Gersthofer Gipfelkreuz auf der Mädelegabel

Das Gipfelkreuz auf der Mädelegabel wurde von Mitgliedern der Gersthofer Kolpingfamilie errichtet. Foto: Kaukor

Mitglieder der Gersthofer Kolpingfamilie stellten vor 54 Jahren auf der 2.645 Meter hohen Mädelegabel ein Gipfelkreuz auf. Bis heute ist es mehr als nur ein religiöses Symbol.

Am 13. August 1961 wurden zwei Bauwerke errichtet. Das eine war eine symbolische Bestätigung für Glaube und Treue, das andere schrieb Weltgeschichte wegen seiner Unmenschlichkeit. Die Rede ist von der Aufstellung des Gipfelkreuzes der Gersthofer Kolpingfamilie auf der Mädelegabel und von der Errichtung der Berliner Mauer.

Die Frage, die sich damals Mitglieder der Kolpingfamilie gestellt hatten, nämlich welches Bauwerk länger Bestand habe, ist mittlerweile geklärt. Das Kreuz hat sich über die Unmenschlichkeit hinweg gesetzt. Mehr als ein Vierteljahrhundert Symbol der Teilung Deutschlands fiel die Mauer am 9. November 1989.

Bis das Gipfelkreuz allerdings stand und geweiht wurde, gab es im Vorfeld viele Diskussionen und Planungen. Fast zwei Jahre vergingen, bis die Idee in die Tat umgesetzt wurde.

Der Gedanke reifte bei der Bergwanderung einer kleinen Gruppe von Freunden der Kolpingfamilie aufs "Hohe Licht". Dort stand damals bereits ein Gipfelkreuz. Spontan kam einer der Teilnehmer auf die Idee, auf dem höchsten Berg des Allgäus, der Mädelegabel, ein Bergkreuz zu errichten.

Die jungen Burschen verhandelten daraufhin mit einem Landwirt aus Lauterbrunn. Er überließ den Entschlossenen kostenlos eine stattliche Eiche. Dann entstanden unter Anleitung des Kolpingmitglieds Willi Hillebrand in dessen Zimmerei die Vierkantbalken.

Die ersten Zweifel

Zur Weihe richteten die jungen Burschen das Kreuz mit der Inschrift "Im Kreuz ist Heil" vor dem Gersthofer Kriegerdenkmal am Kirchplatz auf. Geweiht wurde es von dem indischen Missionsbischof Raymond.

Bei der Aufstellung wurde es den Kolpingmitgliedern allerdings bange. Sie hatten alle Hände voll zu tun, das Kreuz überhaupt standfest zu machen. Die ersten Zweifel kamen. Immerhin musste das fünf Meter hohe, drei Meter breite und fünf Zentner schwere Kreuz auf 2645 Meter Höhe gebracht werden. Doch die Initiatoren blieben am Ball.

Mitte Juni 1961 unternahm ein Viererteam den Aufstieg zur Mädelegabel, um die Löcher für die Verankerung des Kreuzes in den Fels zu schlagen. Bis zur Kemptener Hütte gelangte das Quartett trockenen Fußes, doch dann mussten die Männer sich durch tiefen Schnee kämpfen. Wieder wurde beratschlagt. Wie konnte man das Kreuz am besten auf den Gipfel schaffen?

Es folgten die Vorbereitungen für das Fundament und das Einbetonieren der schweren U-Schienen für den Längsbalken.

Mit welchen Strapazen zu kämpfen waren, erzählte einmal Alfred Steiner, damals Vorsitzender der Kolpingfamilie. "Vom Parkplatz zur Kemptener Hütte ging man vier Stunden und auf den Gipfel der Mädelegabel nochmals zweieinhalb Stunden."

Kies und Zement seien zu Hause in kleine Säcke gefüllt worden. "Das Wasser wurde vom Wasserfall in Gummibettflaschen hochgetragen." Die Rohstoffe seien mit bloßen Händen verarbeitet worden.

Tiefster Winter im August

Der Tag der Gipfelkreuzaufstellung am 13. August 1961 stand unter keinem guten Omen. Ein Autounfall auf der Anreise und schlechtes Wetter waren schlechte Vorzeichen. Ab der Kemptener Hütte herrschte tiefster Winter - und das mitten im Sommer.

Um das Kreuz unbeschadet auf den Gipfel zu transportieren, wurden die Balken verschalt. So zogen die Beteiligten das Kreuz mühsam über die scharfkantigen Felsen, zuerst den Längs-, dann den Querbalken. Aber gemeinsam schafften sie es!

Tags darauf feierte Kaplan Hans Gündele für die an der Aktion beteiligten Kolpingmitglieder am neu aufgestellten Gipfelkreuz eine ergreifende Bergmesse.

Die große Leistung der Beteiligten hatte Auswirkungen auf die gesamte Kolpingfamilie. Sie sei stärker zusammen geschweißt worden, meinte damals Alfred Steiner.

Die Aufstellung des Gipfelkreuzes ist ein Markstein in der Vereinsgeschichte der Kolpingfamilie. Auch heute noch stärkt das Bauwerk die Gemeinschaft im Verein.
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