111 Jahr soziale Gerechtigkeit

Gersthofens SPD-Ortsvorsitzende Janine Hendriks (Links) und Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr ehrten langjährige Vereinsmitglieder: (von rechts) Franz Specht, Heinz Koch und Josef Schuler. Foto: Rudi Michel
 
Auch der Vorsitzende der SPD Bayern, Florian Pronold kam zur 111-Jahr-Feier der Gersthofer SPD. Darüber freuten sich Ortschefin Janine Hendriks (links) und Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr. Foto: Rudi Michel

Die Gersthofer SPD feierte im Vereinsheim der Eisstockschützen einen ungewöhnlichen Geburtstag. Die Sozialdemokraten blicken nämlich heuer auf eine 111-jährige Vergangenheit zurück. Eine Vergangenheit, die von Solidarität, Gerechtigkeit und Freiheit, aber auch von Blut, Tränen und Mut geprägt war.

Festredner Peter Schönfelder - er war fast 35 Jahre Vorsitzender der örtlichen Partei - erinnerte daran, dass anfangs der 1900er-Jahre, als sich in Gersthofen eine zunehmende Industrialisierung abzeichnete, Männer und Frauen nach Augsburg-Oberhausen marschiert seien, um dort an Versammlungen der SPD teilzunehmen. Daraus habe sich 1905 die Sektion Gersthofen entwickelt.
Vorsitzender wurde Hans Ruppenstein. Doch die Sozialdemokraten hatten einen schweren Stand. Sie mussten oftmals aus der Defensive agieren. Sie wurden als vaterlandslose Gesellen bezeichnet und als Reichs- und Staatsfeinde beschimpft.
Das Ende des Ersten Weltkriegs bot die Chance zur Neuordnung der Wirtschaftsverfassung und für den demokratischen Sozialismus. Doch in den ersten Nachkriegsjahren hatten die Menschen anderes zu tun als sich ideologisch zu bekämpfen. 1919 wurde Hans Sturm Gersthofer SPD-Chef. 1925 übernahm Andreas Oberdorfer die Leitung der Geschicke. Ihm folgte von 1926 bis 1933 erneut Hans Ruppenstein.

Auf Zeitzeichen reagiert

Unter den braunen Machthabern ging die Verfolgung weiter. Der kleinste Hinweis auf die Mitgliedschaft in der SPD hätte Konzentrationslager oder den Tod bedeuten können. Die Gersthofer SPD reagierte auf die Zeichen der Zeit: Sie verbrannte alle Protokollbücher und Beitragsmarken. Die Gründungsfahne und eine Fahnenband, damals überreicht von der Sektion Oberhausen, konnten gerettet werden.
Trotz Nationalsozialismus, Arbeitsplatzverlust, Verfolgung und Fronteinsatz hatten einige Sozialdemokraten überlebt. Der Wiederaufbau der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Von 1946 bis 1948 nahm Hans Sturm die SPD-Geschäfte auf, danach Heinrich Kronawitter und Walter Pilz. Bei den ersten Nachkriegswahlen 1946 kam die SPD in Gersthofen auf 41,6 Prozent der Stimmen, zwei Jahre später auf 37,5 Prozent.
Der Festredner verwies auch darauf, dass in der wichtigen Nachkriegsaufbauphase mit Georg Wendler ein parteiloser Bürgermeister von der SPD unterstützt worden sei. Dies habe sich jetzt in Verbindung mit den Freien Wählern mit dem parteilosen Bürgermeister Michael Wörle rund 50 Jahre später wiederholt, so Schönfelder erfreut.

Wichtig: Arbeit vor Ort

Im Allgemeinen blieb die Arbeit des SPD-Ortsvereins von Ereignissen auf Bundesebene unberührt. Die Arbeit vor Ort stand im Vordergrund. Diese Position war später vor allem Erwin Rennebarth, Georg Hillebrand, Josef Schuler, Annegret Kirstein, Peter Schönfelder und nun Janine Hendriks zu verdanken. Dennoch musste der Ortsverein insbesondere in den letzten Jahren bei den Wahlergebnissen auch unter den Folgen der SPD-Bundespolitik leiden.
Bürgermeister Michael Wörle hob in seinem Grußwort vor allem die soziale Verantwortung der SPD heraus, die diese immer bereit war, in der Stadt, auf Landes- und auf Bundesebene zu übernehmen.
Ehrungen
Breiten Raum nahmen auch die Ehrungen langjähriger Mitglieder ein. Sie
wurden von Juso-Kreischef Fabian Wamser, Bezirksrat Volkmar Thumser, den
Landtagsabgeordneten Harald Güller und Simone Strohmayr sowie der
Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr vorgenommen. Zehn Jahre SPD feierten
Jutta Greiner, Inga Jensch und Tanja Schönfelder, 25 Jahre Günther Kinzel,
Christian Miller, Marcela Pauer, Josef Pröll, Jürgen Seefried und Hermann
Zuber.
Auf 40 Jahre Mitgliedschaft blickten Klaus Greiner, Bertil Kleber, Anton und Willy Leopold, Anton Schmid und Monika Schönfelder, auf 50 Jahre Josef Appel, Adolf Kubista und Gerd Pecher, auf 60 Jahre Josef Schuler und gar auf 65 Jahre Heinz Koch und Franz Specht.

Überraschungsgast Florian Pronold

Abschließend meinte Ortsvorsitzende Janine Hendriks, dass die SPD verstärkt junge Menschen davon überzeugen müsse, aktiv die eigene Zukunft zu gestalten. Dies werde zukünftig neben sozialen Themen ein großer Schwerpunkt der Gersthofer SPD sein.
Später übernahmen „Jusos And Friends“ die Feier. Dazu gesellte sich dann auch ein Überraschungsgast: Florian Pronold, Vorsitzender der SPD Bayern. (spr)
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