Wie es früher einmal war

Früher gab es mehr Lametta: Reinhold Dempf vor dem geschmückten Christbaum. Foto: privat
 
Barbara Lamprecht bestaunt auf dem Arm ihrer Mutter den Weihnachtsbaum. Foto: privat

ANEKDOTEN / Jetzt, kurz vor Heiligabend, kommen wieder Kindheitserinnerungen hoch. Vier Stadträte erzählen über einstige Erlebnisse.

Früher war Weihnachten ganz anders. Immer wieder ist dieser Satz zu hören. Heute gilt aber wie damals: Weihnachten ist ein ganz besonderes Fest. Vier Gersthofer Stadträte erzählen. Allesamt sind die Erinnerungen meist etliche Jahrzehnte alt.
„Es war in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre“, so Peter Schönfelder. Sein Vater war bei der Eisenbahn der Hoechst AG beschäftigt. Er hatte damals am Heiligen Abend Dienst. „Offensichtlich gab es in der Firma für die am Heiligen Abend Beschäftigten etwas zu Trinken und zum Essen“, erinnert er sich. „Mein Vater kam spät nach Hause. Nach der Bescherung hörten mein Bruder und ich, die wir uns auf die Geschenke konzentrierten, wie mein Vater zur Mutter sagte: ,Der … (Name bleibt ein Familiengeheimnis) hat heut‘ einen ganz schönen Aff‘n g‘habt.‘“
Die beiden Kinder wunderten sich sehr über diese Aussage. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass die besagte Person einen Affen sein Eigen nannte.
„Als wir unseren Vater fragten, wie groß das Tier sei und welche Farbe es habe, sagte er uns, dass der Besagte einen Rausch gehabt hat.“ Schönfelder weiter: „Seit diesem Weihnachtsfest weiß ich, dass es Affen gibt, die mit der Tierwelt nichts zu tun haben.“

Erheblicher Aufruhr

Bei Barbara Lamprechts Eltern wurde immer mit einem prächtigen Baum gefeiert. „Den durfte ich mit meinem Papa schmücken“, erzählt sie. Später, in Zeiten der Auflehnung und des Protests, habe sie den Baum mal alleine gestaltet, mit alten Zeitungen behangen, sehr innovativ und alternativ. „Meine Eltern ließen mich gewähren. Das rechne ich ihnen heute noch hoch an.“
Im Alter von etwa fünf Jahren erhielt Barbara Lamprecht zum Weihnachtsfest einen Puppenwagen. Mit dem sorgte sie noch am Heiligen Abend für erheblichen Aufruhr. „Ich schob ihn stolz vor dem Baum hin und her.“ Als sie kurz abgelenkt war, fuhr das Gefährt gegen den Baum. „Das gute Stück lag in seiner ganzen Pracht mitten im Zimmer.“ Zum Glück waren die Kerzen bereits gelöscht. Seitdem wurde der Christbaum bei Lamprechts zur zusätzlichen Sicherung immer am Heizkörper festgebunden.

Schnarchen bei der Predigt

Auch Reinhold Dempf weiß von traditionellen Weihnachtsfeiern in seiner Kindheit zu berichten. Zunächst wurde sehr gut und feierlich im Kreis der Familie gegessen, anschließend kamen die Großeltern zur Bescherung. Dabei wurde immer das Weihnachtsevangelium vorgelesen und gemeinsam besinnliche Lieder gesungen.
„Zu aller Erheiterung sangen dann meine Dempf-Oma und mein Vater immer die vierte Strophe von ,Stille Nacht, heilige Nacht‘“, schmunzelt Dempf heute noch. „Dies wurde mit dem Tonbandgerät aufgenommen und anschließend abgespielt. Der Gesang war jedoch meist so verkehrt, dass man das Tonband rasch wieder abschaltete.“
Traditionell gab es anschließend Bockbier aus den von den Ur-Opas vererbten Bierkrügen. So gestärkt ging die Familie in die Christmette. „Einmal wurde die Predigt des Pfarrers jedoch vom lauten Schnarchen meines Vaters unterbrochen“, erzählt Reinhold Dempf. „Meine Mutter war darüber so erzürnt, dass sie in den darauf folgenden Jahren die Mette ohne meinen Vater besuchte. Ich glaube, das war ihm nicht ganz unrecht.“

Einbruch ins eigene Haus

Dem zweiten Bürgermeister Stefan Buck ist 1999 das zweite Weihnachtsfest nach der Geburt seiner Tochter in bester Erinnerung. „Eigentlich verlief der Tag wie geplant“, meint er. Das hieß: gemeinsames Frühstück, dann Schlittenfahren, Christbaum schmücken, Krippe aufbauen, Kindermesse und anschließend das Abendessen mit der Familie vorbereiten. Alles im Zeitplan und stressfrei. Die Bescherung galt in diesem Jahr natürlich insbesondere der Tochter. „Unabhängig von den Geschenken galt deren Aufmerksamkeit aber weniger den Geschenken sondern vielmehr den glitzernden Christbaumkugeln und dem raschelnden Geschenkpapier.“
Schließlich machte sich die Familie bereit für die Christmette. „Alle bis auf mich und meine Tochter, die ja ins Bett musste. Und so waren wir beide schließlich allein zuhause.“
Nach den Aufräumarbeiten in der Wohnung folgte noch der Gang zur Mülltonne vor der Haustüre. „Und in eben diesem Moment ist es passiert“, verdeutlicht Buck. „Meine Tochter hatte die Türe zugestoßen und mich ausgesperrt.“
Ersatzschlüssel gab es keinen, Werkzeug war im Haus und die Nachbarn waren alle ausgeflogen. Zudem war die Tochter noch viel zu klein, um die Tür selbständig zu öffnen. „Nachdem sich langsam Panik bei mir breit machte und die Kälte auch Wirkung zeigte, blieb nur noch der ,Einbruch‘ ins eigene Haus.
Die Eingangstüre war nach der Attacke erheblich beschädigt und ich selbst ordentlich durchgefroren.“ Seit diesem Weihnachtsfest sei allerdings sichergestellt, dass Ersatzschlüssel zur Verfügung stehen.

Von Siegfried P. Rupprecht
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.