Ein Appell, genauer hinzusehen

Die im Kurpark in Oberstdorf vor zehn Jahren erstellte Gedenkstätte setzt ein Zeichen. Sie symbolisiert, dass Angehörige von jungen Gewaltopfern in ihrer Trauer nicht alleine seien. Foto: Gabriele Schmidthals-Pluta

Die Gesellschaft müsse mehr Zivilcourage bei Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zeigen. Das forderte die Vorsitzende des Gersthofer Opferschutzvereins Sicheres Leben, Gabriele Schmidthals- Pluta, bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen der Gedenkstätte für getötete, missbrauchte, misshandelte und vermisste Kinder im Oberstdorfer Kurpark.

Viele Menschen waren zum zehnjährigen Bestehen des Mahnmals gekommen. Es habe sich in den letzten Jahren manches in eine positive Richtung geändert, aber es gibt noch viel zu tun, verdeutlichte die Rednerin.
Obwohl sich in Deutschland bei diesem Thema manches positiv entwickelt habe, sei die Sicherheit der Kinder noch lange nicht gut genug, betonte sie. So appellierte sie an die Politik, die vorgeschlagenen Möglichkeiten zur Minimierung von Missbrauch, Vernachlässigung und Misshandlung nachhaltig aufzugreifen. „Dabei muss Kinderschutz auch vor Datenschutz gestellt werden“, verdeutlichte sie.
Schmidthals-Pluta ließ Zahlen sprechen. „Im letzten Jahr wurden in Deutschland 133 Kinder getötet. Die meisten von ihnen waren jünger als sechs Jahre.“ Von körperlicher Gewalt seien 4237 Kinder, von sexuellen Übergriffen 14296 Opfer betroffen gewesen. Das Traurige daran: Die Tendenz sei steigend. „Die Dunkelziffern sind wesentlich höher.“
Mehr denn je sei es deshalb notwendig, Verantwortung zu zeigen und bei Gewalt hinzusehen und auch zu reagieren. Ein Tabu dürfe es hier nicht geben. „Nur so können Polizei oder Jugendamt eingreifen.“

Eine Gewalttat wirft viele Fragen auf

Bei der Gedenkfeier waren nicht nur Opferschützer, Vertreter vom Weißen Ring Augsburg, Kriminalbeamte und Prominente anwesend, auch Eltern, die Kinder durch Gewalt verloren haben. So Anette und Detlef Lehmann sowie Romana Gilg. Erstere verloren ihre Tochter Denise im April 2008, getötet mit 30 Steinschlägen auf den Kopf. Romana Gilgs zwölfjährige Tochter Vanessa wurde in Gersthofen am Rosenmontag 2002 in ihrem Bett mit mehreren Messerstichen ermordet.
Schauspieler Christofer v. Beau, bekannt aus der ZDF-Fernsehserie „SOKO München“, meinte in seiner Rede: „Es ist höchste Zeit, dass etwas geschieht, sowohl in den Köpfen der Menschen und vor allem in der Politik.“
Die Namensliste der jungen Gewaltopfer sei lang, machte Schmidthals-Pluta aufmerksam. „Täglich kommen neue hinzu.“ Und: „Viele Fälle können nur schwer oder gar nicht gelöst werden.“ Eine Gewalttat gegen junge Menschen werfe unendlich viele Fragen auf, schloss sie. (pm)
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