Höckmair-Villa nicht unter Denkmalschutz

Die sogenannte Höckmair-Villa in Gersthofen verfügt über keine Denkmaleigenschaft. Zu diesem Urteil kam das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Die sogenannte Höckmair-Villa an der Dr.-Muser-Straße wird nicht in die Denkmalliste aufgenommen. Das teilte der Leiter der Denkmalerfassung und -forschung im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Harald Gieß, mit. Er stellte bei dem Gebäude keine Denkmaleigenschaft fest. Dementsprechend werde sein Amt auch formell kein Nachtrag in die Denkmalliste eingeleitet, so Gieß.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren die Umbaupläne aus den 1950er-Jahren. Nach deren Durchsicht sei deutlich geworden, dass der Ursprungsbau aus den späten 1920er-Jahren stark verändert worden ist, resümierte Gieß. So sei hier keinesfalls mehr von einer Denkmaleigenschaft auszugehen.

Die Debatte hatte Alexander Eichler ausgelöst (wir berichteten). Er ist Nachbar der Höckmaier-Villa. Er forderte das Landesamt für Denkmalpflege auf, das Gebäude in die Denkmalliste aufzunehmen.

Der Hintergrund dazu: Der Eigentümer des Gebäudes, Friedrich Wiesenthal, will sein Haus abreißen und dort ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten und Tiefgarage errichten lassen.

Alexander Eichler ist der geplante Abriss ein Dorn im Auge. Er bezeichnete das Grundstück als eine „grüne städtebauliche Insel“ und das Gebäude „mit seinen klassizistischen Zügen und zarten Jugendstilelementen ein einmaliges baukulturelles Zeitzeugnis“. Das Haus biete einen Blick in die frühe Phase der Gersthofer Stadtentwicklung und präge das Umfeld.

Der Anrainer rief deshalb nach einer „unabhängigen Klärung“. „Ich finde es vorrangig wichtig, dass man nicht ,en passant’ baukulturell interessante Objekte abreißt, sondern diese fachlich neutral bewerte“, verdeutlichte Eichler. Als Nachbar sei er natürlich von einem Neubau betroffen, aber noch mehr von einem Abriss der sogenannten Höckmair-Villa.

Zahlreiche Umbauten

Das örtliche Architektenbüro Fendt, das für Friedrich Wiesenthal das vorgesehene neue Mehrfamilienhaus geplant hat, sprach bereits im Vorfeld wegen der zahlreichen Umbauten von „keinem denkmalgeschützten Gebäude“. Der Eigentümer schlüsselte gegenüber unserer Zeitung dann auch die Umbauten an dem 1928 erbauten Gebäude auf: „Das Haus wurde 1957 komplett umgebaut, wobei sich die Wohnfläche verdoppelte. Im Erdgeschoss wurde ein Anbau im Norden mit 60 Quadratmeter Wohnfläche angebaut, im Süden ein Erker mit zehn Quadratmeter und einem darüber liegenden Balkon. Im Dachgeschoss wurden im Süden und Norden jeweils eine große Dachgaube mit Flachdach errichtet sowie Diele und Treppenhaus verlegt, da auch eine Neuorientierung des Eingangs von Osten nach Westen erfolgte.“ Außerdem seien die Fenster im Erdgeschoss vergrößert sowie 1969 Garage und Terrasse erstellt und die Fenster im Dachgeschoss erweitert worden.

Nicht nur nachbarschaftliche Interessen

Alexander Eichler stellte abschließend fest, dass für seine Aktivitäten „nicht nur nachbarschaftliche Interessen maßgebend“ waren. „Baugeschichte war Bestandteil meiner Ausbildung und fasziniert mich seit vielen Jahren“, erklärte er. Beispielsweise habe er in einem Wikipedia-Artikel über „Großformate“ im Wegebau auch geschichtliche Aspekte zusammengetragen und thematisiert.

Von Siegfried P. Rupprecht
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