Muslime suchen den Dialog

Die Eyüp-Sultan-Moschee (Bild) in Gersthofen präsentiert sich von außen als moderner Bau. Oben befindet sich eine Kuppel als Dach. Foto: Siegfried P. Rupprecht
 
Die Fenster der Moschee sind großflächig und symbolisieren zwei betende Hände, die zum Himmel ausgestreckt sind. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Mit dem Tag der offenen Tür bot die Türkisch-Islamische Gemeinde Gersthofen nicht nur einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Eyüp-Sultan-Moschee an der Augsburger Straße. Sie feierte damit auch ihr 30-jähriges Gründungsjubiläum. Und so pendelten die zahlreichen Besucher zwischen Informationen, Führungen, Fest und Angeboten für das leibliche Wohl. Unterm Strich ging es der Gemeinde aber auch um den Dialog mit den nichtmuslimischen Nachbarn.

Die Türkisch-Islamische Gemeinde ist eine kleine Erfolgsgeschichte. Angefangen hatte alles vor drei Jahrzehnten in einer Garage. Sie diente als Gebetsraum. Sie war viel zu niedrig, karg und unpersönlich. Sie besaß nicht einmal einen Waschbrunnen. Dieser ist für die rituelle Reinigung vor dem Gebet von Bedeutung.
1998 beschloss die Gemeinde, eine Moschee zu bauen. Als der Bauantrag öffentlich wurde, gab es in der Bevölkerung Proteste. Beim letzten Bauantrag war die Moschee wesentlich abgespeckter. Zudem wurde auf ein Minarett aus Gründen der Rücksicht auf den christlichen Mehrheitsglauben verzichtet. 2006 wurde mit dem Bau begonnen. 2008 folgte die Einweihung. Die Baukosten schlugen mit rund 700.000 Euro zu Buche. Noch heute ist die rund 330 Mitglieder umfassende Gemeinde stolz darauf, dass von ihr sehr viel in Eigenleistung erbracht wurde.

Viele Hingucker

Die zahlreich durchgeführten Führungen hatten natürlich den Gebetsraum zum Ziel. Er ist das Kernstück der Moschee. Er beeindruckt mit seinen Ornamenten und blauen Fresken. Wichtig für die Besucher: Der blau-rote und nach Mekka ausgerichtete Gebetsteppich durfte nicht mit den Schuhen betreten werden.
Für viel Aufmerksamkeit sorgte im Innern nicht nur der Blick zur großen Kuppel, sondern auch ein 400 Kilogramm schwerer Leuchter. Er besteht aus drei frei schwebenden goldenen Ringen. An diesen Ringen sind insgesamt 64 Leuchten befestigt. Ein Hingucker war auch die Predigtkanzel aus Nussholz. Sie besteht aus filigranen und verschnörkelten Motiven.

Vorurteile abbauen

Doch nicht nur das Sehen gewährte einen umfassenden Einblick in die Moschee. Auch die Erläuterungen – bereitwillig erteilt unter anderem vom Vorsitzenden der Gemeinde, Nazir Kiliç, seinem Stellvertreter Cumali Senoglu und „Schatzmeister“ Keren Demirag – boten viel Informationsgehalt. So erfuhren die Gäste, dass die Eyüp-Sultan-Moschee rund 300 Gläubigen Platz biete. Der Männer-Gebetsraum sei mit 136 Quadratmetern fast dreimal so groß ist wie der Frauen-Gebetsraum, hieß es weiter. Die Fenster waren ebenfalls einen Hinweis wert: Sie symbolisieren zwei betende Hände, die zum Himmel ausgestreckt seien.
Die Verantwortlichen der Gemeinde legten großen Wert darauf, dass Islam nichts mit Terror und Gewalt im Sinn habe. Ja, es bestünden natürlich Unterschiede, so die Resümees. Doch darüber stehe Respekt und auch Freundschaft. Begegnungen wie diese würden helfen, Vorurteile und auch Ängste in der Bevölkerung abzubauen.

Große Herausforderung

Großes Thema war natürlich auch das von der Gemeinde unmittelbar neben der Moschee geplante und vom Bauausschuss der Stadt Gersthofen bereits zugestimmte Jugendzentrum (wir berichteten). Die Investitionskosten dafür betragen rund 1,3 Millionen Euro. Auch hier würden die Gemeindemitglieder wieder kräftig anpacken, sowohl körperlich als auch finanziell, wurde versichert.
Das Gebäude erhält im Erdgeschoss eine Bildungsstätte für 25 Kinder und Jugendliche. Darüber entsteht ein Studentenwohnheim mit sechs Zimmer rund zwölf Betten. Im Dachgeschoss befindet sich die Wohnung für den Religionsbeauftragten. Im Keller werden ein Gemeinschaftsraum und eine Küche eingerichtet.
Das Jugendzentrum sei für die Gemeinde eine große Herausforderung, war wiederholt zu hören. Unterstützungsgelder seien nicht zu erwarten.
Die von den Mitgliedern mit viel Liebe gebackenen Kuchen und Torten und die bunte Speisepalette trugen bereits dazu bei, die Finanzlast zu senken. Der Erlös kam nämlich dem Neubau zugute. (spr)
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