Wörle trifft "Dschinghis Khan"

Gersthofens Bürgermeister Michael Wörle (links) plauderte mit dem erfolgreichen Musiker und Produzenten Leslie Mandoki. Dabei bekundete der Star auch sein Interesse für die Ballonstadt. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Mit Politkern über Themen zu diskutieren und deren Blickwinkel kennenzulernen schade nicht. Leslie Mandoki hatte diese Worte einmal gesagt. Der bekannte Musiker, Komponist und Produzent, der bereits mit Stars wie Phil Collins, Lionel Richie, Jennifer Rush, Chaka Khan, The Temptations und Elton John zusammenarbeitete, war bei der UOK-Römerorden-Gala in der Gersthofer Stadthalle Tischnachbar von Bürgermeister Michael Wörle. Dabei sah man die beiden immer wieder ins Gespräch vertieft. „Ich habe Leslie Mandoki als einen Menschen mit klaren Worten und Ansichten kennengelernt“, resümierte Wörle auf Nachfrage unserer Zeitung.

Dabei entpuppte sich der Römerorden-Träger 2016, der 1979 als Mitglied der Popgruppe „Dschinghis Khan“ mit dem gleichnamigen Song Platz 1 der nationalen Hitliste errang, auch als neugieriger Zeitgenosse. „Leslie Mandoki erkundigte sich beispielsweise interessiert nach dem Haushaltsvolumen unserer Stadt und den größten derzeit laufenden Projekten“, so der Bürgermeister.
Wörle musste ihm etliche Details genannt haben. Und die hatten Mandoki scheinbar beeindruckt. „Jetzt kenne ich den stolzen Etat der Stadt Gersthofen und die hohe Investitionssumme in die Mittelschule“, meinte der Musiker etwas später schmunzelnd.
Mandoki, der vor 40 Jahren aus dem damals kommunistischen Ungarn nach Deutschland geflohen war, sprach mit Wörle auch über seinen Migrationshintergrund. Alles habe kurz vor dem Tod seines Vaters begonnen, erzählte der Musiker wenig später bei der Ordensübergabe. Er habe am Sterbebett seines Vaters versprochen, dass seine Enkelkinder keine zensierten Zeitungen lesen müssen.

Politische Parallelen

Eigentlich habe er nach Amerika gewollt, um dort als Musiker Karriere zu machen, so Mandoki weiter. Aber er habe sich in Deutschland verliebt. Hier sei er Toleranz und Warmherzigkeit begegnet und habe das deutsche Wertesystem schätzen gelernt.
Wörle fand auch eigene Parallelen zu dem Gast. Er wie Mandoki seien politische Quereinsteiger, meinte der Rathauschef. Mandoki ließ sich als CSU-Mitglied für den bayerischen Landtag aufstellen, Wörle kandidierte mit Unterstützung der örtlichen SPD und den Freien Wählern als Parteiloser für das Bürgermeisteramt. Der Unterschied: Wörle wurde gewählt, der erfolgreiche Musikproduzent scheiterte dagegen knapp auf der CSU-Landesliste.

„Keine Toleranz für Intoleranz“

Beeindruckt hatte Wörle auch die klare Abgrenzung von Mandoki zu den heutigen Flüchtlingen. Er habe gesagt: Wer Schutz bei uns sucht, müsse die Eckpfeiler unserer Gesellschaft ohne Wenn und Aber anerkennen, so der Bürgermeister. Mandoki habe ihm gegenüber als Beispiele die Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Meinungsfreiheit genannt. Besonders erfreut zeigte sich Wörle über Mandokis Botschaft: „Keine Toleranz für Intoleranz.“
Wörle wollte von dem zielstrebigen Musiker auch wissen, wie er es erlebe, wenn er heute in Gersthofen und morgen bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles sei. Nicht der Höhenflug bestimme das Leben, sondern die Basis sei der Weg, habe dieser geantwortet.
Bei dem Tischgespräch vertraute Mandoki Wörle auch an, dass er in seinem Heimatort Tutzing am Starnberger See immer wieder Probleme mit dem Internet habe. Daraufhin bot der Bürgermeister ihm einen Umzug nach Gersthofen an. Ob Leslie Mandoki, der Wanderer zwischen den Welten, jetzt einen Ortswechsel anstrebt, ist allerdings nicht bekannt.

Von Siegfried P. Rupprecht
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