Nun prüft die Denkmalpflege

Muss die sogenannte Höckmair-Villa (Bild) in Gersthofen unter Denkmalschutz? Ein Nachbar fordert dies. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Bei der Debatte um den Abbruch der so genannten Höckmair-Villa fordert jetzt ein Anrainer die Behörde auf, das Gebäude in die Denkmalliste aufzunehmen.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege will nun prüfen, ob die sogenannte Höckmair-Villa an der Dr.-Muser-Straße in die Denkmalliste aufgenommen wird. Das teilte der dortige Referent für Baudenkmäler in Schwaben, Dr. Harald Gieß, der StadtZeitung auf Nachfrage mit.

Wie berichtet, will der Eigentümer des 1928 erbauten Gebäudes, Friedrich Wiesenthal, das Haus im Rahmen eines rechtsgültigen Bebauungsplans abreißen und dort ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten und Tiefgarage errichten lassen.

Nachbar Alexander Eichler will den Abbruch jedoch verhindern. Er bezeichnet das Grundstück als eine "grüne städtebauliche Insel" und das Gebäude "mit seinen klassizistischen Zügen und zarten Jugendstilelementen ein einmaliges baukulturelles Zeitzeugnis". Zuletzt bat er die Kreisheimatpflegerin Claudia Ried zu prüfen, ob eine Aufnahme des im Volksmund auch als "Wiesenthal-Villa" bekannten Gebäudes - dort lebte viele Jahre der ehemalige Landrat Fritz Wiesenthal - in die Denkmalliste möglich sei.

Die Anlage besitze gar "einen einmaligen Charakter im Großraum Augsburg, wenn nicht in ganz Schwaben", wertet Eichler in seinem Schreiben an die Kreisheimatpflegerin. Das Gebäudeensemble biete einen Blick in die frühe Phase der Gersthofer Stadtentwicklung und präge das ganze Umfeld.

Hinweise an die Stadtverwaltung, dieses Thema fachlich prüfen zu lassen, seien ergebnislos geblieben, so Eichler weiter. Sie sei seit Anfang August über das Thema informiert. Sie sehe aber offenbar keine öffentlich-rechtlichen Möglichkeiten, so der Anrainer.

Eichler fordert nun "nach einer unabhängigen Klärung". Dies bedürfe es, da durchaus unterschiedliche Interessen vorliegen, meint er. In diesem Zusammenhang verweist er "durchaus auf einen Rückgriff auf Artikel 15(5) des Denkmalschutzgesetzes". Darin heißt es unter anderem, dass die zuständige Behörde die Entscheidung über einen Antrag auf Baugenehmigung auf höchstens zwei Jahre aussetzen könne, soweit dies zur Klärung der Belange des Denkmalschutzes, insbesondere für Untersuchungen des Baudenkmals und seiner Umgebung, erforderlich ist. Hintergrund: Voraussichtlich im Oktober soll über die neue Baugenehmigung auf dem Wiesenthal-Areal im Bauausschuss der Stadt entschieden werden.

Die Kreisheimatpflegerin hat zwischenzeitlich wiederum das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet. Nun gelte es festzustellen, ob das Gebäude die Aufnahmekriterien in die Denkmalliste erfüllt, betonte Dr. Harald Gieß im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei werde parallel auch ein sogenannter "Vertrauensschutz" des Eigentümers geklärt, ob bereits eventuell eine Bauvoranfrage oder eine Baugenehmigung vorliege. In letzterem Fall müsse das Gebäude dann allerdings schon einen exorbitanten Wert für den Denkmalschutz aufweisen, so Gieß.

Welche Interessen von Dritten für die Aufnahme in die Denkmalliste zugrunde liegen, sei für sein Amt allerdings vollkommen sekundär, ergänzte der Referent.

Das örtliche Architektenbüro Fendt, das für Friedrich Wiesenthal das vorgesehene neue Mehrfamilienhaus geplant hat, bleibt bei seiner Beurteilung: Von einem denkmalgeschützten Gebäude könne aufgrund der vielen Umbauten überhaupt nicht die Rede sein.
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