Wahnsinn Alltag - „Theater Gersthofen“ bringt neues Stück auf die Bühne

Das „Theater Gersthofen“ präsentiert auf der Bühne den vielfältigen Wahnsinn des Alltaglebens wie Liebe, Moral und Engstirnigkeit. Fotos: Siegfried P. Rupprecht
 
Mit niveauvollen Bühnenstücken zeigt das „Theater Gersthofen“ dem Publikum, dass der Verein mehr drauf hat als die üblichen Dreiecksverbindungen zwischen Bauer, Knecht und Pfarrer.
Spricht man von Theater, hat man in erster Linie die „Profis“ im Blick. Doch auch das sogenannte „Amateurtheater“ ist mittlerweile zu einer beeindruckenden Größe herangewachsen. Beispiel : das „Theater Gersthofen“. Von „Laienkunst“ ist der engagierte Verein unter seinem Vorsitzenden Lukas Kiermeyr weit entfernt. Er baut vielmehr auf einem Kunstkonzept auf und bringt kontinuierlich neue Theaterstücke auf die Bühne. Sein Repertoire ist vielfältig, mal bunt und schrill, dann wieder leise, fröhlich und ernst.

Von den Mitwirkenden auf der Bühne wird nicht nur schauspielerisches Talent gefordert, sondern auch handwerkliches Können und organisatorisches Geschick. Zupacken und mimen, heißt die Devise beim „Theater Gersthofen“. „Bei uns muss jeder ran“, meint dann auch Spielleiter Peter Eder. Und dann kommt es schon mal vor, dass ein Akteur sein Wohnzimmer für eine Woche komplett ausräumt, weil das Mobiliar als Bühnenbild benötigt wird. Dieses „Rangehen“ habe aber auch seine Vorteile, erklärt Eder. „Alle ziehen an einem Strang.“

Beim „Theater Gersthofen“ geht der Spaß nicht auf Kosten anderer, wie es in so vielen Fensterl-rein-Fensterl-raus-Stücken passiert. „Wir haben einen anderen Anspruch“, verdeutlicht der Spielleiter. Komik mit Niveau, so könne man das Erfolgsrezept umschreiben.

Der Auslöser, eine Theatergruppe in Gersthofen zu gründen, ging 1978 auf einen Zeitungsartikel über die Laientheatergruppe im Landkreis Augsburg zurück. Der langjährige Regisseur der Kol-La-Faschingssitzungen, Theo Neis, sprach daraufhin seinen Arbeitskollegen Herbert Uhl an. Von ihm wusste er, dass dieser bereits einige Jahre in Marktoberdorf Theater gespielt hatte. Peter Eder aus Batzenhofen, künstlerischer Leiter der „Bühnenfreunde Augsburg“, stellte sich als Organisator zur Verfügung. Ihm schwebte ein gutes Amateurtheater vor, möglichst unter Profibedingungen.

Unfeierliche Anspielszenen

Knapp zwei Dutzend Schauspielinteressierte und -begeisterte fanden sich schließlich im Feuerwehrhaus zusammen. So wurde das „Theater Gersthofen“ aus der Taufe gehoben. Mit dabei waren neben Herbert Uhl, der zukünftig als Vereinschef fungierte, unter anderem Peter Eder und seine Frau Inge, Wally Erdhofer, Korbinian Lamprecht, Anderl Oswald und Roland Dempf. Am 17. Dezember 1978 stellte sich die Truppe mit dem Stück „Unfeierliche Anspielszenen zu Advent und Weihnachten“ bei der von der Stadt veranstalteten „Adventfeier für alle“ in der Pfarrkirche Maria, Königin des Friedens erstmals der Öffentlichkeit.

Die „richtige“ Theaterpremiere fand am 9. und 10. November 1979 mit dem Lustspiel „s’Dirndl von der Au“ in der Turnhalle der Pestalozzischule statt. Von da an ging es kontinuierlich weiter. Es folgten „Der Schrecken der Saison“, „Engel in der Hölle“, „Halt di z’ruck, Alois“, „Drei Eisbären“ und „Herz am Spieß“ – alles Volltreffer um Liebe, Moral und Engstirnigkeit. Ein Höhepunkt war 1985 „Der Meisterboxer“. Die Kritik sprach von einem „glänzenden Theaterereignis“.

Großer Wurf

1998 holte das „Theater Gersthofen“ zum großen Wurf aus und präsentierte als kulturelles Glanzlicht auf dem Rathausplatz den „Bayerischen Jedermann“. „Noch nie erreichten das Bühnenbild, die Ausstattungen und das ganze Drumherum einen so riesigen Aufwand“, resümierte der damalige Vereinsvorsitzende Peter Smolek. Mit diesem Stück – so urteilte damals unsere Zeitung – habe der Verein „sein Meisterstück gefertigt und sich gleichzeitig in die Phalanx der Amateurschauspielreigen mit überregionaler Bedeutung gespielt“.

In den 2000er-Jahren orientierte sich das „Theater Gersthofen“ neu. Die Aufführungskosten in der Stadthalle stiegen kontinuierlich nach oben. Hinzu kam der fehlende Bühnennachwuchs. Der Verein löste dieses Problem schließlich mit einer engen Zusammenarbeit mit den „Bühnenfreunden Augsburg“. So konnte man Bühnenakteure aus beiden Vereinen einbeziehen. Zudem ließen sich die Rollen besser besetzen.

Der Verein gewann damit noch mehr an Ausdruckskraft, Temperament, Witz und Energie. Das Publikum honorierte es bei den Aufführungen mit großem Beifall und spontanen Bravo-Rufen, sei es bei den Komödien “„s’Elektrische“, „Da Schippedupfer“, „D’Wahllumpen“, „Da Pfennigfuchser“ oder zuletzt bei dem Theatervergnügen „Da Leftutti“ oder der erneuten grandiosen Aufführung des „Bayerischen Jedermanns“.

Von Siegfried P. Rupprecht
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