Kaum mehr als nichts

Wenn es beim Geld an allen Ecken und Enden fehlt, ist Hilfe mehr als nur ein Licht im Dunkel. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Nicht erst der Blick auf die Billionen Euro von Privatvermögen zeigt: Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Und das auch in unserer Region. Auf der Strecke bleiben Senioren, Alleinerziehende und vom Schicksal gebeutelte Menschen. Dabei wären gerade diese Menschen oft auf einfache und unkomplizierte Hilfe angewiesen.

Zum Beispiel Andrea Maurer (Name von der Redaktion geändert). Ihr fehlt es an allen Ecken und Enden. Doch sie hat Glück: Bürger aus Gersthofen und der Region schnürten – nachdem sie vom Schicksal der 44-Jährigen gehört haben – ein Hilfspaket. Spontan und ohne Gegenleistungen. Hier die Geschichte einer ungewöhnlichen und doch auch wieder selbstverständlichen Unterstützung.
Andrea Maurer ist Mutter von sechs Kinder. Zwei sind erwachsen. Davon lebt ein Kind noch bei der Mutter, das andere im Ruhrgebiet. Ein Sohn geht in die Lehre. Dann gibt es noch die 13-jährigen Zwillinge und einen neunjährigen Sohn. Letzterer lebt in Norddeutschland bei seinem Vater. Dort läuft gegen den Vater eine Anzeige wegen häuslicher Gewalt.
Die Mutter ist mit einer Menge von Problemen konfrontiert. Es sei alles sehr kompliziert, gesteht sie. Gemeint ist damit die Wohnungssuche, die Unterstützung durch das Jobcenter und die Jugendämter. Die Auflagen, die von den Behörden gestellt werden, kollidieren: Wenn eine größere Wohnung nicht zur Verfügung steht, darf der jüngste Sohn nicht kommen. Das Jobcenter gesteht aber erst dann eine größere Wohnung zu, wenn feststeht, dass der Junge kommen darf. „Das ist nicht einfach!“, verdeutlicht die Mutter.

Es fehlt an Allem

Schwierig ist auch ihre sehr schlechte finanzielle Situation. Es fehlt zudem an Kleidung für die Familie. Die Waschmaschine funktioniert nicht mehr richtig. Der Herd ist bald hinüber. Der Kühlschrank hat auch bald ausgedient.
Die Möbel sind mehr als gebraucht. Die Küche ist nur zusammengestellt aus ein paar alten Schränken und hat mit Gemütlichkeit nichts zu tun. Lampen fehlen komplett, ein Fahrzeug sowieso. Flexibilität kommt dadurch zu kurz.
Private Hilfe erhält sie momentan bei der Erledigung von behördlichen Anträgen. Eine Bekannte, die durch Eigenerfahrung gut Bescheid weiß, steht ihr bei diesen Angelegenheiten zur Seite. Das tue ihr und ihrer Psyche gut, meint Andrea Maurer. „Ich bin dafür sehr dankbar.“

Licht im Dunkel

Doch es kommt etwas Licht ins Dunkel. Als sie sich wegen der häuslichen Gewalt gegen ihren jüngsten Sohn ehrenamtliche, aber professionelle Hilfe sucht, erhält Andrea Maurer Unterstützung. Dort wird ihr finanziell ein klein wenig unter die Arme gegriffen.
Ein Vereinsmitglied der Opferschutzorganisation ruft auf, im Bekanntenkreis nach kostenlos abzugebenden Möbel, Lampen und Haushaltsgeräten nachzufragen. Der Appell bleibt nicht unerhört. Ein Mann meldet sich, ist bereit, eine neue Waschmaschine zu spenden und die Kosten für den Ab- und Anschluss des Geräts zu übernehmen. Darüber hinaus sagt er zu, im Falle eines Umzugs mehrere geräumige Fahrzeuge bereitzustellen. „Für die Familie natürlich kostenlos“, wie er versichert.

Etwas Hilfe zurückgeben

Warum er eigennützig hilft, wollen wir wissen. In unserem so reichen Land gebe es Missstände, die zum Himmel schreien, teilt er mit. Hinzu komme bei Menschen die Schamgrenze, die eigene Not nicht öffentlich kundzutun. „Die Leute“ – damit meint er Andrea Maurer und ihre Kinder – „sind in Not. Hier muss gehandelt, nicht geschwätzt werden.“
Spricht er aus eigener Erfahrung? „Vor knapp 20 Jahren hat mich meine Ex-Frau mit drei minderjährigen Kindern sitzen gelassen, erzählt er. „Ich habe sie dann größtenteils allein erzogen! Während dieser Zeit habe ich Unterstützung von Eltern und Freunden erhalten. Jetzt kann ich etwas Hilfe zurückgeben.“
Zurück zu Andrea Maurer: Sie hat durch den Appell eine große Welle an Hilfsangeboten erhalten. Unter anderem haben „wildfremde“ Menschen, die wiederum ihre eigenen Netzwerke mobilisierten, eine große Küche mit allen Elektrogeräten organisiert. Aus Wohnungsauflösungen ist wiederum „kostenfrei“ Mobiliar abgegeben worden.
„Nach so langer Zeit des Verzichts und des Lebens am Existenzminimum haben wir ein richtiges Glücksgefühl erleben dürfen“, freut sich die 44-Jährige unter Tränen. Durch die Hilfe sei die Not gemildert und die Hoffnungslosigkeit nach hinten gerückt.
Nur mit einer größeren Wohnung hat es noch nicht geklappt. Hier scheitert es bislang an der Höhe der Mietkosten. Doch was noch nicht ist, kann noch werden …
Übrigens: Alle im Bericht angegebenen Helfer wollen auf ausdrücklichen Wunsch unerkannt bleiben. Wir haben dies akzeptiert und deshalb auf die Nennung ihrer Namen verzichtet.

Von Siegfried P. Rupprecht
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