In extremer Höhe

Die Sonderausstellung „Die Gordon-Bennett-Wettfahrt 1906 bis 2016“ im Gersthofer Ballonmuseum zeigt unter anderem künstlerisch gestaltete Plakate (Bild). Foto: Zeppelin Museum Friedrichshafen

Unter Ballonfahrer hat die Gordon-Bennett-Wettfahrt Kultstatus. Sie ist die älteste jährlich stattfindende internationale Ballonsport-Veranstaltung für Gasballone. Im Herbst wird der Cup in Deutschland ausgetragen. Für das Ballonmuseum Gersthofen Grund genug, über diese berühmte Wettfahrt eine Sonderausstellung zu zeigen. Die Präsentation läuft bis einschließlich Sonntag, 12. Juni.

Namensgeber der Wettfahrt ist James Gordon Bennett junior. Der Amerikaner war Herausgeber der renommierten Zeitung „New York Herald“. Neben seiner verlegerischen Tätigkeit hatte er vor allem ein Faible für Entdeckungen. So sponserte er 1871 eine Expedition zur Auffindung von David Livingstone. Drei Jahre später entsandte er Henry Morton Stanley nach Afrika, um den Flussverlauf des Kongo aufzuklären. Unter anderem finanzierte er eine Polarexpedition und rüstete eine – allerdings tragisch endende – Expedition über die Beringstraße zum Nordpol aus.

Erstmals 1906 ausgetragen

Sprichwörtlich war auch sein Enthusiasmus für Sport. Er organisierte das erste Polo-Turnier in den USA. Er stiftete unter anderem den Gordon-Bennett-Cup für das Automobilrennen Paris-Lyon, einen Preis für Flugzeug- und Motorbootrennen und 1906 einen Pokal für Ballonwettfahrten, den „Coupe Aéronautique Gordon Bennett“, eben jene bis heute durchgeführte Gordon-Bennet-Wettfahrt.
An diesem Wettkampf können sich bis zu drei Ballonteams je Nation beteiligen. Sieger ist das Team, das bei seiner Landung die größte Entfernung zum Starpunkt zurückgelegt hat.
Den ersten in Paris ausgetragenen Wettbewerb 1906 entschied die amerikanische Mannschaft Frank Purdy Lahm und Henry Hersey für sich. Nach einer Fahrtdauer von rund 22 Stunden legte er mit seinem Ballon 640 Kilometer zurück. Im letzten Jahr siegte das schweizerische Team Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger. In 68 Stunden erreichten sie 2.080 Kilometer. Ein Jahr davor, 2014, holten sich den Cup die Deutschen Wilhelm Eimers und Matthias Zenge. Sie waren mit ihrem Ballon 61 Stunden und 1.410 Kilometer unterwegs.

Immer wieder tragische Unfälle

Von einer sportlichen Kaffeefahrt ist die Wettfahrt meilenweit entfernt. Immer wieder kam es zu waghalsigen Manövern und tragischen Unfällen. So waren Piloten im kanadischen Urwald tagelang verschollen. 1995 wurde einer der Ballone von der weißrussischen Luftwaffe abgeschossen. 2010 stürzte ein Ballon in einer Gewitterfront über der Adria ab.
Die Ausstellungsexponate stammen aus der Sammlung von Erich Schröder, die das Zeppelinmuseum Friedrichhafen aufbewahrt. Sie werde nun erstmals umfänglich ausgestellt, freut sich der Sachgebietsleiter des Ballonmuseums, Dr. Thomas Wiercinski. „In historischen Fotografien, Medaillen, Trophäen und künstlerisch gestalteten Plakaten bis hin zu kuriosen Werbeartikeln werden damit über 100 Jahre Geschichte der Ballonfahrt lebendig.“ (spr)
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