Zwischen Sein und Schein

Gertraud Schoen (Bild) und ihr Werk „Lech“ im Gersthofer Rathaus. Sie sieht die Natur, aber auch den Mensch, als Fragment, nur in schemenhafter Andeutung. Foto: Siegfried P. Rupprecht

Ihre Werke hätten kein Außen und kein Innen, kein Oben und kein Unten, meint Gertraud Schoen. Ihre Bilder, die der Kulturkreis Gersthofen derzeit im Rathaus präsentiert, leben vielmehr vom „Dazwischen“. In diesem Raum baut sie künstlerisch geschickt Gegensätze auf, verbindet sie mit Geist, Energie, Sinnlichkeit, Poesie und Realität.

In diesem „Dazwischen“ steht für Gertraud Schoen der Mensch und die Natur. Es sind „Landschaften“, die die im Diedorfer Ortsteil Lettenbach beheimatete Künstlerin formt, wenn es auch zuweilen „Körper-Landschaften“ sind. Nicht vordergründig oder im Detail. Sie arbeitet keine Gesichter heraus, keine Bäume, Wiesen oder Bergmassive.
Ihr Fundament ist die Verfremdung, das Dargestellte demnach nicht realistisch. Gertraud Schoen sieht Mensch und Natur als Fragment, nur in schemenhafter Andeutung. Mal als hingeworfene Skizze, ein andermal als bloße Kontur oder als verwischte Farbfläche.
Obwohl ihre Bilder so zuweilen oft nur schwer zu identifizieren sind, leben sie von der Unmittelbarkeit, mal schwer und erdig, dann wieder licht und duftig. Ob nun Titel wie „Lech“, „Leca“ oder „Wiese“, „Heart“, „Theater“ oder „Valley“ – sie sind präsent und doch abwesend zugleich. Hier wie da eine Mixtur aus Schein und Sein, aus Traum und Wirklichkeit. Mensch und Natur werden bei ihr zum flüchtigen Moment in der leeren Weite, zur mystischen Gestalt, die eigentlich gar nicht mehr anwesend ist. Und doch sind Mensch, Natur und Energie immer erahnbar, immer deutbar.

Bewegtheit und Stille

Auffallend bei Gertraud Schoen ist der besondere Pinselstrich. Meisterhaft versteht sie es, ihren Werken Bewegtheit und Schwung zu verleihen, Frische und letztendlich uneingeschränkte Souveränität. Dabei gehen Komposition und Räumlichkeiten Hand in Hand, um im nächsten Augenblick wieder auseinander zu driften und eine subtile Eigenständigkeit zu bilden. Ihr gelingt es, das zuweilen Flüchtige in etwas Dauerhaftes einzubinden.
Gertraud Schoens Ausstellung steht unter dem Motto „energie - ,nackte‘ beziehungsweise ,akte‘ - natur“. Schlicht, vielleicht etwas salopp und doch konkret genug und unmissverständlich, allemal weit entfernt von Klischees. Farbe, Form und Inhalt tendieren zwischen Bewegtheit und Stille, laden den Betrachter zu einer vielschichtigen Kommunikation ein. Mehr noch: Sie stellen eine eigene Bildsprache dar.
Eine pädagogische oder akademische Malerei ist ihr fern. Sie versucht nicht zu erklären, nicht zu führen. Sie versucht „einzufühlen“. Dass dabei immer ein Einblick in die eigene Seele gegeben wird, eine Offenbarung des inneren Zustands, liegt auf der Hand.
Bürgermeister Michael Wörle nannte bei der Vernissage die Werke von Gertraud Schoen einen „Goldschatz“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Die Ausstellung läuft bis einschließlich Freitag, 27. Mai. Sie ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

Von Siegfried P. Rupprecht
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.