Felix Weinold holt Gersthofer Kunstpreis

Der Kunstpreis der Stadt Gersthofen im Bereich der Bildenden Kunst ging an Felix Weinold (rechts). Der Preisträger wurde für eine Videoarbeit prämiert. Mit am „Wühltisch“ sind (von links) Bürgermeister Michael Wörle, Jury-Sprcher Christof Trepesch und Kulturreferent Helmut Gieber. Foto: Siegfried P. Rupprecht
 
Den Publikumspreis erhielt Bernd Bichmann (Bild) für zwei Objekte aus Drahtgitter. Unser Bild zeigt den Künstler mit seiner „Vespa“. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Felix Weinolds Malereien sind meist von einer starken Farbigkeit und Dynamik geprägt. Nicht anders auch seine Videoarbeit „Wühltisch“. Für dieses Werk wurde er im Ballonmuseum mit dem 3.500 Euro dotierten Kunstpreis der Stadt Gersthofen, gestiftet von der VR-Bank Handels- und Gewerbebank, im Bereich Bildende Kunst ausgezeichnet.

Mit der prämierten Arbeit löst der Augsburger Künstler die klassischen Kategorien der Kunstgattungen auf. Malerei, Performance, aber auch Skulptur und Installationskunst seien hier in einer überzeugenden Art und Weise zu einer künstlerischen Einheit verschmolzen, verdeutlichte Jury-Sprecher Christof Trepesch, leitender Direktor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg. Das Siegerwerk überzeuge in seiner inhaltlichen Durchdringung und Dichte, aber auch in der ästhetischen Umsetzung.
Den ersten Kunstgenuss erlebten die rund 200 Gäste im Ballonmuseum allerdings bereits zum Auftakt der Kunstpreis-Verleihung. Das „Trio Adesa“
Brillierte mit der Aufführung des „Trio B-Dur Op. 17 No. 3 Allegro“ des französischen Komponisten François Henri Joseph Castil-Blaze. Mit Spielfreude und sauberer Intonation eroberte das Ensemble auch mit seinen vier weiteren Stücken die Herzen der Zuhörer.

Hände zerstören die Ordnung

Weinolds „Wühltisch“ entstand 2015. Im Mittelpunkt steht ein niedriger Tisch. Auf die Platte wird von der Decke herab eine Videoaufnahme abgespielt.
Von den Bildrändern greifen schließlich Hände in die geometrischen Felder aus Quadraten und Rechtecken, die sich als zusammengelegte T-Shirts entpuppen, ein. Sie beginnen, die Ordnung zu zerstören. Am Ende bleibt auf der Tischplatte nur der Schriftzug übrig: „Endless“.
Damit werde die hastige Gier nach Produkten für den Betrachter als endloser Prozess kenntlich gemacht und mit Hilfe der Zeitlupe, also der Verlangsamung, zu einem präzisen Schlusspunkt geführt, so der Jury-Sprecher. Das Werk sei ein Reflexionspunkt der Moderne, die letztlich die anfängliche Strenge in Unordnung versetzt.

Breites künstlerisches Spektrum

Felix Weinold, 1960 in Augsburg geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Kü̈nste in München. 1988 erhielt er das Akademiediplom. Seit rund 15 Jahren ist er auch für Kunst am Bau tätig. Hier schuf er unter anderem das Treppenhaus in der neuen Stadtbücherei und die Fassade „cleaning windows“ im Sheridan Management Center, beide in Augsburg.
Der Preisträger verfügt über ein weites künstlerisches Spektrum. Faszinierend ist vor allem seine Vielfalt. Interessant sind dabei die wechselseitige Beeinflussung der digital bearbeiteten Fotografien und der Malerei und Zeichnung.
Welchen Stellenwert der Gersthofer Kunstpreis heute besitzt, zeigte Bürgermeister Michael Wörle auf. Er sei ein Highlight im Kulturkalender der Stadt. Die Kommune sei in der glücklichen Lage, sich Kultur etwas kosten zu lassen, meinte er weiter. Heuer, in der 32. Runde des Wettbewerbs, hätten sich 101 Künstler mit 174 Werken beworben.

Publikumspreis für Bernd Bichmann

Kulturreferent Helmut Gieber war es schließlich vorbehalten, den Sieger des Publikumspreises zu präsentieren. Hier ging die Dotierung in Höhe von 300 Euro an den Gersthofer Bernd Bichmann. Die rund 100 Stimmkarten sprachen für ihn ein eindeutiges Votum.
Der Jahrgang 1969 nennt sich „zu 100 Prozent Autodidakt“. Er beteiligte sich mit zwei exklusiven Skulpturen: Sein „Fahrrad“ und seine „Vespa“ bestehen ganz und gar aus Drahtgitter.
Eine Auswahl der beim Kunstpreis eingereichten Werke ist noch bis einschließlich Sonntag, 24. Juli, im Ballonmuseum zu sehen.

Von Siegfried P. Rupprecht
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