Ein ausgefuchstes Luder

Rosstäuscher Xidi Spanndeichsel (Lukas Kiermeyr) „baggerte“ Madam von Ogebarin (Petra Salgado) mit der Mitleidsmasche an. Foto: Siegfried P. Rupprecht
 
Bei drei urbayerischen Rosstäuschern (von links: Wolfgang Schwarzer, Peter Eder und Lukas Kiermeyr) hatte Preuße Jens-Holger Hasselblad (Julian Poppe, Zweiter von rechts) einen schweren Stand. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Die vom „Theater Gersthofen“ aufgeführte Komödie „Bixlmadam“ von Peter Landstorfer bediente inhaltlich gleich mehrere Genres. Einmal den ewigen Zwist zwischen Urbayern und Preußen, zum anderen die Kontroverse von Schein und Sein. Hinzu gesellten sich die Selbstüberschätzung mancher Männer und ihre vermeintlich unwiderstehliche Wirkung auf Frauen, und damit auch die stete Auseinandersetzung zwischen Realität und Traum. Das alles vermengte das glänzend aufgelegte Ensemble wunderbar zu einem strammen und zugleich gewitzten Spiel.

Im Mittelpunkt standen drei Rosstäuscher: Alois Luftkopper (Peter Eder),
Bertl Züglbauer (Wolfgang Schwarzer) und Xidi Spanndeichsel (Lukas Kiermeyr). Das krachige und dem Alkohol sehr zugeneigte Trio landete auf dem Weg zum Pferdemarkt nicht im vorab gebuchten billigen Gasthof in Rösslwang, sondern in einem feinen Hotel in Schösslkam. Im Rausch waren sie in den falschen Zug eingestiegen. Ihre Variante dazu: „Der Zug hat sich verfahren.“ Da die nächste Abfahrt erst in drei Tagen anstand, mussten sich die Rosstäuscher erst einmal mit den skurrilen Gästen auseinandersetzen.
Von ihrer Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht überzeugt, schlossen die drei Urbayern eine Wette ab. Sieger war derjenige, der während der Hotel-Verweildauer eine reiche Dame um ihr Geld bringt. Schade, dass dem Autor des Stückes bei den gepriesenen Aufreißermethoden der Rosstäuscher oft nur platte und frauenfeindliche Witzchen eingefallen waren.
Doch noch war keine „Auserwählte“ in Sicht. So zogen die Rosstäuscher ein nur heilwassertrinkendes Nordlicht (Julian Poppe) und einen rustikal gekleideten weiblichen Hotelgast kräftig durch den Kakao. Nicht wissend, dass es sich hierbei um die reiche Unternehmenswitwe Eva-Maria Flickedanz (Bärbel Schubert) handelte.

Adelige wird umgarnt

Dann nahte jedoch das vermeintliche „Opfer“: Madam von Ogebarin (Petra Salgado). Die Adelige im edlen Kostüm und teurem Brillantring unterstützte unerwartet bereitwillig die Anmache der Rosstäuscher. Letztere hatten es jeweils auf 1.000 Mark der Madam abgesehen. Da diese nicht so viel Geld dabei hatte, bot sie an, den Betrag am kommenden Tag zu holen. Dazu benötigte sie allerdings eine Fahrgelegenheit.
Doch am nächsten Tag war das Entsetzen bei den Urbayern groß. Die Adelige ließ sich mit den jeweils erhofften 1.000 Mark nicht blicken. Mehr noch: Sie war abgereist. Dabei hatte doch jeder der Rosstäuscher ihr noch 200 Mark für die Chauffeurkosten überlassen.
Schimpfend traten die Verlierer den Heimweg an, bitter enttäuscht darüber, dass eine „Bixlmadam“ - also eine Aufschneiderin und weiblicher Stenz - gerade sie über den Tisch gezogen hatte.

Wohlkalkulierte Falle

Nicht wissend, dass sie in eine wohlkalkulierte Falle getappt waren. Das Nobelhotel entpuppte sich nämlich als Abzockdomizil. Hotelier Johann Wössl (Michael Fischer), Bedienung Susi Brenninger (Regina Stanglmeier) und der Sauser Lipp (Mac Tänzer), Klavierspieler, Page und Koch in Personalunion, hatten Madam von Ogebarin, die bürgerlich schlicht Sofe Koanzen hieß, angeheuert, um die drei „Deppen“ auszunehmen. Nach dem Coup teilte das „ausgefuchste Luder“, wie abgesprochen, mit dem Hotelpersonal das erschlichene Chauffeurgeld.
Ein „Happy-End“ gab es dagegen für den von den Rosstäuschern arg gebeutelten Preußen: Die Unternehmenswitwe lud ihn in die Sommerfrische ein. Ende offen.
Das Theaterensemble agierte unter der Regie von Peter Eder überzeugend, brachte die Spielebenen gewitzt auf die Bühne. Dafür erhielt es anerkennenden und anhaltenden Beifall. Ein exquisiter Abend, der von List und Durschaubarkeit geprägt und dennoch wirkungsvoll war.

Von Siegfried P. Rupprecht
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