Mehr als Kinder, Küche, Kirche

Fleißige Mitglieder und Helfer des Katholischen Frauenbunds Gersthofen bei der Herstellung von Kräuterbuschen. Foto: Tobias Buchdrucker

Der Katholische Frauenbund tangiert zwischen Tradition und Moderne. Dabei besitzen Engagement und Einsatz schon immer einen großen Stellenwert.

Der Gersthofer Katholische Frauenbund ist ein relativ junger Zweig der Frauenbund-Geschichte. In Köln entstand bereits 1903 der erste Verband, der von Frauen selbst und nicht von Geistlichen geleitet wurde. Er setzte sich die "Vertiefung des katholischen Frauenideals" in Familie, Beruf und öffentlichem Leben zum Ziel. Er wollte Frauen jedes Standes religiöse, geistige, kulturelle und soziale Bildung sowie Interessenvertretung anbieten.

Die Gersthofer Frauenbund-Sektion wurde 1949 von der Lehrerin Amalie Schmid aus der Taufe gehoben. Noch wenige Jahre zuvor hatten die Frauen wegen des Fronteinsatzes der Soldaten daheim "ihren Mann" gestanden. Jetzt sollten die Frauen in den Augen der wieder durch Männer dominierten Gesellschaft zu ihren eigentlichen Aufgaben zurückfinden, nämlich Mutter einiger Kinder und dem Ehemann treu sorgende Gattin zu sein sowie der Familie ein schönes Heim zu bereiten. Die drei Ks - Kinder, Küche und Kirche - feierten fröhliche Urständ. Für Frauen wurde es damit schwerer, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen.

So kam die Gründung eines Vereins unter dem Segen der Kirche für das weibliche Geschlecht gerade recht. Von Emanzipation war da aber keine Rede. Der Frauenbund war zunächst eine Art Hilfsorganisation des Pfarrers. Wenn es galt, für Pfarreiveranstaltungen zu kochen oder Kuchen zu backen, konnte der Geistliche auf den Frauenbund zählen. Darüber hinaus gab es aber auch Ausflüge und die Devise, Frauen für ihre Aufgaben als Hausfrau und Mutter vorzubereiten.

Acht Jahre lang stand Amalie Schmid dem Gersthofer Frauenbund vor. Später, unter der 33-jährigen Ägide von Afra Reitenberger und während der Studenten- und Frauenbewegung, galt es, sich gegen radikale Feministinnen abzugrenzen und gegen die Forderung nach Legalisierung der Abtreibung Front zu beziehen.

Im Laufe der Zeit wurden mehr und mehr Erziehungsthemen angesprochen. Küche spielte zunehmend eine untergeordnete Rolle, Kirche dagegen weiterhin eine größere. Verstärkt hinzu kam das soziale Engagement.

1990 übernahm Helene Schwegler den Frauenbund. Ihr folgte 2005 Erna Königer .

Heute hat sich der Frauenbund unter der Führung von Erna Königer und ihrer Stellvertreterin Waltraud Bertossi längst den Zeiterfordernissen angepasst, macht sich für eine gute Ausbildung und eine gleichberechtigte Mitwirkung und Mitverantwortung von Frauen in Kirche und Gesellschaft stark. Er bietet Vorträge, Ausflüge, geselliges Beisammensein und Möglichkeiten zu sozialem Engagement an. Viele der insgesamt 125 Vereinsmitglieder verwandeln beispielsweise vor der Adventszeit Zweige in wundervoll gestaltete Adventskränze und bieten diese zum Verkauf an. Der Erlös kommt verschiedenen sozialen Projekten zugute. Tradition hat auch bereits der "Adventkaffee". Dieser wird zugunsten des städtischen Fonds "Hilfe in Not" abgehalten.

Oder das Binden von Kräuterbuschen. Diese verkauft der Frauenbund an "Maria Himmelfahrt" nach den beiden Gottesdiensten in St. Jakobus und Maria, Königin des Friedens. 2014 flossen die Spenden in die Restaurierung der Kirchenfahnen und einiger liturgischer Gewänder, heuer in die Wartung der Orgel in St. Jakobus.

Wichtig ist den Mitgliedern die regelmäßig stattfindende Kommunikation. Demzufolge führt der Verein jeden ersten Mittwoch im Monat nach dem Gottesdienst im Pfarrzentrum Oscar Romero ein gemeinsames Frühstück durch.

In den über 65 Jahren wurde beim Frauenbund eine gute Mischung zwischen fromm und weniger fromm gefunden. Oder anders ausgedrückt: Traditionen wurden beibehalten und neue Ansätze angestoßen und durchgeführt. Und das macht den Verein bis heute attraktiv.
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