Poesie des Augenblicks

Faszination Feuerwerk: An Silvester verzaubern Raketen den Himmel. Foto: GDV
 
Durch unvorsichtiges Hantieren mit Böllern und Raketen kommt es jedes Jahr in der Silvesternacht zu zahlreichen Unfällen. Foto: GDV

Ein Silvester ohne Feuerwerk ist für viele Menschen nicht denkbar. Das Knall, Puff und Peng zu Silvester gehört einfach dazu. Bunte Feuerwerkskompositionen am Nachthimmel, funkelnde Lichterbilder und aufregende Pyroeffekte ziehen Menschen nicht nur magisch an, sie faszinieren und verzaubern auch. Für diese Spektakel werden an Silvester weit über 100 Millionen Euro buchstäblich in die Luft gejagt.

Doch was macht diese Faszination aus? Die Antworten sind vielschichtig. Für die einen ist ein Feuerwerk „die Poesie des Augenblicks“, die gefangen nimmt.
An dieser Feststellung ist viel dran: Feuerwerk ist ein bisschen wie das Leben selbst. Es knallt und rumst: Wenn sich am Himmel bunte Blüten entzünden und Goldregen perlend zur Erde fällt, werden wundervolle Fantasien und verblüffende Illusionen erzeugt. Und doch kann man keines der Bildkompositionen festhalten. Was bleibt, ist die schöne Erinnerung mit vielen Ahs und Ohs. Eben wie im Leben.
Andere sehen das Feuerwerk als Naturgewalt. Für sie gilt es, die Raketen, Böller und Illuminationen zu beherrschen, mit ihnen zu spielen und sich womöglich zum „Helden der Nacht und Nachbarschaft“ aufzuschwingen.

Für richtige Männer

Und da sind wir zwangsläufig bei den Männern. Vor allem die männliche Spezies ist es, die beim Zischen, Krachen und Blitzen in ihrem Element ist. Da erhält dann das Motto „Wenn Männern shoppen gehen, wird es explosiv“ einen ganz neuen Blickwinkel. Damit dies auch richtig umgesetzt wird, trägt die Werbung noch ihr Scherflein bei: „Die volle Ladung für ganze Kerle.“
Dann steht nichts mehr im Wege, wenn sich der Pyrotechniker-Laie in seiner Glanzrolle als „Superman der Pfeif- und Knallbattereien“ sonnt. Dann ist auch zu verstehen, warum sich der Trend der letzten Jahre weiter fortsetzt, den die Händler knapp in drei Worten zusammenfassen: größer, hochwertiger, effektstärker.
Kein Wunder also, dass von Männern speziell das Verbundfeuerwerk immer stärker nachgefragt wird. Gemäß der in Deutschland geltenden CE-Normung haben diese Feuerwerk-Batterien mittlerweile eine Netto-Explosivmasse von bis zu zwei Kilogramm. Für den Power-Peng eben.
Dabei machen nicht der Knall und die Wucht ein gutes Feuerwerk aus. Es kommt vielmehr auf das homogene Spiel zwischen Höhe, Farbe, Sound und Qualität der Feuerwerkskörper und Bewegungsformen an. Diese Bilanz stammt nicht vom Autor dieser Zeilen, sondern sind Resümees von professionellen Pyrotechnikern, also von Menschen, die die „Lizenz zum Spiel mit dem Feuer“ besitzen.

Das Spiel mit dem Feuer

Diese „Spiel mit dem Feuer“ ist über 900 Jahre alt. Ausgangspunkt war die Erfindung des Schwarzpulvers durch Chinesen. 1103 fand das erste friedliche Feuerwerk – natürlich in China – statt. Im 13. Jahrhundert brachen Araber die Kunst der Raketenherstellung nach Europa. Im italienischen Vicenza brannte 1379 das erste europäische Feuerwerk ab. Dort flog eine funkensprühende Taube an einem Seil entlang und begeisterte die Zuschauer. Die Italiener waren es dann vor allem, die alle wesentlichen Elemente der Feuerwerkskunst weiter entwickelten. So entstanden Feuerwerksfiguren und -bauten. Ein großes und geschichtlich belegtes Feuerwerk auf deutschem Boden wurde 1506 zu Ehren von Kaiser Maximilian I. in Konstanz abgebrannt.
Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert erlebte das Feuerwerk seine Blütezeit, als der Hochadel mit seinem Reichtum protzte. Mit der bürgerlichen Revolution in England begann die industrielle Herstellung fertiger Raketen und Böller. Von da an konnte sich das Feuerwerk auch die Bürgerschaft leisten.
Das bisher größte aller Feuerwerke zündeten übrigens Japaner im Juli 1988. Dabei wurde eine Kugelbombe mit einen Durchmesser von rund 1,4 Meter, einem Gewicht von 700 Kilogramm abgeschossen.

Die Schattenseiten von Silvester

Pyrotechnik ist ein großes Sensibelchen. Wenn man sie falsch handhabt, kann alles passieren: Brände und schwere Unfälle - vom ausgeschossenen Auge über den Abriss von Finger und Hand bis hin zum Todesfall ist alles vertreten. Diese Auflistung kann man unter die Rubrik „Schattenseiten von Silvester“ ablegen.
Damit es ein Feuerwerk ohne Schattenseiten wird, hat der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure eine Zehn-Punkte-Checkliste erstellt: 1. Kaufen Sie nur in Deutschland zugelassene Feuerwerkskörper. 2. Planen Sie vor dem Feuerwerk Zeit ein, um die Gebrauchsanleitung zu lesen. 3. Ist Alkohol im Spiel, gilt: Ansehen ja, selbst abbrennen nein. 4. Schießen Sie Feuerwerksraketen nur aus feststehenden Abschussvorrichtungen ab, keinesfalls vom Balkon oder vom Fenster aus. 5. Achten Sie auf ausreichenden Körperabstand zu den Feuerwerksartikeln. 6. Auf „Mutproben“ verzichten: Halten Sie Knallkörper nicht länger als unbedingt nötig in der Hand. 7. Beim Abbrennen vieler Wunderkerzen vor allem kleine Räume gut lüften. Wunderkerzen gehören nicht oder nur unter Aufsicht in Kinderhände. 8. Auf der Straße liegende „Blindgänger“ sind kein Spielzeug, deshalb: Hände weg. 9. Wer auf Nummer sicher geht, prüft auch, ob der Erste-Hilfe-Schrank richtig aufgefüllt ist. 10. Leichte Verbrennungen können mit Leitungswasser gekühlt und einer Brandsalbe behandelt werden. Bei größeren Brandwunden, aber auch bei Augenverletzungen oder durch die Explosion entstandenen Ohrgeräusche ist umgehend der Notarzt aufsuchen.
Dieser Checkliste ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht: Über die Telefonnummer 112 erreicht man die Notrufzentrale beziehungsweise Rettungsleitstelle.

Von Siegfried P. Rupprecht
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