändl von der Augsburger Außenstelle des Weißen Rings, Franz J. Pabst, bayerischer Landesvorsitzender Weißer Ring, Bürgermeister Michael Wörle und Stadtrat Michael Fendt. Foto: privat

„Lasst uns mit Entschlossenheit an unsere Aufgaben und die uns gesteckten Ziele herantreten.“ Diese Aufforderung der Vorsitzenden des Gersthofer Opferschutzverein Sicheres Leben, Gabriele Schmidthals-Pluta, beim Neujahrsempfang im Gasthof Zum Stern am Kirchplatz widerspiegelte auch ihren Rückblick auf das abgelaufene Jahr. Dabei hob sie unter anderem die Aufenthalte im Sternstundenhaus der Tabaluga-Kinderstiftung in Peißenberg und die künftige Vernetzung mit dem Weißen Ring hervor.

Dank diverser Spenden und den Einnahmen aus dem Flohmarkt konnte der Verein insgesamt zwölf Minderjährigen jeweils zehn Tage lang einen therapeutischen Aufenthalt im Sternstundenhaus vermitteln und finanzieren. „Es handelte sich um Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen“, erläuterte Schmidthals-Pluta. Die Nachhaltigkeit dieser Aufenthalte sei besonders groß. Die Entwicklung der Kinder erziele durch die dortige einfühlsame und auch therapeutische Betreuung enorme Fortschritte. „Die Teilnehmer schöpfen viel Kraft, um ihren oft schweren Alltag wieder gut meistern zu können“, so die Vorsitzende.
Der Verein unterstützt auch das Projekt „Faires Ringen und Raufen“ für Kinder an der Franziskusschule. Dies sei notwendig geworden, nachdem das Landratsamt hierfür keine Kostenübernahme mehr anbieten konnte.
Rückmeldung gab es auf das an Bundespräsident Joachim Gauck gerichtete Schreiben im „Fall Sebastian Edathy“ (wir berichteten). Darin forderte der Opferschutzverein auf, im Bundestag die Thematik Kinderschutz ernsthaft zu diskutieren, vor allem unter Mitwirkung von Menschen, die an der Basis arbeiten und in ihrer täglichen Arbeit mit missbrauchten Kindern konfrontiert sind.
Das Bundespräsidialamt teilte daraufhin mit, dass der Bundespräsident zu Entscheidungen des Gerichts keine Stellung nehmen und den Mitgliedern des Deutschen Bundestages keine Ratschläge erteilen könne. Er sei aber überzeugt, dass die Verkürzung der Speicherfristen nicht zur Verdeckung von Straftaten beschlossen wurde.

Zum Wohle der Opfer

Sehr erfreut zeigte sich Schmidthals-Pluta über die künftige Zusammenarbeit mit der Opferhilfe Weißer Ring. Die Organisation hilft in Deutschland Menschen, die Opfer von Kriminalität und Gewalt geworden sind und kümmert sich auch um die Angehörigen. „Diese Form der Vernetzung und Zusammenarbeit, der gegenseitige Austausch der Erfahrungen und die gemeinsame Unterstützung dient zum Wohle der betroffenen Opfer“, resümierte die Vorsitzende. „Gemeinsam verfolgen wir das gleiche Ziel, nämlich Opfern von Gewaltstraftaten, Mobbing, Stalking und sexuellem Missbrauch hilfreich zur Seite zu stehen und da zu sein, wenn die Politik versagt.“
Thema war auch das bundesweit geschaltete und vom Verein Sicheres Leben betreute Notruftelefon. In diesem Zusammenhang sei intern darüber diskutiert worden, die Einrichtung auch für Handy-Anrufer freizuschalten, um damit eine besseres Erreichbarkeit zu ermöglichen. „Dies wäre jedoch mit einem wesentlich erhöhten Anrufvolumen verbunden“, bilanzierte Schmidthals-Pluta. Das könne derzeit allerdings aus personellen Gründen nicht gemeistert werden.

Auszeit für Integrative Gruppe

Für das laufende Jahr hat der Verein wieder Aufenthalte im Sternstundenhaus zugesichert bekommen. „Wir sind bereits in den Vorbereitungen der Gruppenzusammensetzung“, erklärte die Vorsitzende. Unter anderem werde eine Integrative Gruppe mit Kindern der Gersthofer Franziskusschule diese wertvolle Auszeit erhalten.

Von Siegfried P. Rupprecht
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