"Noch einige Hürden zu nehmen": Bürgerinitiative gegen Abriss der Gersthofer Strasser-Villa will nicht aufgeben

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Die Strasser-Villa stand im Mittelpunkt eines jahrelangen Streits in Gersthofen. Im Februar haben die Bürger entschieden, dass sie abgerissen werden darf. (Foto: Ulrike Hauke)

Die Gersthofer haben entschieden: Die Strasser-Villa soll weichen und einer neuen Stadtmitte Platz machen. Damit steht den Plänen des Investors Peter Pletschacher, der das berühmte Gersthofer Loch endlich zubauen will, eigentlich nichts mehr im Wege. Die Bürgerinitiative „Werte erhalten, Neues gestalten“ gibt sich aber noch nicht endgültig geschlagen.

4470 Gersthofer haben beim Bürgerentscheid Mitte Februar gegen den Erhalt der Villa gestimmt. Damit ist es nun offiziell: Das Gebäude aus den 1920er-Jahren darf abgerissen werden. Doch kommt damit auch ein seit sechs Jahren andauernder Streit zu einem Ende?
Der Dasinger Unternehmer Pletschacher will aus dem Gersthofer Loch eine „Goldene Mitte“ machen. Er plant in zweijähriger Bauzeit einen mehrstöckigen Gebäudekomplex, in dem sowohl Geschäfte und Gastronomie als auch Arztpraxen, Büros und Wohnungen zu finden sein sollen. Dieser sogenannten Variante C hat zuletzt auch der Gersthofer Stadtrat zugestimmt. Um die Pläne nach Pletschachers Vorstellung verwirklichen zu können, ist allerdings der Abriss der Strasser-Villa notwendig. Der Investor hatte gar angekündigt, das Gersthofer Loch unbebaut zu lassen, sollten die Bürger für den Erhalt des Bauwerkes stimmen. Gegen die Pläne des Unternehmers hatte sich die Bürgerinitiative „Werte erhalten, Neues gestalten“ gestellt. Die Initiative sammelte insgesamt 2000 Unterschriften und ebnete so den Weg für den Bürgerentscheid. Dieser fiel mit 4470 zu 4081 Stimmen relativ knapp aus. Das ist mit ein Grund, warum die Initiative noch nicht aufgeben will.
Albert Kaps, Gersthofer Stadtrat (Pro Gersthofen) und Unterstützer der Abriss-Gegner, setzt sich schon lange für die Villa ein. „Wir werden weiterkämpfen“, stellt er klar. Rechtlich sehe er zwar keine Möglichkeit, gegen den Entscheid vorzugehen, doch „Herr Pletschacher wird im Stadtrat noch einige Hürden nehmen müssen, bevor es zur Umsetzung seiner Pläne kommt“. Er appelliert an den Investor, sich das knappe Ergebnis zu Herzen zu nehmen: „Das sollte ihn nachdenklich machen. Es wäre schön, wenn er kompromissbereit wäre und zumindest was die Massivität des geplanten Gebäudekomplexes betrifft, noch einlenken würde.“
Pletschacher selbst verweist ebenfalls darauf, dass Entscheidungen zur detaillierten Gestaltung der neuen Stadtmitte „letztlich in den Händen des Stadtrats liegen“. Er sei erleichtert, dass die Gersthofer zugunsten seiner Baupläne entschieden haben. „Wir haben lange und hart daran gearbeitet, die Bürger mit Sachargumenten zu überzeugen“, erklärt er. Der Abriss der Villa war in den vergangenen Jahren in Gersthofen ein sehr emotionales Thema, bei dem die Gefühle auch mal überkochten. Das bekam Pletschacher auch durch Drohbriefe zu spüren. Im Nachhinein möchte er aber nun „den Streit ad acta legen. Ich habe bereits in einer öffentlichen Sitzung gesagt, dass ich der Bürgerinitiative letztlich dankbar bin. Das Projekt hat sich seit 2011 zu etwas Besserem entwickelt.“ Wie und wann es nun weiter gehen wird, steht im Detail noch nicht fest. „Gespräche mit der Stadt sind geplant“, sagt Pletschacher.

Von Kristin Deibl
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